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Transkript „Die Verwandlung“ – Entstehungsgeschichte (Kafka)

„Die Verwandlung“ – Entstehungsgeschichte (Kafka)

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." Mit diesen Worten beginnt "Die Verwandlung", eine der berühmtesten Erzählungen des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Doch wie kam es dazu, dass ein Versicherungskaufmann namens Franz Kafka einen solchen Text schrieb? Was war Kafka für ein Mensch und was die Quelle seiner düsteren Fantasien?

Wenn man den Namen "Franz Kafka" heute hört, so assoziiert man damit bedrohliche Atmosphären und beklemmende Geschichten. Ihn selbst stellt man sich meist, als hilflosen, verzweifelten Künstler vor. Doch Kafka schafft es, gerade diese Verzweiflung in seinem Werk fruchtbar zu machen. Besonders deutlich tritt dies in seiner Erzählung "Die Verwandlung" zutage, die Kafka Ende 1912 verfasst.

Obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits ein Buch veröffentlicht hat, ist er der breiten Masse unbekannt - und wird es zu Lebzeiten stets bleiben. Erst nach seinem frühen Tod 1924 wird sein bester Freund Max Brod seine Schriften aufarbeiten, veröffentlichen und ihnen so zu Weltruhm verhelfen, insbesondere auch der Erzählung "Die Verwandlung".

Davon ahnt der 29-jährige Kafka allerdings nichts, als er am 17. November 1912 aufwacht. Er hat sehr schlecht geschlafen und fühlt sich miserabel. Die Kraft zum Aufstehen findet er nicht und so bleibt er stundenlang im Bett liegen und phantasiert. Vor seinen Augen entstehen an diesem Morgen die ersten Züge des Textes, der später den Titel "Die Verwandlung" tragen wird.

Als er sich schließlich erhebt, ist er wie elektrisiert und beginnt sofort mit der Arbeit an dem Text. In den darauffolgenden Wochen schreibt er unentwegt an dem Manuskript. Er verarbeitet darin sein eigenes Arbeitsleben und seine Stellung, die er in der Familie inne hat. Sein Gefühl, nicht selbstbestimmt leben zu können, überträgt er auf Gregor Samsa. Diese Themenkomplexe bestimmen einen Großteil von Kafkas Schriften aus dieser Zeit. Aber so pointiert wie in der Verwandlung konnte er sie bisher noch nicht formulieren.

Am 7. Dezember vollendet er den Text in einer ersten Fassung. Wie er es meistens tut, so liest er auch dieses Manuskript seinen Freunden Max Brod und Franz Werfel vor. Werfel empfiehlt es sofort seinen Verleger Kurt Wolff. Dieser schlägt Kafka schon im März 1913 eine Veröffentlichung vor.

Kafka jedoch ist nicht zufrieden mit seinem Text, besonders nicht mit dem Ende. Er lehnt das Angebot ab und verwirft "Die Verwandlung" fürs Erste. Obwohl er in den folgenden Monaten immer wieder daran denkt, den Text doch drucken zu lassen, kommt es lange Zeit nicht dazu.

Erst im Sommer 1915 kann sich Kafka dazu durchringen den Text in der Zeitschrift "Die weißen Blätter" zu veröffentlichen. Kurz darauf macht Wolff ihm ein erneutes Angebot zur Publikation als eigenständiges Buch. Im Dezember 1915 wird "Die Verwandlung" schließlich als Doppelband im Kurt Wolff Verlag herausgebracht.

Mittlerweile hat Kafka angefangen an anderen Texten zu arbeiten. Besonders "Der Prozess" hat ihn eingenommen. Doch er wird diesen Text nie fertig stellen oder publizieren. Mit "Die Verwandlung" allerdings erreicht er ein Publikum - wenn auch nur ein kleines. Viele Kritiker reagieren mit Unverständnis auf den Text, einige wenige loben ihn hoch.

Ein Grund dafür ist, dass sich "Die Verwandlung" keiner literarischen Strömung zuordnen lässt. Der Text ist weder dem Expressionismus, noch eindeutig der Moderne zuzuordnen - zwei vorherrschende Strömungen der Zeit. Er ist kafkaesk. Dieses Wort wird sich später für solche Erzählungen einbürgern. Kafkaesk heißt neuartig und erschreckend detailliert in der nüchternen Beschreibung des Schreckens.

Am Ende ergeht es Gregor Samsa nämlich wie vielen von Kafkas Figuren: Er stirbt einsam in seinem Zimmer, während die Familie ohne ihn aufblüht. Ein verstörendes Ende, doch typisch, für den geplagten Versicherungsangestellten. Dessen größter Wunsch war es, Schriftsteller zu sein - nach seinem Tod wurde er zu einem der berühmtesten Autoren der Neuzeit.

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2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Liebe Mehtap,

    die Quelle lautet: Alt, Peter-André: „Franz Kafka, der ewige Sohn“. München 2005.

    Liebe Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Finde ich sehr gut, gibt es aber irgendwelche Quellen?

    Von Mehtap.Ela, vor mehr als einem Jahr