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Transkript Inhaltsanalyse – Logik und Textentfaltung

Guten Tag, liebe Lernende, in diesem Lehrvideo geht es wieder um Textanalyse, beziehungsweise Inhaltsanalyse. Wir wollen uns hier mit der Logik und der Textentfaltung beschäftigen und am Anfang kurz den Begriff Logik erklären, sofern wir ihn jetzt für die Inhaltsanalyse benötigen. Wenn wir also einen Text hinsichtlich seines logischen Gehalts analysieren sollen, so kommt es auf dreierlei an. Zum einen auf einen Bezug zwischen dem Ich und dem Es. Für das Ich können wir auch das Subjekt annehmen und für das Es das Objekt. Und das ist ja das Thema in dieser Aufgabenstellung. Wir sollen ja die Subjekt-Objekt-Problematik hier herausanalysieren. Ich ist also in dem Falle der Dichter, Es ist in dem Falle der Bär, beziehungsweise der an den eigenen Pfoten zehrende Bär. Wir haben festgestellt, dass zwischen dem Ich und dem Es eine Verbindung besteht, herauszuarbeiten, beziehungsweise sprachlich zu manifestieren durch das Verb gleichen. Es ist jetzt zu prüfen, ob der Text, wenn wir ihn in einem Teil verändern, immer noch eine Bezüglichkeit zwischen Ich und Es zulässt. Wir könnten das bei dem Verb gleichen versuchen, weil das ja quasi die Achse zwischen Subjekt und Objekt abgibt und benutzen jetzt mal das Verb vergleichen. So, Dichter vergleichen Bären, die immer an eigenen Pfoten zehren. Das würde bedeutet, dass der Dichter zum Bären in eine erweiterte und größere Distance gerät, weil nunmehr ist der Dichter nicht mehr der Bär, sondern der Dichter betrachtet den Bären. Das ist etwas ganz anderes, als wenn der Dichter dem Bär gleich sei. Zwei verschiedene Dinge, und schon müssten wir einen völlig anderen Aufsatz schreiben, um die Aufgabenstellung der Subjekt-Objekt-Problematik zu erfüllen. Nur durch diese kleine Vorsilbe ver. Aber die Logik wäre hier immer noch gewährleistet, weil das kann der Dichter machen. Der Dichter kann Bären miteinander vergleichen, über die ausgesagt wird, dass sie immer an den eigenen Pfoten zehren. Aber die eigenen Pfoten treffen dann nicht mehr auf den Dichter zu. Wie gesagt, es wird ein anderer Aufsatz. Wenn wir jetzt das Dichter zu einem begleichen ummodeln, be könnten wir auch benutzen, wir können an gleichen einfach ein anderes Präfix vorne dranstellen, und schon hätten wir einen grammatikalisch korrekten Satz. Dichter begleichen Bären, die immer an eigenen Pfoten zehren. Das allerdings ist schon, was die Logik betrifft, ein wenig dubios. So ganz klar scheint hier nicht zu sein, worum es eigentlich geht. Was begleichen? Eine Rechnung begleichen, an Bären, mit Bären, gegen Bären? Unklar, was das bedeuten soll. Und das ist gemeint, wenn wir die Logik untersuchen. Wir müssen die Bedeutungen, die die einzelnen Worte haben, analysieren. Und dann können wir feststellen, der Bedeutungsinhalt von begleichen passt nicht auf einen Bezug zwischen Dichtern und Bären. Und dementsprechend ist die Logik in diesem Text zwischen Ich und Es, zwischen Subjekt und Objekt, nicht hundertprozentig gegeben. Sie ist etwas indifferent, unausgegoren. Und damit bin ich beim zweiten Punkt, der Ausschließlichkeit. Oft ist es so, einen guten Text erkennt man daran, dass er zwar polyvalent ist, also verschiedene Lesarten trägt, aber dass er auch klar ist in seiner Bezüglichkeit, dass man also ganz genau analysieren kann, wer tut in dem Text was, wer leistet was und auf wen wird wie in irgendeiner Weise gewirkt. Das sind die entscheidenden Parameter, die einen Text  auszeichnen und die man durch die Analysetätigkeit hervorbringen kann. Wenn also Dichter Bären gleichen, ist die Ausschließlichkeit gegeben, weil das Gleichheitszeichen bewirkt ja nichts anderes als Klarheit und Ausschließlichkeit, beide Seiten sind gleich, das kennen wir aus der Mathematik. 2a sind b, dann ist a eben 2 und b ist 4 und beide Seiten sind gleich und dazwischen ist das Gleichheitszeichen gestellt, um uns zu zeigen, dass zwar die Dinge unterschiedlich aussehen, aber das Gleiche bedeuten sollen, nämlich in dem Fall in der Mathematik die 4, und in unserem Fall: Dichter und Bären sind gleich. Das ist Klarheit, das ist Ausschließlichkeit, Ausschließlichkeit in dem Text, der Dichter hätte natürlich die Möglichkeit, polyvalent, er könnte auch sagen: Dichter gleichen Ungeheuern, die immer an fremden Federn naschen, um das mal so sagen. Ich habe das jetzt einfach einmal ausgetauscht. Dann ist das auch ausschließlich und dann ist das auch klar, für den Text. Und es ist deutllich, der Bezug zwischen Ich und Es ist dann natürlich auch gegeben, bloß durch andere Worte ausgetauscht. So funktioniert im übrigen ein Großteil der Dichtung, wo also viele einzelne Bestandteile bloß ausgetauscht werden, also die eigentliche Funktionalität des Textes dann immer noch gegeben ist. Gut, soweit zur Logik, kommen wir jetzt zur Textentfaltung. Thema dieses Videos zur Inhaltsanalyse ist die Textentfaltung. Textentfaltung ist in kleineren Texten meist so zu erwarten, dass der Leser in sich selbst bei Lesen des Textes eine Welt entwickelt, eine Fantasie besitzt, die er einsetzt, um die im Text angezeigten, groben Eckpunkte dieser Welt mit Leben zu füllen. Wenn wir so einen kurzen kleinen Text haben, ist das mit der Textentfaltung natürlich relativ schnell gesagt. Je größer und je weiter die Welt vom Dichter entworfen wird, umso mehr wird diesem Punkt der Textentfaltung Aufmerksamkeit zu zollen sein. Denken wir einmal an zum Beispiel Harry Potter, als die Schriftstellerin in sieben Bänden über jeweils 500 bis 1000 Seiten die ganze Welt des Harry Potter entwickelt hat, aber eigentlich von Anfang an wusste, wie das alles vor sich gehen soll, und dann kam eben die Figur noch dazu und diese Figur wurde eingepasst. In unserem kleinen Text geht es jetzt letztendlich nur darum, dass wir hier zwischen dem Dichter und dem Bären und den Pfoten eine Beziehung herstellen, eine Welt uns vors geistige Auge führen, und das Ganze dann vielleicht entweder in einem autografischen Kontext Goethes verorten oder im Zeitalter verorten, in dem Goethe gelebt hat. Vielleicht hatte er auch jemanden im Auge gehabt, den er mit diesem Text etwas frotzeln wollte. Vielleicht hat er eine ganze Sippschaft vor seinem Auge gehabt, die er angreifen wollte. Goethe neigte ja dazu. Vielleicht ist es auch eine Aussage ganz allgemeinen Charakters. Jedenfalls, was die Textentfaltung betrifft, also die Entwicklung der einzelnen Figuren, so können wir in diesem Text kaum von einer Entwicklung sprechen. Es ist ein Satz, der wie hingeworfen ist, eine Sentenz, eine Weisheit ewiger Gültigkeit. Und deswegen wird dieser Aspekt bei dieser Inhaltsanalyse eher zu vernachlässigen sein. Ich möchte trotzdem darauf aufmerksam machen, auch hier gilt wie bei der Logik letztendlich, dass man, wenn man einen Text entfaltet oder entfalten soll, die rückwirkend aus dem, was am Ende hin zum Anfang dargestellt worden ist, dass man also auch da immer hinsichtlich der Klarheit, Ausschließlichkeit und der Subjekt-Objekt-Beziehung klare Verhältnisse schafft und die einzelnen Sinnträger immer hinsichtlich prüft, ob der Autor am Anfang das Gleiche über die Figur sagte, wie er es dann am Ende sagt, oder ob es Widersprüche gibt, ob der Text sich systematisch entwickelt oder ob es knallharte Brüche gibt, ob man in den Zeiten hin- und hergeworfen wird und man jetzt gar nicht weiß, wo man sich in der Handlung befindet. All das spielt also in der Untersuchung der Textentfaltung die entscheidende Rolle. In der Schule, jedenfalls falls es eine Schreibung des Aufsatzes betrifft, wird man einen abgeschlossenen Text haben, entweder in Form eines Gedichtes, oder man hat zwei Seiten und kennt dann, wenn man Glück hat beim Abitur die anderen 250 oder 300 Seiten des Textes und kann dann eventuell eine Textentfaltung nachvollziehen. Aber das ist jetzt in dem Falle nicht notwendig. Man hat dann vielleicht 2 oder 3 Seiten, und muss dann eben zusehen, ob in diesen 2-, 3-Seiten-Text die Figuren eine Entwicklung durchmachen, ob das vielleicht ein peripetisches Moment gibt, wo die Handlung umschlägt und man erkennen kann, vorher war er so und nach diesem Ereignis ändert sich die Persönlichkeitsstruktur und die Figur nimmt völlig andere Züge an und verändert ihr Auftreten und ihre Darstellungsweise im Text selbst. Das ist also alles mit Textentfaltung gemeint, bei diesem Text trifft das jetzt nicht zu und damit möchte ich diesen Abschnitt der Textanalyse beenden.    

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1 Kommentar
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    gefällt mir, aber deutsch ist mir zu abstakt, gut dass MATHE wichtiger ist ;)

    Von Zelle2008, vor etwa 3 Jahren