Die Soziale Frage 05:34 min

Textversion des Videos

Transkript Die Soziale Frage

Hallo, mein Name ist Lasse. Heute möchte ich Euch von der sozialen Frage im 19. Jahrhundert erzählen. Der  Begriff soziale Frage entstand durch das Wachsen einer breiten Schicht gewerblicher Lohnarbeiter und die daraus bedingte ökonomischer Verelendung breiter Bevölkerungsschichten. Um dieses Video zu verstehen, solltet Ihr bereits über die industrielle Revolution Bescheid wissen, denn die soziale Frage ist eine direkte Folge der industriellen Revolution.

Die Ursachen der sozialen Frage

Das Video ist gegliedert in 4 Teile. Zunächst erzähle ich Euch etwas über die Ursache der sozialen Frage, dann über den sozialen Konflikt, der damals in der Gesellschaft herrschte und über die Veränderungen in der Arbeitswelt. Zum Abschluss gibt es eine Zusammenfassung. Die soziale Frage hatte 4 wesentliche Ursachen: 1. Es entstand im Zuge der industriellen Revolution eine breite Schicht von Lohnarbeitern. Sie waren von ihrem Arbeitgeber extrem abhängig.
2. Weil es sehr viele Lohnarbeiter gab, kam es zu einem Überangebot an Arbeitskräften. Das nützten die Arbeitgeber aus und gaben ihren Arbeitern nur so viel Gehalt, wie es gerade noch zum Leben ausreichte.
3. Durch die Einführung der Gewerbefreiheit in Deutschland herrschte unter den Handwerkern ein harter Konkurrenzkampf, der auch die Löhne der Handwerker drückte.
Die 4. Ursache der sozialen Frage war der Wirtschaftsliberalismus, der im 19. Jahrhundert vorgeherrscht hat. Bis in die 1880er Jahre verhinderte er ein staatliches Engagement zur Verbesserung der Lage.

Die Gewinner und Verlierer der Industrialisierung

Die Schere zwischen Arm und Reich ging zur Zeit der industriellen Revolution rapide auseinander. In Deutschland gab es zwar einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung, aber dieser kam nur wenigen Menschen zugute. Die neue Arbeiterklasse darbte und viele Menschen verarmten. Alleine in Berlin lebten um 1870 rund 10.000 Obdachlose. Diese wurden von den staatlichen Behörden drangsaliert, und als sie es wagten, sich dagegen zu wehren, gab es Kämpfe mit der Polizei. Die Gewinner des Wirtschaftsaufschwungs, der Adel und das Bürgertum, schauten auf die Arbeiter herab. Für sie waren die Proleten nur vaterlandsloses Gesindel, das es nicht besser verdient hatte. Beschwerden und Proteste der Arbeiter wurden mit noch härteren Fabrikordnungen und Schikanen beantwortet. Der Adel und das gut situierte Bürgertum waren nicht darauf erpicht, sich mit der schlechten Lage der Arbeiterklasse auseinanderzusetzen. "Solange der Kaiser auf seinem Thron sitzt und die kaiserliche Armee groß und schlagkräftig ist, werden wir schon fertig werden mit dem Gesindel." Das war der Tenor der feinen Leute.

Die Veränderungen der Arbeitswelt durch die industrielle Revolution

Kommen wir nun zu den Veränderungen in der Arbeitswelt, die die industrielle Revolution mit sich brachte und die soziale Frage mitbestimmte. Anstatt dass der Mensch sich der Maschine zur Erledigung seiner Arbeit bediente, war es in den Fabriken bald anders herum. In den Fabriken gaben die Maschinen das Tempo vor. Der Arbeiter hatte mit diesem Tempo mitzuhalten. So wurde er bald zum Diener der Maschine. Der Arbeiter hatte nurkleinste Produktionsschritte auszuüben. So verlor er bald jede Identifikation mit dem fertigen Produkt, was seine Arbeit sehr unbefriedigend machte. Das hohe Tempo in den Fabriken machte das Arbeiten immer schwerer. Um die Arbeiter zu disziplinieren, wurden von den Fabrikanten immer härtere Fabrikordnungen erlassen. Die Arbeiter kamen sich bald als Untertanen despotischer Staaten im Kleinen vor, in dem Gehorsam als einzige Bürgerpflicht galt.

Und nun zur Zusammenfassung. Das Arbeitsleben beinhaltete unmenschliche Arbeitsbedingungen mit Arbeitszeiten von oft 14 Stunden am Tag. Durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken erlitten die Arbeiter oft gesundheitliche Schäden. Kinderarbeit war an der Tagesordnung. In den Fabriken herrschte eine strenge Arbeitsdisziplin. Auch im Handwerk waren die Löhne durch die große Konkurrenz unter den Handwerkern sehr niedrig. Der normale Arbeiter lebte am Rande des Existenzminimums, was Armut und Hunger bedeutete. In den Slums und Mietskasernen verwahrlosten die Familien immer mehr. Ein Sozialsystem, wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht mal ansatzweise.

Hinzu kam, dass die Proletarier so gut wie keine politischen Rechte hatten. Sie waren durch das 3 Klassen Wahlrecht stark benachteiligt. Es herrschte Streikverbot und Koalitionsverbot. Die besser gestellten Bürger und die Adligen schauten mit Verachtung auf die Arbeiter herab. Diese Aspekte prägten das Leben der Arbeiterschaft. So liebe Freunde, jetzt wisst Ihr Bescheid und bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif.

Informationen zum Video
8 Kommentare
  1. Matthias redaktion

    Hallo Jule Potter,
    man kann das vielleicht so erklären: der Kommunismus ist eine Utopie, also eine Wunschvorstellung davon, wie eine perfekte Gesellschaft aussehen soll. Dort gibt es kein Eigentum, sondern alles gehört allen und man teilt. Eine Regierung oder Anführer braucht man auch nicht. Ein echt "kommunistisches" Land gab es niemals wirklich, das war nur ein Ziel, das man erreichen wollte.
    Der Sozialismus ist dagegen eher ein politisches Programm. Hier gibt es sehr wohl Anführer und Diktatoren, die die Gleichheit aller Menschen durchsetzen wollen. Jeder soll soviel bekommen, wie er leistet, Schwächeren soll geholfen werden.
    Man kann also sagen, dass der Kommunismus eher ein Ideal ist, das nie verwirklicht wurde, der Sozialismus dagegen schon in Gesellschaften existiert hat.
    Liebe Grüße
    Die Redaktion

    Von Matthias V., vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Hallo, ich musste mir (als Hausaufgabe) einen Text durchlesen welche Lösungsansätze es für die soziale Frage gab. Hierbei kam der Begriff "Sozialismus" und "Kommunismus" auf. Was ist da der entscheidene Unterschied?

    Von Jule Potter, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    Sehr hilfreich ! :)

    Von Selina Roth95, vor fast 3 Jahren
  4. Images

    @Antonin Weil das ganze über eine längere unbestimmte Zeit geschah

    Von Petroman, vor mehr als 3 Jahren
  5. Images

    Dankööö

    Von Petroman, vor mehr als 3 Jahren
  1. Laliki

    thx :D

    Von Beko, vor fast 5 Jahren
  2. Default

    das Video hat mir sehr geholfen, dankeschön!

    Von Kat, vor fast 5 Jahren
  3. Start zwergwidder

    Sehr gut, wie immer! :)

    Von Gift99, vor fast 5 Jahren
Mehr Kommentare