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Transkript Der Vertrag von Versailles

Hallo. Mein Name ist Numcy und ich erzähle euch etwas aus der Geschichte. In diesem Video geht es um den Friedensvertrag von Versailles. Ihr solltet die Ursachen des 1. Weltkrieges, dessen Neuartigkeit und die Rolle Wilhelms II. beim Ausbruch des Krieges bereits kennen. Und ihr solltet wissen, wie Karthago am Ende des Dritten Punischen Krieges von den Römern zerstört wurde. Zur Erinnerung: Rom eroberte 146 v. Chr. die Hauptstadt des Erzfeindes, zerstörte sie völlig und ließ zudem die Erde umgraben und mit Salz bestreuen, um sie unfruchtbar zu machen. Seit dem werden die Begriffe "Zerstörung Karthagos" bzw. "Karthagofriede" als Synonym für die grausame Vernichtung und Zerstörung des Feindes verwendet.   Die Vorgeschichte Der 1. Weltkrieg war der erste totale Krieg in der Geschichte der Menschheit und unterschied sich dadurch von allen bisherigen Kriegen. Er hatte folgende Charakteristika: 1. Die Vernichtung des Gegners und nicht nur seine militärische Unterwerfung. 2. Der Einsatz aller ideologischen und propagandistischen Mittel zur Diskriminierung des Gegners. 3. Die uneingeschränkte massive Gewaltanwendung auch gegenüber der Zivilbevölkerung. 4. Der Einsatz von Massenvernichtungsmitteln und die Zerstörung ganzer Landstriche. Dementsprechend groß waren seine Auswirkungen. Ca. 70 Mio. Soldaten aus allen Kontinenten waren vor allem in Europa, aber auch in Afrika und Asien am Krieg beteiligt. Nur 17 Staaten weltweit blieben neutral - in Europa nur die skandinavischen Staaten, die Niederlande, Spanien, die Schweiz und Albanien. Ca. 10 Mio. Soldaten starben auf den Schlachtfeldern - im Schnitt mehr als 6600 pro Tag. Ca. 6 Mio. Zivilisten verloren ihr Leben und ca. 20 Mio. kamen aus dem Krieg als Krüppel oder nervliche Wracks zurück. Der Krieg erzeugte Gewalt, Brutalität und durch den Einsatz einer gigantischen, hoch technisierten Kriegsmaschinerie, Vernichtung und Zerstörung von bisher ungeahntem Ausmaß.   Wer war an dem Friedensschluss beteiligt? Welche Staaten bzw. Staatsmänner bestimmten ihn maßgeblich? Vom 18. Januar bis zum 28. Juni 1919 berieten und erarbeiteten die Staatsmänner bzw. die Delegierten von 32 Nationen im königlichen Schloss zu Versailles den Friedensvertrag. Die Entscheidungen wurden aber im Wesentlichen von den 3 führenden Siegerstaaten bzw. deren Staatsmännern getroffen - und zwar vom amerikanischen Präsidenten Wilson, dem britischen Premier Lloyd George und dem französischen Ministerpräsidenten Clemenceau. Ort und Beginn der Konferenz waren keineswegs zufällig, sondern hatten Symbolcharakter. Am 18. Januar 1871 war das Deutsche Reich im Schlosse Ludwigs XIV. proklamiert wurden. Nun saßen die Sieger an derselben Stelle zu Gericht über Deutschland und seinen Verbündeten. Entscheidend war jedoch, dass die Besiegten nicht an den Verhandlungen beteiligt wurden.   Warum gestaltete sich der Friedensschluss so mühsam und warum wurde der Versailler Vertrag von den Besiegten, aber auch von den Siegerstaaten als ungerecht oder unbefriedigend angesehen? Zahlreiche politische, nationale, territoriale und ideologische Probleme, die sich aus dem Krieg ergaben, erschwerten den Frieden und führten zu schlechten Kompromissen, halbherzigen Entscheidungen und übermäßigen Härten. Sie hatten ihre Ursachen in den folgenden Problembereichen:   1. Der Krieg Er hatte zu ungeheuren Menschenverlusten geführt. Die Mittelmächte Deutschland und Österreich hatten eine totale Niederlage erlitten. Alle wichtigen Nationen waren am Krieg beteiligt, weshalb eine neutrale Schiedsinstanz fehlte. Die Propaganda auf allen Seiten hatte dem Krieg den Charakter eines Kreuzzugs gegeben und extreme Emotionen erzeugt. Alle Staatsmänner, sowohl der Sieger als auch der Besiegten, standen gegenüber ihren Völkern unter einem ungeheuren Erfolgszwang.   2. Der Weltfriede Die weltweite Ausdehnung des Krieges brachte zahllose Probleme, deren Wichtigkeit auch bei den Siegern umstritten war. Interessenspähren der Kolonialmächte, vor allem in Afrika und Asien, überschnitten sich. Streitigkeiten und neue Rivalitäten entstanden innerhalb der Siegerkoalition. Das Balkan-Problem konnte nicht zufriedenstellend gelöst werden.   3. Unterschiedliche Friedenskonzepte Frankreichs bzw. Clemenceaus Vorstellungen waren geprägt von Revanche, extremem Sicherheitsdenken gegenüber Deutschland und dem Bestreben, den Erzfeind so stark wie möglich zu schwächen. Der Amerikaner Wilson strebte einen Ausgleichsfrieden an und die Gründung einer weltweiten Friedensinstitution mit international geltenden Regeln. Und der Brite Lloyd George hatte als Ziel die Ausschaltung Deutschlands als Konkurrenzmacht, jedoch keine extreme Schwächung.   Die Annahme des Vertrages Die Sieger überreichten den Friedensvertrag, der aus 440 Artikeln bestand, am 7. Mai 1919 der deutschen Delegation. Gegen dessen Bestimmungen protestierte die deutsche Regierung heftig. Alle Deutschen sahen den Frieden als überhart, ungerecht und brutal an und charakterisierten ihn als Schmach oder "Karthagofriede". Am 12. Mai kritisierte Reichskanzler Scheidemann von der SPD in der Nationalversammlung den Vertrag vehement, mit folgenden Worten: "Heute, wo jeder die erdrosselnde Hand an der Gurgel fühlt, lassen Sie mich ganz ohne taktische Erwägungen reden. Was unseren Beratungen zugrunde liegt, ist dies dicke Buch, in dem 100 Absätze beginnen 'Deutschland verzichtet, verzichtet, verzichtet'. Dieses Buch darf nicht zum Gesetzbuch der Zukunft werden. Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt." Damit sprach der Reichskanzler allen Deutschen aus der Seele. Die deutsche Ablehnung beantworteten die Sieger am 16. Juni mit einem sechstägigen Ultimatum: Annahme des geringfügig veränderten Vertrags oder Fortsetzung des Kriegs und Besetzung Deutschlands. Daraufhin trat Philipp Scheidemann als Kanzler zurück. Schließlich setzte sich im deutschen Parlament die Erkenntnis durch, dass man den ungerechten Vertrag akzeptieren müsse, um Schlimmeres von Deutschland abzuwenden. Daraufhin unterzeichneten für die neue Regierung Bauer von der SPD, Außenminister Müller, auch von der SPD und Verkehrsminister Bell vom Zentrum am 28. Juni den Versailler Vertrag, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat.   Welche Bestimmungen des Vertrags waren wesentlich? Der Vertrag legte fest: Entwaffnung und Abrüstung des Heeres auf 100.000 Mann und der Marine auf 15.000; Zerstörung des schweren Kriegsmaterials; Entmilitarisierung des Rheinlands und dessen Besetzung durch alliierte Truppen. Deutschland muss Reparationen bezahlen, deren Höhe bis 1921 festgelegt wird. Deutschland verliert folgende Gebiete: Elsass-Lothringen an Frankreich; Eupen-Malmedy an Belgien; das nördliche Schleswig an Dänemark; den größten Teil Westpreußens, ein Teil Hinterpommerns und Ostpreußens sowie Oberschlesien an Polen; Danzig wird eine freie Reichsstadt, aus dem Reichsgebiet herausgelöst und wirtschaftlich eng mit Polen verbunden; das Memelland an Litauen; das Hultschiner Ländchen an die neu gegründete Tschechoslowakei. Insgesamt verlor Deutschland 13 % seines Gebietes. Ferner verlor Deutschland alle Kolonien. Die Artikel 227 und 228 bezeichneten den ehemaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. als Kriegsverbrecher und forderten seine Auslieferung aus den Niederlanden. Und Artikel 231 legte die alleinige Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten fest.   Warum war der Vertrag für die Deutschen ein Knebelinstrument, ein Schmachfriede, ein Karthagofriede? Der Vertrag wurde von allen Parteien und von der Bevölkerung als ungerecht, überhart und fehlerhaft angesehen und rigoros abgelehnt. Diese Einschätzung bezog sich vor allem auf die Gebietsverluste im Osten, die als urdeutsch galten; auf den inakzeptablen polnischen Korridor, der Ostpreußen vom Reich trennte; auf die schmachvolle Reduzierung des Heeres auf 100.000 Mann; auf die Bezeichnung des Kaisers als Verbrecher und die alleinige Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten. Thomas Mann gab die Einstellung der Deutschen wieder, als er am 21. Mai 1919 die Absicht der Sieger heftig kritisierte, durch den Vertrag einer mitten in Europa wohnhaften und immerhin verdienten Kulturnation von 70 Mio. Menschen das Schicksal Karthagos zu bereiten.   Wie wird der Vertrag heute beurteilt? Heutzutage ist die Beurteilung des Vertrags vor dem Hintergrund von 1945 gemäßigter, da er vergleichsweise geringe territoriale Verluste brachte, nicht zur Besetzung geführt und Deutschland die Chance gelassen hat, wieder Großmacht zu werden. Danke fürs Zuhören und bis bald, Dein Numcy.      

Informationen zum Video
7 Kommentare
  1. Default

    sehr hilfreich! Vielen Dank!

    Von Momo Daume, vor 16 Tagen
  2. Img 5132

    sehr sehr hilfreiches Video, vielen Dank für den super Überblick!

    Von Lara Haus, vor mehr als 2 Jahren
  3. Dsc00503

    das Video ist echt klasse, schließe mich "Vorschreibern" an :) - Einzig vielleicht ein kleiner Tipp für weitere Videos: bei den meisten Seiten war es nicht, aber bei einigen war es so, dass Kausalzusammenhänge als einzelne Punkte dargestellt wurden, z.B. eine Seite vom schwierigen Frieden, die mit den zahlreichen Problemen woraus schlechte Kompromisse und übermäßige Härte folgen. Würde diese Seiten vielleicht noch etwas übersichtlicher machen wenn das in einer Kausalkette aufgezeichnet wäre. Aber das ist echt nur Mini-Kritik, mir hat das Video top gefallen :)

    Von Laura G., vor etwa 3 Jahren
  4. Default

    Sehr gut sortiert, alle Zusammenhänge neben einander und trotzdem auf den Punkt gebracht,aber ohne Wichtigstes weg zu lassen..vBin überzeugt:) Klasse:)

    Von Kassandraanna, vor mehr als 4 Jahren
  5. Default

    cool besser als mein geschichtslehrer

    Von Thiloilg, vor mehr als 5 Jahren
  1. Default

    Entlich ein richtiger Unterricht, es wäre schön wenn alle Lehrer so unterrichten konnte :P DANKE das Video ist echt toll !!!!
    Und die Zeischnung auch !!!! Grüsse :D

    Von Tigi, vor fast 6 Jahren
  2. P1070363

    das Video ist genial, vielen Dank =)

    Von Magret, vor mehr als 6 Jahren
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