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Gruppe 47 06:41 min

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Transkript Gruppe 47

Die Gruppe 47 war ein Kreis von Schriftstellern, Publizisten und Kritikern. Sie wurde nach ihrem Gründungsjahr 1947 benannt. Sie steht für den Neuanfang der deutschen Literatur nach der Zeit des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Bis in die späten 60er Jahre hinein blieb die Gruppe einflussreich. Doch: Was machte die Gruppe 47 im Wesenskern aus und wie ist ihre Wirkung in der bundesdeutschen Öffentlichkeit zu erklären?

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Kapitulation übernahmen die alliierten Siegermächte USA, Großbritannien und Frankreich im Westen und die Sowjetunion im Osten, die Herrschaft über Deutschland. Damit endete nicht allein die nationalsozialistische Herrschaft, sondern auch ihre Kulturpolitik, die nur bestimmte, ideologisch korrekte Werke auf den Literaturmarkt ließ.

Der Ruf

Im Frühjahr 1945 war in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager die Zeitung "Der Ruf. Zeitung der deutschen Kriegsgefangenen" entstanden. Der Herausgeber war Curt Vinz. Später in Deutschland planten einige der Mitarbeiter eine neue Zeitschrift mit dem Titel: "Der Ruf - unabhängige Blätter der jungen Generation". Sie erschien erstmalig im August 1946.

In der Zeitschrift erschienen auch literarische Texte. Die Herausgeber Alfred Andersch und Hans Werner Richter setzten sich für ein freies Deutschland als Bindeglied zwischen Ost und West ein. Sie propagierten ein sozialistisches Gesellschaftsbild. Sie kritisierten zudem die amerikanischen Besatzer. Diese verboten deshalb die Zeitschrift im April 1947.

Die beiden Herausgeber mussten die Redaktion verlassen. In der Folge plante Richter eine neue Zeitschrift. Er lud Autoren und mögliche Redakteure zu einem Treffen im September 1947 ein. Die Fotografin, Kritikerin, Kunsthistorikerin und Verfasserin von Gedichten und Essays Ilse Schneider-Lengyel stellte ihr Haus bei Füssen zur Verfügung. Dies sollte eigentlich die erste Redaktionssitzung werden, aber die Zeitschrift, die "Der Skorpion" genannt werden sollte, erschien nie.

Erste Zusammenkunft der Gruppe 47

Stattdessen entwickelt sich diese Zusammenkunft zum ersten Treffen der “Gruppe 47”. Die Wurzeln dieser Gruppe sind also eher bei Publizisten als bei Autoren zu suchen. Die Nationalsozialisten hatten mit der Propaganda vor allem die Sprache und Dichtung massiv verändert - darin war man sich einig.

Streben nach Erneuerung der deutschen Literatur

Die Gruppe nahm sich vor, sich für die Erneuerung der deutschen Literatur und gleichzeitig für die Demokratisierung von Politik und Gesellschaft einzusetzen. Dementsprechend wurden viele Texte verfasst, die der Frage nach Demokratie und Rechtstaatlichkeit in Deutschland nachgingen. Ein Beispiel ist der berühmte Roman "Die Blechtrommel" von Günter Grass, der die Schreckensherrschaft des Nationalismus thematisiert und kritisiert.

Prominente Mitglieder

Die Gruppe 47 kam etwa dreißig Mal zusammen. Neben Autoren nahmen auch Kritiker, Lektoren und Verleger teil. Prominente Namen wie Marcel Reich-Ranicki, Siegfried Unseld, Joachim Kaiser, Heinrich Böll, Ilse Aichinger, Paul Celan, Siegfried Lenz waren dabei. Günter Grass wurde erst durch die Gruppe 47 berühmt. Die Mitglieder trugen Auszüge aus unveröffentlichten Texten vor und stellten sich der Kritik. Die Regeln sahen es vor, dass sie sich nicht verteidigen durften.

Nach 1950 wurde der Preis der Gruppe 47 verliehen. Hiermit wollte man vielversprechenden Autoren Gehör und Popularität verschaffen. Die Gruppe und einzelne ihrer Mitglieder übten immer wieder wache Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Zuständen in der BRD aus. Manche Kritiker warfen der Gruppe ein Meinungsmonopol vor. Dies jedoch überschätzt den Einfluss der Gruppe, der geringer war als oft angenommen.

Erfolge der Gruppe 47

Ferner unterschätzt dieser Einwand die Vielfalt dieses Kreises. So standen z. B. nicht alle von ihnen sozialistischen Ideen nahe. Gerade durch die Vielfalt der Meinungen ihrer Mitglieder und der vorgetragenen Literaturen konnte die Gruppe 47 erfolgreich sein. Die Gruppe erreichte zumindest drei Dinge:

  • Sie schuf ein Forum für den literarischen Neubeginn nach dem Regime des Nationalsozialismus.
  • Sie wies auf die Notwendigkeit von Demokratie, Gerechtigkeit und sozialen Ideen hin.
  • Sie ermöglichte der deutschen Sprache einen literarischen Neuanfang.

Grundsätze der Autoren

Die Gruppe 47 vertrat die Auffassung, dass die deutsche Sprache durch nationalsozialistische Ideologie, durch Beschönigungen und ihren menschenverachtenden Gebrauch verdorben worden sei. Also stand für sie die Sprachkritik im Vordergrund. Begriffe wie zum Beispiel Lager, Herrenmensch etc. waren vom Nazismus belastet. Daher strebte die Gruppe 47 ein klare, präzise und eindeutige Sprache an, die den Sprachgebrauch des Nationalsozialismus ablegte. Ziel war es, unverblümt die Wahrheit zu sagen. Hierfür war besonders die Prosa geeignet.

In der Zeit um 1968 brachen in Westdeutschland und anderen Ländern Studentenunruhen aus. Der Zeitgeist änderte sich. Die Gruppe 47 geriet in zum Teil heftige Debatten mit der sogenannten APO, also der außerparlamentarischen Opposition. Diese linke Bewegung hatte andere Vorstellungen über das Verhältnis von Politik und Literatur.

Die Auflösung der Gruppe 47

Hinzu kamen interne Meinungsverschiedenheiten. Die Zeit der Gruppe 47 neigte sich dem Ende zu. Die Nachkriegszeit war nun endgültig vorbei. Im Oktober 1967 zerbrach der Kreis. Das Treffen 1972 konnte darüber nicht hinwegtäuschen. 1977 fand das Abschiedstreffen statt. 1900 kamen noch einmal ehemalige Mitglieder mit einem Kreis jüngerer Autoren zusammen. Diese Tagung stand ganz unter dem Zeichen des Endes des Kalten Krieges und des Neuanfangs der osteuropäischen Literaturen.

Informationen zum Video
2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Vielen Dank für das Feedback! Das freut uns zu hören.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Gut erklärter Lehrfilm. Schüler/innen kamen gut mit. Gruß aus Hessen! Servus, der Lehrer

    Von Ralfpauli, vor mehr als einem Jahr