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Transkript „Der gute Mensch von Sezuan“ - Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Brecht)

Wie reagierte das Publikum auf Brechts Stück "Der gute Mensch von Sezuan"?

Thematisiert es doch die alte Frage nach dem Ursprung des Bösen und der Fähigkeit des Menschen zur Güte. Dies geschah vor dem Hintergrund von Brechts politischen und wirtschaftlichen Erfahrungen in den zwanziger und dreißiger Jahren.

Er hat es größtenteils im Exil verfasst und nicht mehr selbst inszenieren bzw. auf die Bühne bringen können. Dies war erst unter völlig veränderten Vorzeichen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges möglich. "Der gute Mensch von Sezuan" ist das meistgespielte Stück Brechts überhaupt. Während des Exils wurde es in deutscher Sprache im Züricher Schauspielhaus uraufgeführt.

Parabelstück

Dieses Drama ist ein Parabelstück, wie der Untertitel verrät.Diesen Begriff hat Brecht selbst geprägt. Eine Parabel ist eine lehrhafte Erzählung, die menschliche Verhaltensweisen aufzeigt und bewertet. Dieses Prinzip überträgt Brecht auf das Theater. Durch den Bezug zu einem anderen, aber analogen Wirklichkeitsbereich wird ein Urteil oder ein Verständnis der Realität vermittelt.

Verfremdungseffekt und episches Theater

Stellvertretend für alle ausgebeuteten Arbeiter und andere vom Kapitalismus Geschädigte zeigt Brecht eine Prostituierte, die an den wirtschaftlichen Verhältnisse scheitert. Die Prostituierte ist für Brecht ein Extremfall des verkommenen Kapitalismus. Sie verkauft nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern sogar ihren Körper und ihre Liebesfähigkeit.

Das Aufspüren dieser Analogie zwischen den Geschehnissen um eine chinesische Prostituierte und den gesellschaftlichen Verhältnissen der kapitalistischen Welt ist Aufgabe des Zuschauers. Man muss also den Verfremdungseffekt, den Brecht benutzt, entziffern. Auch der Begriff der Verfremdung ist ein Kernbegriff aus Brechts epischem Theater.

Das epische Theater steht im Gegensatz zur dramatischen Aufführungsweise. Brecht geht den Weg von außen nach innen. Die Geste des Menschen verrät, was in seine Inneren vorgeht.

Gegensatz zum aristotelischen Drama

Dies steht im Gegensatz zur psychologischen Vorgehensweise der Tradition des aristotelischen Dramas, die aus dem Inneren das Äußere herleitet. Verfremdung geschieht im Drama auf vielfältige Weise.

Der Erzähler und die Unterbrechung der Handlung durch Lieder schaffen Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Erzählten.

Aufruf zu politischer Aktivität

Diese Eingriffe geschehen aus belehrenden Gründen: Der Zuschauer soll die Veränderbarkeit der gesellschaftlichen kapitalistischen Verhältnisse begreifen und zu politisch-marxistischer Aktivität aufgerufen werden.

Unter Marxismus versteht Brecht die Überführung des Privateigentums in Gemeinschaftseigentum und eine Wirtschaft nach Plan statt der freien Marktwirtschaft.

Politisch-historischer Hintergrund der Rezeption

An den Zweiten Weltkrieg, schloss sich zunächst die Zeit des Wiederaufbaus durch die deutschen Trümmerfrauen an. Diese Nachkriegszeit entwickelte sich allmählich zu einer Phase des Kalten Krieges. Die wesentlichen Kontrahenten waren die freiheitlich-demokratische USA mit Verbündeten Frankreich/England und die sozialistische Sowjetunion im Osten.

Deutschland wurde von diesen Besatzungsmächten geteilt: Zum einen in demokratische, an Marktwirtschaft orientierte Westzonen, und zum anderen in die sozialistisch an Planwirtschaft orientierte Ostzone, die später die DDR wurde. In diese sozialistische DDR, die eng mit Sowjetunion verbündet war, zog Brecht im Jahre 1948, weil er dort seine marxistische Grundhaltung verwirklicht sah.

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