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Transkript „Die Verwandlung“ – Personenkonstellation (Kafka)

„Die Verwandlung“ – Personenkonstellation (Kafka)

Im Zentrum von Franz Kafkas Erzählung “Die Verwandlung” steht die Figur Gregor Samsas. Aus seiner Perspektive erfahren wir, was in der Wohnung vor sich geht. Wir lauschen seinen menschlichen Gedanken, während er in der Hülle eines Käfers gefangen ist. Wir bangen mit ihm und erleben seinen Niedergang.

Doch was die Erzählung ausmacht, ist vor allem die Veränderung der Personenkonstellation. Die körperliche Verwandlung von Gregor ist nur eine von vielen Verwandlungen in diesem Text. Die Familie verwandelt sich als Ganzes, ebenso wie sich jedes Familienmitglied langsam zu verwandeln scheint. Wie genau diese Verwandlungen aussehen, werden wir in den folgenden Minuten etwas genauer untersuchen.

Der Handelsreisende Gregor Samsa steht hier im Mittelpunkt der Erzählung. Zu Beginn der Erzählung erfahren wird, dass er die Familie finanziell versorgt. Sein Vater ist bankrott gegangen und kann die Familie nicht ernähren.

Darüber hinaus gibt es noch die Mutter und seine Schwester Grete. Für Grete zahlt Gregor Violinenstunden, damit sie aufs Konservatorium gehen kann.

Damit wäre der Kreis der Familie abgeschlossen. Die Familie ist das Hauptorgan von “Die Verwandlung”. Innerhalb dieses Zirkels gehen die größten Veränderungen vor sich.

Darüber hinaus gibt es noch andere Sphären, die von anderen Figuren vertreten werden. Der Prokurist steht für den Bereich der “Arbeit”. Er ist der Stellvertreter des Geschäftsführers und kommt vorbei, um sich zu erkundigen, weshalb Gregor nicht zur Arbeit erschienen ist. Da Gregor Angst hat, seinen Job zu verlieren, setzt er alles daran den Prokuristen zu überzeugen. Doch Gregor kann als Käfer nicht mehr reden und als er sich zeigt, flieht der Prokurist.

Diese Szene ist sehr wichtig für den Verlauf des Stückes. Hier nämlich wird die Familie von der finanziellen Sicherheit und gleichzeitig der finanziellen Abhängigkeit von Gregor getrennt. Die Familie und Gregor leben nun in zwei verschiedenen Welten. Der Bruch beginnt.

Sehen wir uns zuerst Gregors Beziehung zum Vater an. Zu Beginn wird der Vater als gebrochener Mann dargestellt. Er hat kein Geld mehr, ist alt und schwach.

Allerdings ändert sich dies im Verlauf zunehmend. Er gewinnt an Stärke und geht sogar gegen Gregor vor. So wirft er den folgenschweren Apfel nach ihm oder beschimpft ihn immer häufiger. Es scheint fast so, als würde er stärker, je schwächer Gregor wird. Gregor entfremdet sich zusehends vom Vater. Sein Wesen lässt ihn Schuld ihm gegenüber empfinden.

Die Mutter wird von Gregor zu Beginn sehr liebevoll und mit einer Zartheit beschrieben. Ähnliches gilt umgekehrt. Die Mutter scheint diejenige zu sein, die noch am längsten zu Gregor hält. Allerdings erträgt sie es nicht, ihren Sohn in einen Käfer verwandelt zu sehen. Sie scheint ihn schlicht zu verdrängen, während Gregor ihr zunehmend neutral gegenübersteht.

Interessant ist die Beziehung zwischen Gregor und Grete. Sie ist die einzige Figur die außer der Hauptfigur einen individuellen Namen hat. Besonders wichtig ist hier, dass Gregor durchaus erotisch aufgeladene Phantasien hat. Er wünscht sich ihren Hals zu küssen und ihr ihre Träume, sprich das Konservatorium, zu erfüllen.

Gregor interpretiert auch Gretes Verhalten stets positiv. Sie ist es zwar, die sich um ihn kümmert, nachdem er verwandelt ist, aber sie tut es nicht aus Liebe oder Zuneigung zu Gregor, wie er es vermutet. Vielmehr ist sie ebenso angeekelt von ihm, wie die Eltern. Sie will aber eben diesen gefallen. Am Ende nennt sie nicht mal mehr seinen Namen, sondern spricht nur davon, “es” zu beseitigen.

Es gibt noch zwei weitere Parteien, die hier von Interesse sind: Zum einen ist das die Bedienerin die sich die Familie leisten kann, nachdem sie alle drei arbeiten. Diese Dienerin kümmert sich gegen Ende um Gregor. Allerdings ist sie die einzige, die keine Abscheu gegen ihn hegt. Sie steht ihm schon so indifferent gegenüber, wie jedem anderen Objekt. Er ist ihr nicht wichtig und hat keinen Wert für sie. Sein Tod ist nichts Ungewöhnliches.

Die zweite Partei sind die Zimmerherren. Diese drei Herren sind Untermieter der Samsas. Sie sorgen quasi neben der Arbeit der Familie für das nötige Einkommen. Dadurch nehmen sie auch den Platz Gregors ein. Nur, dass sie stärker sind, als er. Sie sind zu dritt und lange Passagen erzählen davon, wie sie essen. Währenddessen ist Gregor allein in seinem Zimmer und verweigert das Essen.

Nach Gregors Tod fährt die Familie zu einem Ausflug vor die Stadt. Während Gregor immer kleiner wurde, immer unbedeutender, ist die Familie stärker geworden. Wohlhabender und voller Pläne für die Zukunft. Die Abhängigkeiten voneinander haben sich im Verlauf der Erzählung total vertauscht und die Lebensenergie, die Gregor verloren hat, kam der Familie zugute.

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1 Kommentar
  1. Default

    Danke! Hat mir wirklich geholfen =) Sehr gut erklärt!

    Von Luchini, vor 8 Monaten