Literatur der BRD 06:24 min

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Die Epoche Literatur der Bundesrepublik bezeichnet die literarischen Werke, die zwischen 1949 und 1989/90 in Westdeutschland geschrieben wurden. Im Jahre 1949 wurde die Bundesrepublik gegründet, im Jahre 1989 fiel die Berliner Mauer. 1990 wurden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt. Damit begann eine neue gesamtdeutsche literarische Epoche, obwohl die Bundesrepublik natürlich weiter existierte.

Ein zeitlicher Überblick

Das entscheidende historische Datum ist der 23. Mai 1949. An diesem Tag wurden das Grundgesetz in Kraft gesetzt und die Bundesrepublik Deutschland in den westlichen Besatzungszonen gegründet. Konrad Adenauer wurde der erste Bundeskanzler. 1955 wurde Westdeutschland Mitglied der NATO. Die späten 60er und frühen siebziger Jahren standen im Zeichen der Studentenrevolution und gesellschaftlicher, aber auch politischer Umbrüche und Reformen.

Bundeskanzler Willy Brandt entwickelte eine neue Ostpolitik, die auf Entspannung und Annäherung setzte. In den achtziger Jahren wurde diese Politik fortgesetzt. Am 09. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Wie sich die historischen Hintergründe in der Literatur der einzelnen Jahrzehnte widerspiegeln erfährst du im Folgenden.

Literatur in den 50er Jahren

In den 50er Jahren war die junge Bundesrepublik zunächst von zeitkritischer Literatur geprägt. Es entstanden vorwiegend Texte, die um die aktuellen Anliegen der Zeit kreisten, oft in Form von Satire. Zu den Themen zählte die häufig verdrängte Aufarbeitung des Krieges und der Diktatur. Ferner schrieb man über die Bedrohung durch den Kalten Krieg und einen möglichen Atomkrieg. Auch der rasante technische Fortschritt war Thema.

Der Erfolg von Lyrik und Epik

Die Grundtendenz war kritisch und selbstkritisch. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten: Heinrich Böll, Günter Grass und Martin Walser. Die Beiträge zur Lyrik und zur Epik waren wesentlich zahlreicher und erfolgreicher als die zur Dramatik. Allerdings wurden vor allem Borchert und Zuckmayer mit Erfolg aufgeführt. Einflüsse der Philosophie des Franzosen Jean-Paul Sartre waren spürbar.

Politisierung in den 60er Jahren

Die 60er Jahre brachten eine Politisierung der Literatur. Innenpolitische Krisen und Unruhen erschütterten das Land und auch den Literaturbetrieb. Soziale Probleme wurden zunehmend in der Literatur thematisiert. Es entstanden vermehrt Texte, die den Holocaus aufarbeiteten und auch nach Ursachen und Schuldigen suchten.

Der Dokumentarismus

Das Dokumentartheater spiegelte gesellschaftspolitische Fragen neu. Die entsprechenden Autoren wie Peter Weiss, Heiner Kipphardt und Rolf Hochhuth nutzten hierfür historische authentische Quellen. Der Dokumentarismus entwickelt neue Formen, wie die Montage von Zeitungsartikeln, Gerichtsprotokollen, Interviews etc. Neben Holocaust waren hier die Arbeitswelt und die Kirchenkritik wichtige Themen.

Innerlichkeit und Selbstfindung

Die frühen 70er Jahre sind gekennzeichnet vom beginnenden Terrorismus und vom Scheitern der Studentenunruhen. Die darauf einsetzende Ernüchterung brachte eine Abkehr vom Politischen mit sich. Eine erneute Periode der Innerlichkeit setzte ein, auch Subjektivität genannt. Werke mit biografischem Gehalt oder zum Thema Selbstfindung wurden geschrieben.

Die Postmoderne

Erstmalig wurde für diese Tendenz der Begriff Postmoderne geprägt. Das hervorstechende Thema war das eigene Ich. Aber auch die Frauenbewegung und das neue Umweltbewusstsein brachten Texte hervor. Der berühmteste Dramatiker der Innerlichkeit ist wohl Botho Strauß. Weitere Vertreter waren Martin Walser und Peter Handke.

Im letzten Jahrzehnt vor dem Mauerfall wollten zahlreiche Autoren die Innerlichkeit überwinden. Die Trennung und Auseinanderentwicklung der Literatur in Ost und West wurde zum Beispiel dadurch infrage gestellt, dass viele Schriftsteller aus der DDR in den Westen übersiedelten. Die Ausbürgerung des regimekritischen Dichters und Sängers Wolf Biermann war Auslöser für die Übersiedlung von Sarah Kirsch, Reiner Kunze und anderen.

Geschichtspessimismus in der Lyrik

In der Lyrik dominierte die Skepsis gegenüber Technik und Fortschritt, aber auch ein gewisser Geschichtspessimismus. Einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Romane der 80er Jahre war "Das Parfum" von Patrick Süskind von 1985. An die Literatur der Bundesrepublik schließt sich die Gegenwartsliteratur an.

Die Gegenwartsliteratur

Wesentliches Kennzeichen sind die neu hinzugekommenen ostdeutschen Schriftsteller. In den Jahren nach 1990 wurden zahlreiche Wenderomane verfasst. Dies sind Texte, die in fiktiver Form die Geschehnisse um den Mauerfall thematisieren. Der Mauerfall und die Zeit bis zur Wiedervereinigung werden auch als Wende bezeichnet. Auch Romane, die um den Holocaust, den Krieg oder den Faschismus kreisen, sind wieder häufiger geworden - nun aus der Perspektive der Enkelgeneration.

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