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Transkript Fight-or-Flight-Syndrom – Zusammenwirken von Nerven- und Hormonsystem

Das Fight-or-Flight-Syndrom - Zusammenwirken von Nerven- und Hormonsystem

Hallo! Du kennst das bestimmt: Du sitzt in der Klasse, jeden Augenblick wird der Lehrer herein kommen und die Aufgabenzettel für die Klassenarbeit austeilen. Du bist angespannt, dein Herz schlägt schneller als sonst, deine Handflächen sind etwas feucht. Du bist in einer Stresssituation.

Warum reagiert dein Körper auf diese Weise auf Stress? Hatte auch ein Urzeitmensch Stress? Wie wirken Nerven- und Hormonsystem bei Stress zusammen und was ist das Fight-or-Flight-Syndrom? In diesem Video wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen.

Stell dir einen Urzeitmenschen vor, der mit seinem Speer in freiem Gelände unterwegs ist. Er ahnt nichts böses. Plötzlich steht ein wolfartiges Wesen vor ihm, er erstarrt. Innerhalb weniger Augenblicke steht der Urzeitmensch unter Hochspannung - Stress. In diesem Zustand muss er eine Entscheidung treffen: Kämpfen oder Fliehen? Fight or Flight? Das ist der Ursprung der Bezeichnung Fight-or-Flight-Syndrom für akute Stresssituationen.

Wenn du einem stressauslösenden Reiz ausgesetzt bist, einem sogenannten Stressor - wenn etwa plötzlich ein wilder Hund vor dir steht -, dann steht dein Körper innerhalb kürzester Zeit unter Hochspannung. Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass diese Anspannung noch eine ganze Weile anhält, obwohl die Gefahrensituation schon längst vorbei ist.

Der scheinbar gefährliche Hund hat sich längst getrollt und ist gar nicht mehr zu sehen. Warum schlägt dein Herz dann immer noch schnell? Der äußere Reiz -der Hund- ist ja längst weg...

Das hängt damit zusammen, dass im menschlichen Körper zwei verschiedene Systeme Hand in Hand laufen: Das Nervensystem und das Hormonsystem. Das Hormonsystem ist etwas träger als das Nervensystem und wirkt daher länger nach. Aber wie genau funktioniert das? Was läuft im Körper ab, wenn eine Stresssituation eintritt?

Ein äußerer Reiz wird -etwa über das Auge- wahrgenommen und über Nervenbahnen an das Gehirn gesendet. Das Gehirn erfasst die Situation und aktiviert den sogenannten Sympathicus, der zum vegetativen Nervensystem gehört. Über elektrische Impulse wird die Nebennierenrinde zur Produktion von Adrenalin und Cortisol angeregt. Gleichzeitig wird in der Hypophyse ein Hormon produziert.

Hormone sind Botenstoffe, die in sehr kleinen Dosen ins Blut ausgeschüttet werden und -wenn sie in bestimmten Zellen auf entsprechende Andockstationen, sogenannte Rezeptoren, treffen- bestimmte Reaktionen auslösen.

In Stresssituationen wird in der Hypophyse das Hormon ACTH produziert und gelangt über die Blutbahn ebenfalls in die Nebennierenrinde. So wird gleichzeitig über das Hormonsystem und das Nervensystem die Produktion der Hormone Adrenalin und Cortisol angeregt.

Die beiden Botenstoffe erreichen über das Blutsystem den ganzen Körper und lösen verschiedene Reaktionen aus: Die Atmung wird beschleunigt, die Aterien weiten sich, der Blutdruck nimmt zu, der Herzschlag wird schneller. So kann mehr Blut aufgenommen und transportiert werden, die Zellen erhalten also mehr Sauerstoff, wodurch Muskeln und Hirn können mehr Arbeit leisten können. In der Leber werden gleichzeitig eingelagerte Kohlenhydrate in Glucose umgewandelt und über das Blut im Körper verteilt. Glucose ist Traubenzucker und der Kraftstoff der Zellen.

Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel können Muskeln und Hirn nun Höchstleistungen vollbringen. Das ausgeschüttete Cortisol wiederum hemmt unter anderem die Verdauung - dadurch wird eine Menge Energie eingespart, die nun Hirn und Muskeln zusätzlich zur Verfügung steht. Stress ist also insgesamt eine sinnvolle, keineswegs ungesunde Reaktion des Körpers, die in „Gefahrensituationen“ die Leistungsfähigkeit enorm erhöht. Ist die Stresssituation vorüber wird der Parasympathicus aktiv.

Die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol wird eingestellt, der Stoffwechsel normalisiert sich wieder. Dass dieser Vorgang des Abklingens oft länger dauern kann, liegt daran, dass es eine Zeit dauert, bis die Konzentration der entsprechenden Hormone im Blut wieder sinkt. Gefährlich ist Stress nur dann, wenn er zu Dauerstress wird.

Wenn ein Mensch -z.b. in seiner Arbeit- permanent unter Druck steht, fährt sein Körper die ganze Zeit über den Modus der Gefahrensituation. Der erhöhte Blutdruck schädigt die Gefäße, Herzinfarkt kann die Folge sein, die Verdauung wird durch die andauernd hohe Konzentration von Cortisol im Blut gelähmt, Darmgeschüre werden begünstigt. Da Cortisol auch das Immunsystem schwächt, steigt die Anfälligkeit für Infenktionskrankheiten.

In der Stresssituation arbeiten Nerven- und Hormonsystem Hand in Hand und lösen bestimmte Reaktionen im menschlichen Körper aus, um eine höhere Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Die Verdauung wird gehemmt und dein Gehirn und deine Muskeln werden mit zusätzlichem Traubenzucker versorgt. Die geweiteten Gefäße ermöglichen eine bessere Durchblutung. Das ist eine sinnvolle Einrichtung, um Gefahrensituationen besser meistern zu können. Wird Stress allerdings zum Dauerstress, wirkt er gesundheitsschädigend. Tschüss!

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2 Kommentare
  1. Serpil

    Hallo,
    Cortisol und Adrenalin wirken unterschiedlich auf den Herz-Kreislauf, den Stoffwechsel, die Hypophyse, dem Immunsystem und die Verdauung. Beispielswiese unterstützt Cortisol die Wirkung von Adrenalin auf den Herz-Kreislauf, steigert den Fettsäuregehalt im Blut und fördert den Muskelproteinabbau zur Energiegewinnung.

    Bezogen aus Immunsystem reagieren sie auch unterschiedlich. Während Adrenalin eine kurzfristige Aktivierung der Abwehrreaktionen bewirkt, unterdrückt Cortisol Entzündungsprozesse und Abwehrreaktionen. usw. :)

    Ich hoffe, das hilft dir weiter!
    LG

    Von Serpil Kilic, vor etwa einem Jahr
  2. Default

    Richtig gute Darstellung!
    Anmerkung: Cortisol wird nicht als Sympathikusreaktion ausgeschüttet. Sympathikus wirkt nur aktivierend auf das Nebennierenmark (Adrenalin). Cortisol wird durch Hormone der Hypothalamus-Hypophysenachse von der Nebennierenrinde gebildet.
    Frage: Wie unterscheiden sich die Wirkungen von Adrenalin und Cortisol?

    Von Yellahh, vor etwa einem Jahr