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Transkript „Der Sandmann“ – Entstehungsgeschichte (Hoffmann)

E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann - Entstehungsgeschichte

Wie so Vieles in der Literatur wird auch der Schauerroman in England erfunden. 1764 erscheint “Das Schloss von Oltranto”. Autor ist der britische Politiker und Schriftsteller Horace Walpole. Sein in das Mittelalter verlegter Roman begründet den bis heute anhaltenden Erfolg von Horrorgeschichten. Das breite Publikum sucht und findet in den Schauergeschichten ein prickelndes Gruselerlebnis.

In der Aufklärung bestimmte die Vernunft das denken. Doch durch den Terror und die Gewalt der französischen Revolution wenden sich die Menschen dem Fantastischen und Unwirklichen zu. In der schwarzen Romantik wird das Schöne und Makellose durch das Schreckliche und Wundersame ersetzt. Wir werden sehen, auf welche Weise E.T.A. Hoffmann diese Tradition aufgriff, um sie auf seine besondere Weise weiterzuentwickeln.

1814 begründeten die “Die Fantasiestücke in Callots Manier” den Erfolg des bis dahin unbekannten E.T.A. Hoffmann. Mit dem Textnachfolger, den 1817 erschienenen “Nachtstücken”, versucht Hoffmann an den Erfolg der Fantasiestücke anzuknüpfen. Seine berühmte Erzählung, “Der Sandmann” greift alle Elemente einer Schauererzählung auf – aber nur, um sie im Sinn von Hoffmanns romantischem Konzept umzuformen.

Hoffmanns erste handschriftliche Niederschrift der Erzählung ist erhalten. Sie trägt den Vermerk „16. November 1815, Nachts 1 Uhr“. Eine Skizze, hingeworfen in einer Nacht, danach mit über 1000 Anmerkungen versehen. Der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Werk lässt sich an Hand seiner Korrekturen ziemlich genau nachvollziehen.

Hoffmann legt ganz offensichtlich Wert darauf, zu deutliche Spuren in der Erzählung zu verwischen. Er erzeugt Spannung, indem er den Leser ganz bewusst im Unklaren lässt. Der Leser weiß nicht, woran er ist und erlebt gewissermaßen am eigenen Leib, was sich Hoffmann unter romantischer Regellosigkeit vorstellt.

Die Erzählweise wechselt zwischen Briefen, Rückblenden, Dialogpassagen und Erzählerberichten. Die perspektivischen Brechungen sind die Ursache für die Vieldeutigkeit und Rätselhaftigkeit des Textes.

Am Motiv des Sandmanns lässt sich ziemlich gut zeigen, was Hoffmann mit der Verbindung vom Phantastischem mit Alltäglichem gemeint hat: Wir alle kennen ja das Sandmännchen, das den Kleinen abends eine Gute-Nacht-Geschichte bringt. Danach streut es ihnen Schlafsand in die Augen.

Anders dagegen bei Hoffmann. Der Augen herausreißende Sandmann ist eine Figur, der man niemals selbst begegnen möchte. Natürlich gab es damals noch kein Kinderfernsehen, aber die Figur des Sandmanns als Schlafbringer war allgemein bekannt.

Aber Hoffmann nimmt nicht nur die Tradition der Romantik auf, er ist auch ihr Überwinder. Die Ironie ist vermehrt das Mittel seiner Wahl. Hoffmann bricht die Ideale der Romantik, zum Beispiel das der wahren Liebe, oder die Sehnsucht nach einer besseren Welt, indem er sich darüber lustig macht.

Der feinsinnige Nathanael verfällt in wahnsinnige Liebe zu einer Holzpuppe namens Olimpia. Der mechanische Automat mit seiner vollkommenen Oberfläche erscheint ihm viel begehrenswerter als seine kritische Verlobte Clara. Hoffmann ironisiert in der Person Nathanael auch den romantischen Künstler, der immer nur sich selbst im anderen sieht.

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