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Transkript Bertolt Brecht – Leben und Werk

Keine Frage. Der gebürtige Augsburger Bertolt Brecht darf zu Recht zu den einflussreichsten deutschen Lyrikern und Dramatikern gerechnet werden. Schon früh betätigte er sich literarisch, gab eine eigene Schülerzeitung heraus, verfasste Gedichte und Dramenentwürfe.

Aber was macht diesen Mann eigentlich so einzigartig? Und was ist das Besondere an seinem Werk? Diese Fragen werde ich in diesem Video für Euch klären.

Bertolt Brecht wächst in gesicherten sozialen Verhältnissen auf. Mutter Sophie entstammte einem kleinbürgerlichen Beamtenhaushalt, der Vater war Prokurist und Direktor in einer Papierfabrik.

In München studiert der angehende Literat Philosophie, Medizin und Literatur und kann sich glücklich schätzen, für den Waffendienst im 1. Weltkrieg für untauglich erklärt zu werden.

Um in der Literatenszene Fuß zu fassen, knüpft Brecht Beziehungen zu anderen Größen der Zunft, wie zu Lion Feuchtwanger, Carl Zuckmayer oder zum Kabarettisten Karl Valentin.

Ab Mitte der 20-er Jahre wird Brecht überzeugter Kommunist. In die KPD eingetreten, ist er allerdings nie.

1928 gelingt dem zwischenzeitlichen Kleist-Preisträger mit der „Dreigroschenoper“ der größte kommerzielle Erfolg eines Bühnenstückes in der Weimarer Republik überhaupt. Doch seine Stücke werden zunehmend von den Nazis gestört. Am Tag nach dem Reichstagsbrand verlässt Bertolt Brecht Deutschland. Prag, Wien, Zürich, Paris, Dänemark, Schweden und Finnland heißen die Stationen.

Auf seine künstlerische Produktivität jedoch kann er sich weiterhin verlassen. „Leben des Galilei“ entsteht, des Weiteren „Herr Puntila und sein Knecht Matti“.

Aber der Wurzellose zieht weiter, über Moskau und Wladiwostok zieht es ihn ins sonnige Kalifornien. Er will Drehbücher schreiben und Hollywood belehren. Aber der Erfolg bleibt aus. Vielleicht ist als Kommunist eine unterschwellige Abneigung gegen die kapitalistische USA im Spiel. Brecht selbst bezeichnet sich in jenen Tagen als „Lehrer ohne Schüler“.

Am Tag nach seiner Aussage vor dem „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ reist er ab. Wieder einmal. Über Umwege reist Bertolt Brecht in jene Hälfte Deutschlands, die man später DDR nennen wird. Eine der ersten Inszenierungen, „Mutter Courage und ihre Kinder“ wird ein überwältigender Erfolg. So ein Aushängeschild kann die DDR gebrauchen.

Mit Ehefrau Nummer 2, Helene Weigel, darf er das „Berliner Ensemble“ gründen und baut es zum Mekka des deutschsprachigen Theaterbetriebes aus.

Aber wieder ist er seltsam fehl am Platze. Kompromisse und Kleinkrieg mit den Funktionären stehen auf der Tagesordnung. Dennoch wird diese Zeit später zu seinen produktivsten Schaffensperioden gerechnet werden.

Aber die nächste Krise wartet schon. 17. Juni 1953, Arbeiteraufstand in Ost-Berlin. An die Granden des Regimes verschickt Bertolt Brecht kurze Stellungnahmen, die ihm später als Ergebenheitsadressen ausgelegt werden. Seine Erklärungen in den „Buckower Elegien“ kommen zu spät. Keine Frage, hier sitzt einer zwischen allen Stühlen. Über diesen Zermürbungskampf ist seine Gesundheit längst ruiniert.

Am 14.08.1956 stirbt der Dichter mit dem angeborenen Herzfehler in Berlin-Mitte. Wie in seinem Testament gewünscht, wird während seiner Beerdigung kein einziges Wort gesprochen.

Was bleibt also von diesem Mann, den manche, wie schon erwähnt, für den einflussreichsten deutschen Literaten des 20. Jahrhunderts halten. Oder, um zur Ausgangsfrage zurück zu kehren. Was macht ihn so einzigartig?

Da ist zum einen das von ihm begründete „epische Theater“. Nachdenken war angesagt. Mitfühlen, wie im klassischen Theater, war Out. Dann wäre da noch der Lyriker. Nach Brecht mussten Gedichte einen „Gebrauchswert“ haben, also eine Art Erkenntnisgewinn für den Leser.

Und dann gibt es noch seine hinreißenden „Lehrstücke“, von vornherein für Laien konzipiert, damit auch der einfache Arbeiter sie versteht. Zum ersten Mal werden bei Brecht die Zuschauer aktiv ins Spiel mit einbezogen. Die klassische Trennung zwischen Musiker, Schauspieler und Publikum war damit aufgehoben.

Überhaupt war Brecht unerhört vielseitig. Neben Dramen und Theaterstücken verfasste er auch Lieder, Romane, Hörspiele für´s Radio, Kurzgeschichten, Erzählungen, Drehbücher.... Die Liste ist schier endlos.

Aber am Ende bleibt das Bild eines Heimatlosen, einer tragischen Figur, die nirgendwo ankommt. Bei den Nazis stand er auf der Schwarzen Liste. Den USA galt er wegen seiner linken Überzeugungen als suspekt. Und die DDR sah in ihm lediglich ein Aushängeschild. Selbst im Westen überlagerte seine pro kommunistische Haltung jahrzehntelang eine objektive Beurteilung seines Werkes.

Kein Wunder, dass Brecht bis heute eine umstrittene Figur geblieben ist. Wer war Bertolt Brecht wirklich? Die Antwort liegt im Auge des Betrachters.

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2 Kommentare
  1. Default

    Sehr hilfreich
    Danke Schon

    Von Mahiina, vor 3 Monaten
  2. Default

    Geniales Video. Hat sogar Spaß gemacht das anzuschauen, weil es sehr interessant gestaltet ist.

    Von Roman Krajewski, vor mehr als 2 Jahren