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Textintention 06:44 min

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Transkript Textintention

Guten Tag liebe Lernende,   in diesem Lehrvideo geht es um den Begriff der Textintention. Ein Begriff, der im Unterricht recht selten auftaucht, allerdings oft behandelt wird. Man redet im Unterricht sehr oft darüber, was ein literarischer oder auch wissenschaftlicher oder auch nur ein allgemeiner Gebrauchstext für eine Leseabsicht besitzt. Wörtlich bedeutet Textintention die Zielrichtung, die Absicht, die Aufgabe, auch nur in einem weiteren Sinne, die ein Text besitzt. Der Text zielt auf etwas und das hat etwas mit dem Verhältnis zwischen dem Leser auf der einen Seite und dem Autoren auf der anderen Seite zu tun. Der Text soll also sozusagen anregen. Jeder Text, der in irgendeiner Weise geschrieben formuliert worden ist, auch wenn jemand sich hingestellt hat, und hat in eine Stele ein paar Buchstaben eingeritzt vor Zigtausenden von Jahren, bezweckt etwas. Wer eine Einkaufsliste schreibt, bezweckt etwas. Wer eine To-do-Liste erstellt, bezweckt etwas. Wer einen Wälzer schreibt,  bezweckt etwas. Also jeder Text besitzt in irgendeiner Weise eine Absicht. Was verbirgt sich im Weiteren hinter diesem Begriff der Textintention? In unserer heutigen Zeit, und das ist erst seit etwa 50, 60 Jahren der Fall, geht es auch immer um das Verhältnis zwischen dem Leser und dem Autoren. Der Leser wird nicht nur bloß als jemand wahrgenommen von den Autoren, dem man etwas hinwirft, was er nun zu fressen hat. Die Texte als solches entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern sie haben meist eine Entstehungsgeschichte. Sie haben meist etwas, was diesem Text voranging und, was dann auch die Folge davon ist, natürlich zielen sie auf etwas. Das bedeutet, jeder Text, der geschrieben wird oder auch geschrieben worden ist, hat dann auch eine Nachgeschichte. Meist hat ein Text einen Anlass. Ein Anlass ist etwas, was den Autoren dazu bewogen hat, etwas zu notieren. Der Leser selbst tritt an diesen Text heran mit einer eigenen Absicht und daraus entsteht eben so ein Spannungsverhältnis. Oft haben wir heute aber auch eine funktionierende Gemeinschaft zwischen dem Leser und dem Autoren. Wir kennen das von Buchlesungen, wir kennen das auch im Unterricht, dass wir, wenn wir uns mit einem Text auseinandersetzen, auch immer versuchen, herauszubekommen, was hat denn den Autoren dazu bewogen, einen Text zu schreiben. Was ist der tiefere Grund für die Entstehung dieses Textes? Gerade wenn wir es mit klassischen Texten zu tun haben, steckt oft eine größere Autorenintention dahinter, meist in einem Gesamtkunstwerk zu verorten. Wir können dann diesen einen Text inhaltlich auf eine ganz bestimmte Zeit verorten, in der also der Autor ganz bestimmte Erlebnisse hatte oder in der um ihn herum, Ereignisse stattfanden, die durch den Autoren dann in dem Text thematisiert worden sind, um an den Leser zurückgeführt zu werden, damit der eine Lesart bekommt, wie er also die Ereignisse zu sehen hat. Irgendwelche Revolutionen, große Kriege, gravierende gesellschaftliche Veränderungen - all das wirkt natürlich auf das Verhältnis von Leser und Autor ein und verändert auch die Textintention in der heutigen Zeit. Wenn wir zum Beispiel einen Text aus der klassischen Zeit haben, das ist eine der Intentionen, die jetzt die Schule verfolgt, dann haben wir eben einen Text vor unserer Nase liegen, der fast eine ewige Gültigkeit besitzt, den wir auf unsere heutigen Verhältnisse anwenden können. Wenn es eben um Eigenschaften des Menschen geht, wie Liebe, Hass, Bruderzwist, Eifersucht und solche Dinge, die also älter als unsere heutige Zeit sind, dann können wir auch ältere Texte in ihrer Intention für unsere heutige Zeit wahrnehmen und adaptieren. Das verbirgt sich also, wenn in der Aufgabenstellung steht: "Lieber Schüler, beschäftige dich bitte mit den Intentionen Goethes im Faust!", also ewiges Streben, Unruhe des Menschen, Unzufriedenheit, Wissensdurst, Chaotentum - nennen wir es doch, wie wir es wollen. Das alles verbirgt sich dann in Textintentionalität. Gut, schließlich müssen wir dann aber auch noch erkennen, dass es immer eine Diskrepanz gibt. Es gibt immer eine Zwischenstufe, keine Eineindeutigkeit zwischen Leser und Autor. Der Leser selbst tritt oft an einen Text mit einer Erwartungshaltung heran, die in den seltensten Fällen erfüllt wird. Sehr oft erlebe ich es, dass ein Buch zur Seite gelegt wird, mit der Begründung: "Das hat vielleicht meinem Freund gefallen, aber ich fand es langweilig." oder "Ich weiß nicht, was die daran findet, das ist doch nicht schön, das ist doch einfach nur geschmacklos." Also, das Verhältnis zwischen der Erwartungshaltung des Lesers und dem mutmaßlichen Ergebnis ist auch immer ein Thema in puncto Textintention. Erfüllt das Buch die Erwartungen, die ich an es gestellt habe? Erfüllt der Autor meine Erwartung aufgrund seiner Vorgeschichte? Wir kennen das auch - ein gutes Buch, ein schlechtes Buch. Es ist in unserer heutigen Zeit natürlich auch sehr wichtig für Verlage und für andere Einrichtungen, dass, wenn ein Autor besondere Vorschusslorbeeren hat, dann die ganze Welt von seinem nächsten Buch einen großartigen Wurf erwartet, der dann in den seltensten Fällen erfüllt werden kann. Soviel zum Inhaltlichen des Begriffes Text, speziell des Begriffes Textintention.  

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