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Sturm und Drang 07:17 min

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Transkript Sturm und Drang

Sturm und Drang

„Wie herrlich leuchtet / mir die Natur!“ Mit diesem Vers beginnt das Gedicht „Maifest“ von Johann Wolfgang von Goethe. Er enthält ein kleines Wort, das revolutionär ist für die damalige Lyrik und das den Kern des “Sturm und Drang” ausdrückt: mir. Denn das Individuum und seine Empfindungen stehen von nun an im Zentrum dieser literarischen Epoche.

Doch fangen wir von vorne an. Wir befinden uns im Jahr 1767. Deutschland wird noch immer absolutistisch regiert, von Fürsten, die über das Volk bestimmen. Doch die Gelehrten und allmählich auch das Volk sind erfasst von einer geistigen Bewegung: der Aufklärung. Jeder soll seinen Verstand benutzen, um sich aus der geistigen Unmündigkeit zu befreien, so lautet das Schlagwort der Stunde. Die Vernunft wird groß geschrieben.

In dieser Zeit versammeln sich einige junge Männer in Straßburg regelmäßig um einen Tisch. Wie die Aufklärer sind auch sie gegen die feudalen Verhältnisse, das heißt, gegen die herrschenden Fürsten und den Adel. Doch ihr Hauptinteresse gilt nicht der Politik, sondern der Literatur. Sie wenden sich gegen den Vernunftbegriff der Aufklärung. Die jungen Männer wollen nicht nur ihren Verstand gebrauchen. Sie wollen vor allem eines: fühlen, wild sein, und ihren Gefühlen Ausdruck verleihen.

Es trifft sich gut, dass in dieser Zeit Goethe nach Straßburg kommt. Er wird Teil der Tischgesellschaft. Und er unterhält Beziehungen zu einem geistigen Vater der jungen Bewegung: Johann Gottfried Herder. Sein Werk „Fragmente über die neuere deutsche Literatur“, 1767 erschienen, wird als Anfangspunkt des Sturm und Drang gesetzt. Es kritisierte die Arroganz der Aufklärer gegenüber dem einfachen Volk. Die Epochenbezeichung „Sturm und Drang“ geht übrigens auf den Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger zurück.

Die Männer um Goethe und Herder in Straßburg bleiben nicht allein. Auch in Darmstadt, Frankfurt am Main und schließlich Göttingen bilden sich Zirkel. Doch wie ist der Ausdruck dieses Gefühls, mit dem die jungen Männer die Literatur erneuern wollen? Die starren Formen, die die Aufklärung lehrt, verachten sie. Dichtung soll nicht in Regelwerke gepresst werden. Sie befreien die Dichtung aus den herkömmlichen Formen.

Die beste Möglichkeit dazu bietet ihnen das Drama. Sie verzichten auf die Einheit von Handlung, Zeit und Ort. Ihre Sprache soll keine Schriftsprache sein, sondern orientiert sich an der gesprochenen Sprache des Volkes. Ihre Stücke sind voller Ausrufe, halber Sätze und Gefühlsäußerungen. Ein typisches Drama des Sturm und Drang ist „Der Hofmeister“ von Jakob Michael Reinhold Lenz. Auch „Kabale und Liebe“ von Schiller gilt als Sturm-und-Drang-Drama, obgleich es der junge Schiller erst gegen Ende der Bewegung schreibt.

Ebenso wenden sich die Stürmer und Dränger dagegen, dass Schriftstellerei gelernt werden könne. Sie sind Anhänger des Genie-Kults. Das Genie hält sich nicht an Regeln, sondern schafft sich seine Gesetze selbst. Es schöpft aus sich heraus. Wichtig ist dabei die Natur. So ist auch ihre Lyrik vornehmlich Natur-Lyrik. Jedoch stehen nicht die Pflanzen oder Tiere im Mittelpunkt, sondern das Individuum: Es erlebt die Natur, es empfindet, es verbindet sich mit ihr - so wie in Goethes Gedicht: „Wie herrlich leuchtet / mir die Natur!“

Ein Schlüsselwerk der Epoche “Sturm und Drang” wird Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. Im Mittelpunkt des Werks steht ein unglücklich verliebter Mann. Er verliert sich im Schwärmen und begeht schließlich Selbstmord. Der Roman hat sofort großen Erfolg über die Landesgrenzen hinaus. Es entsteht der sogenannte “Werther-Kult”: Goethes Roman über verzweifelte Liebe löst eine Selbstmordwelle aus und viele junge Leute der Zeit kleiden sich in der Werther-Tracht. Wie Goethe selbst übrigens auch, der damit das Bild des Literatur-„Popstars“ zelebrierte.

Doch die Stürmer und Dränger stoßen mit ihren rebellischen Ideen nicht nur auf Gegenliebe. Bürgerliche Leser empfinden gerade den Werther aufgrund seiner Thematik als störend und unanständig.

Die beiden berühmtesten Vertreter der Epoche, Schiller und Goethe, wenden sich ab 1785 der Klassik zu. Damit setzen sie der kurzen, aber intensiven Sturm-und-Drang-Phase ein Ende.

Die anderen jungen Männer sind heute nicht mehr bekannt: Gottfried August Bürger, Heinrich Leopold Wagner oder Friedrich Maximilan Klinger. Die meisten von ihnen entstammen dem Kleinbürgertum. Von der Literatur können sie nicht leben. So verdienen sie ihren Lebensunterhalt als Hauslehrer oder Pfarrer. Und nachdem die beiden großen Dichter sich von ihnen abwenden, hören einige ganz auf mit dem Schreiben.

So trifft denn Goethes Gedichtzeile „Wie herrlich leuchtet / mir die Natur!“ vielleicht in einem doppelten Sinn zu: Tatsächlich leuchtet die Natur vor allem ihm, dem Dichterstern. Andere Autoren, wie Jakob Michael Reinhold Lenz etwa, werden für lange Zeit komplett vergessen.

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7 Kommentare
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    toll

    Von Wile Davila, vor 7 Monaten
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    ,,Sturm und Drang`` ist keine eigene Epoche, sondern nur ein Strömung in der Epoche der Aufklärung

    Von Info4grelu, vor 9 Monaten
  3. Default

    Sehr liebevoll und schön gemachtes Video! Hat mir auf jeden Fall weitergeholfen!

    Von Linda 6, vor 11 Monaten
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    Danke für das super Video.

    Von Fidan.Brand, vor mehr als einem Jahr
  5. Rene redaktion

    Vielen Dank für eure Kommentare. Es freut uns zu hören, dass euch das Video gefällt.

    Beste Grüße
    Eure Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor fast 2 Jahren
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    Sehr gutes Video ! Vielen Dank :)

    Von Ingrid Panzel, vor fast 2 Jahren
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    Richtiges gutes Video, dankeschön :)

    Von Linchen1996, vor fast 2 Jahren
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