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Gottfried Benn

Ein Arzt und ein grandioser Schriftsteller seiner Zeit. Das war Gottfried Benn (1886-1956). Sein Skandalwerk „Morgue und andere Gedichte“ machte ihn berühmt, denn nicht jeder schreibt über Leichen und die Arbeit in der Pathologie. Für sein Werk erhielt er 1951 den Georg-Büchner-Preis.

Wer war Gottfried Benn?

Ein Arzt, der Gedichte und Erzählungen schreibt? Ja, so ein Arzt war Gottfried Benn (1886-1956). Seine sachliche und fast schon gleichgültig wirkende Schreibweise machte ihn berühmt. Durch die vielen verfassten Obduktionsprotokolle gelang es ihm wie keinem anderen, Krankheiten auf präziseste Art und Weise in seinen Gedichten zu beschreiben. Später kritisierte er in seinen Texten das Regime unter Adolf Hitler, woraufhin man ihm das Schreiben verbat. Sein Leben als Arzt mag konservativ gewesen sein, doch seine Werke sind es nicht. Sie machten ihn zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Gottfried Benn und seine Zeit

Gottfried Benn hat in seinen 70 Lebensjahren viele Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte miterlebt, die sich auch in seinen Werken widerspiegeln. Noch vor dem ersten Weltkrieg, in der Zeit des Expressionismus, schrieb er seine ersten Gedichte mit den Titeln „Schöne Jugend“ oder „Kleine Aster“. Doch die Titel täuschen: Ihre Inhalte sind eiskalte Beschreibungen von Leichen aus seiner Zeit in der Pathologie.

Aster

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Während des ersten Weltkrieges widmet sich Gottfried Benn kaum der Schreiberei. Gottfried Benn ist weder ein Befürworter noch Gegner des Krieges. Er arbeitet pflichtbewusst und distanziert als Militärarzt, unter anderem in Brüssel. Mit der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 beginnt die Weimarer Republik. Er widmet sich vermehrt dem Schreiben von Gedichten, Prosatexten und Essays, die eine traditionellere und dezentere Haltung aufweisen.

Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und die Weimarer Republik endet. Zunächst angetan vom Gedanken des Nationalsozialismus, erkannte Gottfried Benn im Laufe des Zweiten Weltkrieges die falschen Machenschaften Hitlers und distanzierte sich von dessen Regime, was sich auch in seinen Texten niederschlägt. 1938 wurde ihm daraufhin ein Schreibverbot auferlegt.

Nachkriegszeit

Auch unmittelbar nach dem Krieg bleiben seine Werke verboten. Seine Schriften „Der neue Staat und die Intellektuellen“ sowie „Kunst und Macht“ wurden in der sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt. Ab 1948 darf er wieder in Deutschland veröffentlichen und vier seiner größten Werke entstehen. Die Verleihung des Georg-Büchner-Preises (1951) und des Bundesverdienstkreuzes (1953) zählen zu den Höhepunkten seiner Karriere.

Porträt Gottfried Benn

Das Leben von Gottfried Benn

Gottfried Benn erblickte am 2. Mai 1886 im brandenburgischen Mansfeld das Licht der Welt. Sein Vater Gustav Benn, ein Pastor, und seine Mutter Caroline Benn hatten nicht viel Geld und besserten ihren Lebensunterhalt durch den Betrieb einer kleinen Landwirtschaft auf. Ihre insgesamt acht Kinder unterstützten sie dabei fleißig. Die Beziehung zu seinen Eltern konnte unterschiedlicher kaum sein. Das Verhältnis zu seiner Mutter war ein sehr enges, zum Vater dagegen war es sehr distanziert und kühl. Nach dem Tod seiner Mutter 1912 verhärtete sich diese Beziehung und er bricht den Kontakt gänzlich ab. Nach seiner Gymnasialzeit begann er auf Wunsch des Vaters ein Theologiestudium, später wechselte er zum Medizinstudium in Berlin. Mit diesem Studium verpflichtete er sich später als Militärarzt zu arbeiten. Seine anschließende Tätigkeit in Pathologien unterschiedlicher Krankenhäuser verleiteten ihn, erste Gedichte zu veröffentlichen und erste Kontakte zu Dichtern des Expressionismus zu fassen.

Leiche

Während des ersten Weltkrieges arbeitet er zunächst als Militärarzt und eröffnet 1917 in Berlin eine Praxis für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Die 20er Jahre sind für ihn eine schaffensreiche Zeit und er wird 1927 in die preußische Akademie der Künste aufgenommen und 1928 in den Berliner PEN-Club (poets, essayists, novalists). 1933, mit dem Beginn des NS-Regimes, verfasst er eine Loyalitätsbekundung für Hitler. Doch seine Überzeugung vom neuen Staat wandelt sich und auch in seinen Werken übt er mittlerweile Kritik an dieser Ideologie. Von 1935 bis 1945 arbeitet er als Militärarzt in Hannover und eröffnet mit Kriegsende wieder seine Praxis in Berlin. Sein Schreibverbot wird 1948 aufgehoben. Gottfried Benn stirbt am 7. Juli 1956 an den Folgen von Knochenkrebs.

Bedeutende Werke von Gottfried Benn

Im Laufe seines Lebens wandelt sich mehrfach der Schreibstil Gottfried Benns. Sein schulisches Interesse an Latein und Altgriechisch zeigt sich in Dichtungen über die griechische Antike und ihrer Mythologie und Götterwelt. 1912 erscheint sein Skandalwerk „Morgue und andere Gedichte“. Die hier beschriebene Arbeit aus dem Leichenschauhaus provoziert und zeigt zugleich die Negativität des Lebens. Mit der Herausgabe „Gesammelte Schriften“ durch seinen Freund den jüdischen Verleger Erich Reiss endet seine expressionistische Phase. Im Werk „Der neue Staat und die Intellektuellen“ bejubelt er zunächst den Nationalsozialismus, bevor er sich 1934 wieder davon distanziert. Sein Leben, besonders sein Wandel während der NS-Zeit, beschreibt er im Werk „Doppelleben“.


Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

Mit diesem Gedicht „Nur zwei Dinge“ aus dem Jahr 1953 scheint es, als definiere Gottfried Benn selber seine persönliche Lebensbilanz.