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Transkript „Dantons Tod“ – Entstehungsgeschichte (Büchner)

Georg Büchner: Dantons Tod - Entstehungsgeschichte

Im Frühjahr 1835 soll Georg Büchner das Geschichtsdrama „Dantons Tod“ in nur 5 Wochen geschrieben haben. Unter ständiger Angst, verhaftet zu werden, denn Büchner war politischer Aktivist. Und: ihm fehlte das nötige Kleingeld für die Flucht.

Doch natürlich ging diesen fünf Wochen eine intensive Beschäftigung mit dem Stoff voraus. Büchner interessierte sich für die Französische Revolution und las alles über sie.

Wichtig für das Verständnis des Stücks ist, dass auch du grundlegende Kenntnisse zur Französischen Revolution hast. Also, wie war das nochmal?

Ende des 18. Jahrhunderts befand sich der Französische Staat in einer Krise. Dem Königreich ging es finanziell miserabel. Die Bürger und Arbeiter waren unzufrieden. Erste Aufstände der Arbeiter hatte es Jahrzehnte vor der Revolution, die von 1789 an zehn Jahre lang andauerte, bereits gegeben. Es verbreiteten sich die Ideen der Aufklärung: Jeder Mensch sei gleich und mündig, selbst zu denken und zu handeln.

Als der König Louis XVI. 1789 eine Sitzung der Generalstände einberief, wurde diese zum Gründungsstein der Revolution. Der dritte Stand, die freien Bürger und Bauern, erklärten sich kurzerhand zur Vertretung für die ganze Nation. Sie bildeten die Nationalversammlung und begannen, eine Verfassung auszuarbeiten.

Ein weiterer Meilenstein war der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789. Der Tag ist heute noch Nationalfeiertag in Frankreich. Ab dem Tag brachen überall im Land Bauernaufstände aus. In den Städten schlossen sich die revolutionären Bürgern zu Komitees zusammen.

Im Jahr 1793 wurde der König hingerichtet. Zugleich stiegen in Paris die Brotpreise und das Volk war von Hungersnot bedroht. Die Jakobiner, ein radikaler Klub unter der Revolutionären, errichteten eine revolutionäre Diktatur. 1794 wurden die noch radikaleren Hébertisten und die gemäßigten Dantonisten beseitigt.

Büchner selbst wurde durch die unmittelbar hinter ihm liegenden geschichtlichen Ereignisse mit der Revolution konfrontiert. 1830 hatte in Paris die Julirevolution stattgefunden. Sie weckte die Erinnerung an die Französische Revolution 1789.

Büchner war ein Verfechter revolutionärer Ideen. Er hielt eine Revolution auch in Deutschland für überfällig. Allerdings glaubte er, dass eine Revolution vom Volk, von der Masse ausgehen und getragen werden müsse. Um die Bauern aufzurütteln, gab er 1834 das Flugblatt „Der Hessische Landbote“ heraus.

Er rief darin zum Kampf gegen die Reichen auf. Büchners Situation wurde wegen polizeilicher Untersuchungen immer angespannter. 1835 schreibt er in wenigen Wochen “Dantons Tod”. Die Veröffentlichung des Dramas sollte seine Flucht finanzieren.

Für „Dantons Tod“benutzte er viele Originalquellen und Dokumente, aber auch Literatur über die Zeit der Französischen Revolution. Seine Hauptquelle war das zehnbändige Werk „Geschichte der französischen Revolution“ von Louis Adolphe Thiers. Auch die Zeitschrift „Die Geschichte unserer Zeit“ lieferte ihm wichtige Hintergrundinformationen.

Büchner übernahm die Zitate aus den Quellen zum Teil wörtlich. Allerdings erlaubte er sich künstlerische Freiheiten. So änderte er gewisse Zitate ab, teilte sie auf mehrere Figuren aus oder legte sie anderen Personen in den Mund. Insgesamt besteht ein Sechstel des Textes aus wörtlich übernommenen oder leicht abgeänderten Zitaten.

Nach Fertigstellung seines Dramas schickte Büchner das Manuskript an seinen Bekannten Karl Gutzkow mit der Bitte um schnelle Veröffentlichung. Dieser druckte einen Vordruck in der Zeitschrift „Phoenix“. Er stellte es auch seinen Freunden und seinem Chef, dem Verleger Johann David Sauerländer, vor. Dieser druckte “Dantons Tod” im Juli 1835 und schickte Büchner als Honorar hundert Gulden.

Doch schon vor der Veröffentlichung und den ersehnten Einnahmen spitzte sich Büchners Lage zu: Er wurde seit Anfang März steckbrieflich gesucht und floh, mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter - gerade noch rechtzeitig - nach Straßburg.

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2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Lieber Ralf,

    das freut uns sehr zu hören. Wir hoffen, dass sie auch andere Literaturvideos in ihrem Deutschunterricht verwenden können.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Dieser Beitrag war eine hilfreiche Ergänzung zum Deutschunterricht. Die Schüler meinten "lol".

    Von Ralfpauli, vor mehr als einem Jahr