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Transkript „Der gute Mensch von Sezuan“ – Inhaltsangabe (Brecht)

Drei Götter und ihr Anspruch

"Die Welt kann bleiben, wie sie ist, wenn genügend gute Menschen gefunden werden."1 So lautet der Auftrag der drei Götter zu Beginn des Stücks. Sie besuchen die chinesische Provinz Sezuan.

Sie wollen in einer von Egoismus und Materialismus, also bloßem Profitstreben dominierten Welt gute Menschen finden. Die Götter wollen beweisen, dass auch gute Menschen in der Welt leben können. Denn nur dann sind sie als Götter nicht überflüssig.

Das Stück umfasst drei Ebenen: die Ebene der Götter, die Ebene der dramatischen Handlung und die Ebene des Zuschauers, die mit einbezogen wird. Diese Ebene berühren sich immer wieder. Brecht nannte dieses Drama ein Parabelstück, weil er hier menschliche Verhaltensweisen lehrhaft durchleuchtet. Doch inwiefern schafft er dies?

Wang - Suche nach Unterkunft

Verzweifelt sucht der Wasserverkäufer Wang in Sezuan nach einer Unterkunft für die drei Götter. Er wird überall abgewiesen.

Die Prostituierte Shen Te gewährt schließlich den Göttern Obdach. Um anderen in ihrer Not beizustehen und ihnen zu helfen nimmt sie persönliche Nachteile hin. Am darauffolgenden Morgen erzählt sie den Göttern von ihren finanziellen Sorgen.

Die Götter zahlen daraufhin für ihr Nachtlager ein großes Vermögen. Auf dieser finanziellen Basis kann Shen Te einen Tabakwarenladen kaufen. Sie muss nun nicht mehr als Prostituierte arbeiten, um zu überleben.

Allerdings muss sie den Göttern als Gegenleistung versichern, dass sie sich in Zukunft nur noch gut gegenüber allen Menschen verhalten wird. So verschmilzt die Ebene der Götter mit der Ebene der dramatischen Handlung.

Kapitalismus: Unmöglichkeit zur Güte

Es stellt sich in der kapitalistischen Gesellschaft als unmöglich heraus, das Versprechen an die Götter einzuhalten.

Shen Tes großzügige Hilfe für die Armen und die von der Gesellschaft Benachteiligten zehrt ihr Vermögen auf und zieht beinahe den Verlust des Tabakwarenladens nach sich. Die Armen entpuppen sich als Schmarotzer.

Shen Te greift zu einer List, um dem Versprechen an die Götter, gut zu sein und doch zu leben, zu entsprechen. Sie schlüpft in die Rolle ihres erfundenen Vetters Shui Ta, der ihr entgegengesetztes zweites Ich darstellt.

Mit dieser Fassade kann sie in rücksichtsloser Weise ihre Existenz vor dem Ruin retten. Als Shen Te kann sie weiterhin ihren Mitmenschen helfen. Sie wird jedoch um ihre Existenz betrogen und darüber hinaus auch noch schwanger.

Um für ihr Kind sorgen zu können, tritt sie wieder als Shui Ta auf. Mittels Ausbeutung und rigiden kapitalistischen Methoden baut sie eine gut gehende Tabakfabrik auf. Aus diesem Grunde taucht Shen Te über mehrere Monate nicht mehr auf. Shui Ta wird verdächtigt, sie umgebracht zu haben.

In der Maske des Shui Ta wird Shen Te angeklagt und vor Gericht gestellt. Die Gerichtsbarkeit üben die Götter aus. Shen Te erkennt in den Göttern diejenigen, denen sie einst das Versprechen gab. Sie lässt die Maske fallen und gibt dem Gericht ihre tatsächliche Identität preis. Sie erzählt den Göttern ihre Geschichte.

Unerfüllter Anspruch der Götter

Der Anspruch der Götter, dass der Mensch gut sein und dennoch leben und überleben solle, ist unerfüllbar. Denn um gut zu sein, muss sich der Mensch in eine gute private Persönlichkeit und eine schlechte öffentliche, wirtschaftliche Persönlichkeit aufspalten.

Diese Einsicht wird von den Göttern ignoriert. Sie erklären die Doppelexistenz des guten Menschen für ein Missverständnis und entschwinden auf einer rosa Wolke. Demnach sind es schließlich die Götter selbst, die anzuklagen sind.

Offerner Schluss und Brechts Antwort

Der Schluss des Stücks bleibt offen, der gute Mensch ist nicht gefunden worden. Der Zuschauer wird mit der offenen Frage nach Güte und Menschlichkeit allein gelassen. Wie kann nun der Mensch gut zu anderen sein, ohne dabei zugrunde zu gehen?

Brecht schwebte wohl vor, dass die Menschen eine Umgestaltung der Gesellschaft und vor allem des Wirtschaftens im marxistischen Sinne erwirken sollten.

Für Brecht kann nur der Kommunismus, also die Abschaffung des Privateigentums und die Überführung jedweden Besitzes in Gemeineigentum für eine bessere Gesellschaft sorgen. Ferner soll der Sozialismus als Planwirtschaft die wirtschaftlichen Verhältnisse humaner gestalten.

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