Nachkriegsliteratur – Literatur ab "Stunde Null"

Mit der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete nicht nur der Zweite Weltkrieg und die Herrschaft der Nationalsozialisten, sondern auch die NS-Kulturpolitik, die im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie alle Bereiche der Kunst streng reglementiert und kontrolliert hatte. Das in Trümmern liegende Deutschland befand sich politisch, gesellschaftlich und kulturell in der „Stunde Null“ – so empfanden es zumindest die Zeitgenossen.

Eine Gruppe zumeist junger Schriftsteller wie Wolfgang Borchert, Heinrich Böll, Wolfdietrich Schnurre und Günter Eich bemühten sich mit ihren Dramen, Gedichten und Kurzgeschichten um einen literarischen Neubeginn, der als Trümmer- oder Kahlschlagliteratur bezeichnet wird. In einer präzisen, einfachen Sprache setzten sich die Werke mit den Themen Zerstörung, Orientierungslosigkeit und Werteverlust auseinander. Borcherts Heimkehrerstück „Draußen vor der Tür“ (uraufgeführt 1947) wurde zu einem der erfolgreichsten Dramen der deutschen Theatergeschichte.

Die 1947 gegründete Gruppe 47, ein Zusammenschluss von Schriftstellern (u. a. Hans Werner Richter, Alfred Andersch, später auch Günter Grass), Publizisten und Kritikern, bot der Erneuerung der deutschen Literatur ein Forum und wirkte gleichzeitig für eine allgemeine Demokratisierung von Politik und Gesellschaft.

Lyriker wie Nelly Sachs und Paul Celan („Todesfuge“) versuchten sich in ihren Gedichten den vermeintlich unbeschreiblichen Verbrechen des Holocaust anzunähern.

Schriftsteller der Inneren Emigration

Neben neuen literarischen Stimmen waren es auch die während der NS-Herrschaft im Land gebliebenen Schriftsteller, die die deutsche Literatur unmittelbar nach dem Krieg prägten. Zu den Autoren der sog. Inneren Emigration, die eine unpolitische Haltung angenommen und sich aus der Nazi-Politik herausgehalten hatten, gehörte auch Gottfried Benn. Mit seiner Lyrik, seiner Prosa, seinen Essays und Briefen wurde er zu einer literarischen Leitfigur im westlichen Nachkriegsdeutschland.

Von den aus dem Exil zurückgekehrten Schriftstellern konnten in Westdeutschland nur wenige wieder Fuß fassen. Zu den Ausnahmen gehörten Thomas Mann und Carl Zuckmayer.

Nachkriegsliteratur in der DDR

Der kulturelle Neuanfang und damit auch die Nachkriegsliteratur stand unter dem Einfluss der Besatzungsmächte. Während sich die Westalliierten in ihren Zonen bemühten, das kapitalistische System zu festigen, fand in der sowjetischen Zone und später in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ein Neuaufbau nach sozialistischen Vorgaben statt. Es entstanden zwei deutsche Literaturen.

Die erste Phase der ostdeutschen Literatur nach dem Krieg stand unter dem Zeichen des Antifaschismus. Exilschriftsteller wie Anna Seghers („Das siebte Kreuz“) und Bertolt Brecht wurden zurückgerufen und galten als Vorbilder. Zu den wichtigsten literarischen Wegbereitern, die sich verpflichteten, mit ihrem Wirken den Aufbau des Sozialismus zu unterstützen, gehörten Johannes R. Becher, Johannes Bobrowski und Bruno Apitz („Nackt unter Wölfen“).