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Transkript „Der gute Mensch von Sezuan“ – Entstehungsgeschichte (Brecht)

Beginn der Arbeit und Quellen

Die Arbeit Bertolt Brechts am Stück "Der gute Mensch von Sezuan" beginnt bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Teile entstehen in den Jahren nach 1939, im Exil auf der Flucht vor den Nationalsozialisten.

Wie so oft in seinem Werk verwendet Brecht auch hier Themen, Motive und Gedanken unterschiedlichen literarischen Ursprungs. Was der Autor aus der Literaturgeschichte aufgreift, dient seiner politisch-ökonomischen Wirkungsabsicht. Die wichtigste Quelle ist die Geschichte von Philemon und Baucis aus Ovids antiken "Metamorphosen".

Philemon und Baucis sind die Einzigen, die die Wanderer Hermes und Zeus bei sich aufnehmen. Sie erhalten dafür einen Lohn: Bei einer Sintflut bleibt ihre Hütte verschont und wird in einen Tempel verwandelt.

Durch die Verwendung dieser Quelle ergibt sich eine Verwandtschaft des Textes mit Goethes "Faust. Zweiter Teil". Auch Goethe bezieht sich auf die Geschichte um Philemon und Baucis.

Ferner finden sich Ideen aus der chinesischen Philosophie in diesem Werk Brechts.

"Fanny Kress" oder "Der Huren einziger Freund"

In den Jahren 1927 und 1928 plant Brecht den Entwurf zu "Fanny Kress" oder "Der Huren einziger Freund". Dieser Plan enthält bereits das Motiv der Verkleidung der Prostituierten in einen Tabakhändler, um anderen Prostituierten zu helfen.

Die Prostituierte ist für Brecht der Inbegriff der kapitalistischen Entfremdung, denn sie verkauft nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihren Körper und ihre Liebesfähigkeit. Die Liebesfähigkeit sollte eigentlich der Selbstverwirklichung und dem persönlichen Glück dienen, im Kapitalismus wird sie zur käuflichen Ware.

Von "Die Ware Liebe" zu "Der gute Mensch von Sezuan"

1930 entwirft Brecht Kurzstücke. Eines davon trägt den Arbeitstitel "Die Ware Liebe". Brecht plant zwei Fassungen des Textes; einen mit gutem Ende, einen mit schlechtem Ende. Diese Fabel hat bereits eine wirtschaftliche Thematik. Die Verkleidung bezweckt hier das Verbergen von ausbeuterischem Verhalten. Auch der grundsätzliche Zwiespalt zugleich Ware und Verkäufer zu sein, steht bereits fest.

Von März bis September 1939 im dänischen Exil beginnt Brecht unter Verwendung der Notizen zu "Die Ware Liebe" das Stück "Der gute Mensch von Sezuan". Der Titel steht nun bereits fest.

Im Mai und August 1940 verändert Brecht das Stück noch einmal grundlegend. Er ist inzwischen von Dänemark nach Finnland geflohen. Im Januar 1941 gibt Brecht dem Stück seine endgültige Gestalt und fügt die Lieder ein.

Am 04. Februar 1943 findet unter der Regie von Leonard Steckel die Weltpremiere des Stücks in Zürich statt.

Schlussbetrachtung: Zurück zu den Quellen

Wie in Ovids “Metamorphosen”, wo Philemon und Baucis als Einzige die Wanderer Hermes und Zeus bei sich aufnehmen und von denen zum Dank von einer Sintflut verschont werden, findet sich dieses Motiv bereits in der Bibel:

Jahwe (also Gott) besucht Abraham und Lot, um zu sehen, ob die Klagen der Einwohner der Städte Sodom und Gomorrha berechtigt sind. Abraham setzt sich Gott gegenüber dafür ein, dass nicht die Gerechten wegen der ungerechten Gottlosen vernichtet werden. So kann er die Zerstörung der Städte verhindern.

Faust will in Goethes Stück unbedingt die Hütte zweier alter Leute erwerben. Grund dafür ist Aussicht auf seinen Besitz. In ähnlicher Weise schädigt Shen Te in Brechts Stück das Ehepaar, das ihr Geld geliehen hat.

Mithilfe dieser Quellen repräsentierte Brecht seine Kritik an der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, in der sich alles um Geld drehe und die Menschen deformiere.

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