Textversion des Videos

Transkript Transplantation und Transfusion

Hallo! Bestimmt hast du von den Diskussionen um Organspenden und von irgendwelchen Skandalen gehört. Oft sind Organspenden lebensnotwendig und Menschen müssen auf langen Wartelisten auf ihr Spenderorgan warten. Doch auch aus der medizinischen Sicht erweisen sich Transplantation und Transfusion als gar nicht mal so leicht.

Damit ein Organ aufgenommen werden kann, muss ersteinmal ein passender Spender gefunden werden. Und auch dann ist noch nicht sicher, ob die Transplantation erfolgreich abläuft. Nach der Aufnahme kann es nämlich dazu kommen, dass das Immunsystem dieses abstoßt. Warum ersteinmal ein passender Spender gefunden werden muss und warum das Immunsystem so auf fremde Organe reagiert, lernst du in diesem Video.

Zunächst wollen wir uns erstmal ansehen, welche Organe und Körperflüssigkeiten überhaupt übertragen werden können. Von Nierentransplantationen hast du bestimmt schon einmal gehört, oder? Aber wusstest du, dass auch Herz, Leber und Lunge übertragen werden können?

Auch einzelne Knochen wie beispielsweise die Gehörknöchelchen oder Adern* können transplantiert werden. Selbst die Übertragung von Geweben, wie Haut oder die Hornhäute der Augen und Herzklappen, ist möglich. Die Transfusion von Blut oder Plasma kennst du bestimmt auch.

Leider kann nicht jeder Organspender einem beliebigen Empfänger ein Organ zur Verfügung stellen. Oftmals kommt es nämlich zur Abstoßung des transplantierten Organs. Aber warum ist das eigentlich so?

Das liegt daran, dass das übertragene Organ vom Körper des Empfängers als fremd erkannt wird. Das Immunsystem erkennt bestimmte Oberflächenstrukturen des fremden Organs und löst darauf hin eine Immunreaktion aus. Die Abstoßung eines Organs ist also nicht etwa eine falsche Reaktion des Körpers, sondern vielmehr eine völlig normale Reaktion eine gesunden Immunsystems, wenn es fremde Antigene erkennt.

Neben der Blutgruppe des AB0-Blutgruppensystems müssen auch bestimmte Gewebeeigenschaften für eine erfolgreiche Organübertragung übereinstimmen. Nahezu jede Körperzelle besitzt nämlich bestimmte Oberflächenproteine, die MHC- oder HLA-Proteine. Dabei steht MHC für major histocompatibility complex und HLA für human leukocyte antigen. Diese wirken bei einem transplantierten Organ als Antigen und können mit den MHC-Rezeptoren der T-Zellen des Immunsystems erkannt werden.

T-Killerzellen und Makrophagen werden durch die aktivierte T-Zelle aktiviert. Das transplantierte Organ wird zerstört. Man sagt auch, dass das Organ abgestoßen wird. Zu einer solchen Abstoßung kommt es nicht, wenn Spender und Empfänger genau die gleichen MHC-Proteine haben. Das ist allerdings nur bei eineiigen Zwillingen oder Mehrlingen der Fall.

Ansonsten achtet man bei der Auswahl von geeigneten Organspendern darauf, dass die MHC-Proteine möglichst ähnlich sind. Nahe Blutsverwandte haben beispielsweise sehr ähnlich MHC-Proteine. Alternativ kann auch in internationalen Datenbanken nach geeigneten Spendern und Empfängern von Organen gesucht werden.

Dabei musst du dir aber klarmachen, dass die MHC-Proteine durch 2000 Genen codiert sind und von jedem Gen bis zu 50 Allele bekannt sind. Dadurch wird die Vielzahl an Kombinationen der verschiedenen Allele deutlich. Und das macht es oftmals gar nicht so einfach, einen passenden Spender für ein Organ zu finden.

Die Reaktion des Immunsystems hängt also von der Ähnlichkeit der MHC-Proteine ab. Je ähnlicher sich die MHC-Proteine sind, desto schwächer ist die zu erwartende Immunreaktion auf ein transplantiertes Organ.

Außerdem hängt die Stärke der Immunreaktion auch von dem übertragenen Organ ab. Beispielsweise verläuft die Transplantation von Hornhaut und Gehörknöchelchen meist ohne eine Immunreaktion ab, da deren Zellmembranen keine MHC-Proteine besitzen. Eine Transplantion einer Niere und die nachfolgende Immunreaktion verläuft weniger stark als z.B. eine Übertragung eines Herzens oder einer Leber.

Um die geschilderte Abwehrreaktion des Immunsystems zu unterdrücken, werden den Patienten bestimmte Medikamente verabreicht, die die Immunantwort unterdrücken. Solche Medikamente nennt man Immunsuppressiva. Dazu gehören zellteilungshemmende Stoffe, die die Vermehrung der Lymphocyten unterdrücken, oder auch Corticosteroide, die die Wirkung von Cytokininen verändern.

Das Hormon Cortison hemmt die Makrophagen und Lymphocyten. Das aus einem Pilz stammende Cyclosporin A wirkt spezifischer. Es hemmt die Signalübertragung von T-Lymphocyten und verhindert damit deren Aktivierung, beeinflusst aber nicht die B-Zellen.

Eine Folge solcher Medikamente ist aber gleichzeitig auch immer eine allgemeine Immunschwäche und damit eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, die z.B. durch Pilze oder Bakterien ausgelöst werden, da mit solchen Medikamenten allgemeine Reaktionen des gesamten Immunsystems unterdrückt werden.

Zusammenfassung

Du weißt jetzt, was in einem Körper passiert, wenn er ein fremdes Organ transplantiert bekommt. Das Immunsystem erkennt bestimmte Oberflächenproteine, die MHC- oder HLA-Proteine, auf den Zellmembranen des Spenderorgans. Diese Proteine wirken als Antigen, bewirken die Bildung von Antikörpern und schließlich die Abstoßung des transplantierten Organs.

Bei gleichen MHC-Proteinen von Spender und Empfänger tritt eine solche Reaktion nicht auf. Meist unterscheiden sich die MHC-Proteine verschiedener Menschen aber und es muss darauf geachtet werden, dass sie sich möglichst ähnlich sind.

Nach der Transplantation werden zusätzlich Immunsuppressiva gegeben, die die Reaktion des Immunsystems unterdrücken, damit allerdings auch zu einer allgemeinen Immunschwäche und Infektanfälligkeit führen. Tschüss und bis zum nächsten Mal!

Informationen zum Video
3 Kommentare
  1. Default

    Vielen Dank!
    Klar, macht Sinn wenn man das weiß ;)

    Von Simone Kissling, vor mehr als einem Jahr
  2. Serpil

    Hallo Simone,
    das ist wirklich eine sehr gute Frage. Du hast ja bereits erfahren, dass in den meisten Fällen die MHC-Proteine auf den Organen, die den eigenen MHC-Proteinen nicht ähnlich sind, der Grund für eine Abstoßungsreaktion des Immunsystems sind. Also : Je mehr solcher MHC-Proteine vorhanden sind, desto stärker reagiert das Immunsystem durch die Aktivierung von T-Zellen. Bei Leber- und Herztransplantationen ist die Intensität der eingesetzten Immunsupressiva höher als bspw. bei Nieren-und Lebertransplantationen, was dafür spricht, dass bei ersteren eine stärkere Immunantwort erwartet wird.

    Von Serpil Kilic, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    Wieso reagiert das Immunsystem weniger stark auf eine Niere, als auf das transplantierte Herz? :)

    Von Simone Kissling, vor mehr als einem Jahr