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Transkript „Dantons Tod“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Büchner)

Georg Büchner: Dantons Tod - Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

„(...) die Revolution ist wie ein Saturn, sie frißt ihre eigenen Kinder.“ Diesen berühmten Satz sagt Danton, der Revolutionär, im ersten Akt des Geschichtsdramas „Dantons Tod“. Die Revolution frisst ihre Kinder – was meint er damit?

Die Französische Revolution ist das Hauptthema des Stücks. In ihr spielt sich alles ab und an ihr scheiden sich die Geister. Büchner zeichnet mittels des Dramas ein Bild der Französischen Revolution. In einem Brief schrieb er: „Ich betrachte mein Drama wie ein geschichtliches Gemälde, das seinem Original gleich muss.“

Büchner hatte also den Anspruch, ein möglichst wirklichkeitsgetreues Bild der Revolution zu zeichnen. Seine Zeichnung fällt nüchtern aus: weder die Revolutionäre noch das Volk werden verherrlicht.

Im Gegenteil: Am Volk zeigt sich, dass die Revolution ihre Ziele noch nicht erreicht hat. Das Volk lebt noch immer im Elend und die Unterschiede zwischen den Ständen sind nicht aufgehoben. Weil das Volk so sehr leidet, ist es anfällig für Hass und Feindbilder. Nur zu leicht entbrennt Gewalt auf der Straße und vermeintlich Reiche werden der sogenannten Lynchjustiz ausgeliefert. Das bedeutet, dass das Volk selber über sie richtet.

In seiner Not ist das Volk wankelmütig und je nach Situation für verschiedene Ideologien empfänglich. Doch die Köpfe, die im Namen der Revolution geopfert werden, bringen dem Volk nichts zu essen. So benennt es auch Danton in seiner Verteidigungsrede: „Ihr wollt Brot, und sie werfen euch Köpfe hin! Ihr durstet, und sie machen euch das Blut von den Stufen der Guillotine lecken!“

Bei den Revolutionären selbst sieht die Stimmung nicht viel besser aus. Für die Figur Robespierre ist zwar klar, dass das Ziel noch nicht erreicht und der Terror der richtige Weg ist. Dabei zeigt er sich in seinem Handeln genauso absolutistisch wie seine Todfeinde. Wenn Robespierre wie ein Alleinherrscher über Tod und Leben entscheidet, ist er nicht besser als die Königspolitik, die er verachtet.

Danton hingegen sind längst Zweifel gekommen. Zwar steht er noch immer hinter der Grundidee der Revolution und seinen Taten. Auch wenn ihn Gewissensbisse befallen, wenn er an die Septembermorde zurückdenkt. Doch inzwischen hält er die Hinrichtungen für nicht mehr nötig. Sie sind zum Selbstzweck geworden und also nicht mehr politisches Handeln, sondern Mord. Danton hat keine Lust mehr auf Politik. Denn er hat erkannt, dass die Prozesse sich verselbständigen.

Er und die anderen Revolutionäre waren nur Werkzeuge der Revolution, sie können den Fortgang nicht mehr steuern: „Wir haben nicht die Revolution, sondern die Revolution hat uns gemacht.“

Danton fühlt sich der Eigendynamik der Revolution ausgeliefert. Darunter leidet er und daher kommt auch sein Lebensüberdruss. Wenn der einzelne Mensch sein Leben nicht beeinflussen kann, verliert es an Sinn: „Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!“

Diese Sichtweise, dass der einzelne Mensch einem übergeordneten Schicksal ausgeliefert ist, nennt man Fatalismus. Büchner hat mit seinem Drama und seinen Briefen den Begriff „Fatalismus der Geschichte“ geprägt. Danton ist dem Lauf der Geschichte hilflos ausgeliefert. Er wird am Ende von der Revolution gefressen.

Büchners „Dantons Tod“ hatte einen steinigen Weg vor sich. 1835 wurde es zum ersten Mal publiziert. Allerdings waren über 100 Stellen geändert worden. Insbesondere die obszönen Stellen wurden so entschärft. Wenig später wurde das Stück durch die Deutsche Bundesversammlung verboten.

1850 gab Büchners Bruder dessen „Nachgelassene Schriften“ heraus. Doch noch immer war „Dantons Tod“ stark verändert abgedruckt. Erst 1878/79 erschien eine Gesamtausgabe von Büchners Werk, die Stellen aus „Dantons Tod“ wiederhergestellt hatte. Verantwortlich dafür war Karl Emil Franzos, er hatte das Geschichtsdrama am Gymnasium kennengelernt. Büchners Familie wehrte sich jedoch gegen diese Ausgabe.

Die Uraufführung des Dramas fand 1902 durch den Verein „Freie Volksbühne“ in Berlin statt. Eine erneute Aufführung gab es 1913 in München. Doch beide Aufführungen riefen keine begeisterten Kritiken hervor.

Erst Max Reinhardts Inszenierung 1916 in Berlin brachte den Durchbruch. Sie wurde gelobt und Reinhardt tourte die kommenden Jahre mit seiner Inszenierung nach Wien und sogar nach New York.

Wichtig für die Büchner-Rezeption war auch Gerhart Hauptmann. Er setzte sich durch Vorträge und Vorlesungen für Büchners Werke ein.

Seit der Uraufführung wird “Dantons Tod” immer wieder auf vielen Bühnen gespielt. Und noch heute sind seine Form und Thematik modern. Denn “Dantons Tod” ist nicht nur ein historisches Drama und ein Stück über die Revolution. Vielmehr hinterfragt es die Grundbedingungen des menschlichen Seins.

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