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Transkript „Der gute Mensch von Sezuan“ – Personenkonstellation (Brecht)

Einleitung: Auftrag der Götter

"Seit zweitausend Jahren geht dieses Geschrei, es gehe nicht weiter mit der Welt, so wie sie ist. Niemand auf ihr könne gut bleiben. Wir müssen jetzt endlich Leute namhaft machen, die in der Lage sind, unsere Gebote zu achten."

So lautet der Auftrag, dem die Götter sich zu Beginn des Dramas ausgesetzt sehen. Sie stehen unter Druck. Denn nur wenn die Beweisführung gelingt, haben sie eine Existenzberechtigung. Sie finden jedoch eine kapitalistische Welt vor, in der jeder sich nur um sich selbst kümmere und um sein eigenes Dasein kämpft.

Einzig die Prostituierte Shen Te versucht, gut zu sein, aber es gelingt ihr nur mit einer List. An den Problemen der Menschen haben die egoistischen Götter kein Interesse, sie kennen nur ihr Interesse an der eigenen Selbstbestätigung. Sie finden am Ende des Dramas auch keine Lösung für die Probleme der Welt.

Shen Te

Es ist Shen Te, die als Prostituierte eine Außenseiterin der Gesellschaft ist, die die Götter bei sich aufnimmt. Alle anderen angesprochenen Personen lehnen dies ab. Auch den Menschen gegenüber gibt sich Shen Te mitfühlend, großzügig und hilfsbereit.

Die Armen

Aber dies bringt sie an den Rand des Ruins, die Armen stellen sich als Schmarotzer heraus. Sie sind die unterste Schicht, die die kapitalistische Gesellschaft hervorruft. Zu dieser Bevölkerungsschicht gehören: die achtköpfige Familie, die Witwe Shin, der Arbeitslose, der Wasserverkäufer Wang, der arbeitslose Flieger Yang Sun, der Schreiner Lin To und das Teppichhändlerehepaar.

Shui Ta

Nur in der Verkleidung ihres angeblichen Vetters Shui Ta kann sich Shen Te retten. Shui Ta ist ihr Gegenentwurf; er ist kaltherzig, egoistisch und schreckt vor keiner List zurück, um sich am kapitalistischen Markt zu behaupten. Er denkt rein strategisch für die Erreichung von Vorteilen.

Yang Sun

Der arbeitslose Flieger Yang Sun wird von Shen Te vor dem Selbstmord gerettet. Er nutzt sie aus und schafft mit ihrer Hilfe den Aufstieg zum Prokuristen.

Wang

Der Wasserverkäufer Wang ist arm und erfolglos, aber er glaubt an die Götter und vermittelt zwischen der Götterwelt und den Protagonisten von Sezuan.

Die Reichen: Shu Fu, Mi Tzü

Zu den Reichen bzw. Besitzenden der Gesellschaft gehören der hartherzige Barbier Shu Fu und die Hausbesitzerin Mi Tzü. Diese mehrt mit Berechnung und Verlogenheit ihren Wohlstand.

Die meisten der Protagonisten sind als Besitzende oder Besitzlose auf ihre Teilnahme am kapitalistischen Markt reduziert. Dieser Markt funktioniert zum Vorteil der Besitzenden.

Es gibt keine Sicherheit, denn Aufstieg und Abstieg innerhalb der Gesellschaft sind möglich. Der Abstieg ist eine materielle und soziale Bedrohung. Der Aufstieg gelingt nur mit verbrecherischen Mitteln, durch Anbiedern, durch das Ausnutzen anderer oder andere verwerfliche Verhaltensweisen.

Der Polizist

Der Polizist stützt die Ordnung zugunsten der Besitzenden. Er wendet sich gegen die Besitzlosen und ist auch noch korrupt.

Schlussbetrachtung

Bei der Gerichtsverhandlung um Shen Tes Verschwinden erscheinen die Götter nur, weil ohne Shen Te kein gutes Untersuchungsergebnis für sie in Aussicht ist. Doch Shen Tes Beichte ihrer Doppelexistenz, die sie unter dem Druck der Verhältnisse annahm, unterwandert die Beweisführung: "Euer einstiger Befehl / Gut zu sein und doch zu leben / Zerriß mich wie ein Blitz in zwei Hälften."

So wie am Anfang des Dramas befreien die Götter sich aus der kritischen Situation durch leeres Gerede und bloße Flucht. Sie verschwinden einfach auf einer rosa Wolke. Aber die Blamage der Götter ist unübersehbar.

Der Mensch muss also selbst eine Lösung für die Probleme von Gier, Armut und kapitalistischer Entfremdung des Menschen finden. Brecht hat hier wohlmöglich wieder an den Marxismus gedacht. Durch die Überführung des Privateigentums in Gemeineigentum und sozialistische Planwirtschaft hoffte Brecht, die Welt verbessern zu können.

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