Weimarer Klassik 08:31 min

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Transkript Weimarer Klassik

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller - die beiden berühmten Dichterfreunde entwickeln Ende des 18. Jahrhunderts eine Literatur- und Kunstauffassung, die als „Weimarer Klassik“ bezeichnet wird. Wie es dazu kam?

Beide Dichter lernen sich 1794 bei der Arbeit an der Zeitschrift “Die Horen” kennen. Anfänglich sind sie Konkurrenten. Doch schnell wird klar: Schiller bewundert Goethe als größtes literarisches Genie seiner Epoche und für Goethe ist Schiller der womöglich einzige Dichter, der seine eigene Auffassung von Kunst und Literatur begreife.

Zuvor sind beide Dichter bereits durch Werke des Sturm und Drang berühmt geworden: Der Roman “Die Leiden des jungen Werther” verschaffte Goethe mit 25 Jahren Weltruhm. Schiller hatte bereits die populären Stücke “Kabale und Liebe” und “Die Räuber” geschrieben.

Beide Dichter waren also repräsentative Vertreter der leidenschaftlichen literarischen Epoche, die das Gefühl in den Mittelpunkt rückte. Warum jetzt Klassik?

Zeitgeschichtliche Hintergründe

Betrachten wir doch mal die zeitgeschichtlichen Umstände: 1789 beginnt die Französische Revolution, die große Auswirkungen auf Europa hat und zu einer Umwälzung der Gesellschaft führt. Goethe und Schiller sympathisieren zunächst mit den Idealen der Revolution, lehnen diese später wegen ihrer Gewaltsamkeit aber ab.

Zudem läuten zwei Ereignisse im Leben der Dichter das Ende des Sturm und Drang ein: 1786 macht Goethe seine erste Bildungsreise nach Italien, nachdem er 10 Jahre lang Minister unter Herzog Karl August in Weimar gewesen war. Während der bedeutenden Italienreise lernt er die Antike kennen - und macht sie zu seinem Vorbild.

Schiller wird 1788 Professor an der Universität in Jena. Er beginnt dort mit seinen Kant-Studien und beschäftigt sich mit aufklärerischem und humanistischem Gedankengut.

Immanuel Kant ist der deutsche Philosoph der Aufklärung und legt den geistigen Grundstein der Weimarer Klassik. Die Dichtung der Klassik ist sehr vom Idealismus geprägt, für dessen Herausbildung die Schriften Kants bedeutend sind. Das sittliche Handeln steht innerhalb von Kants Werken im Mittelpunkt.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! ist auch Goethes Leitspruch. Damit drückt er die Sehnsucht nach einer moralischen und ästhetischen Welt aus.

Der aus der Aufklärung resultierende Wertekonflikt zwischen Vernunft und Gefühl konnte im Sturm und Drang nicht gelöst werden. Goethe und Schiller setzen daher auf ein Programm der ästhetischen Erziehung.

In Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) erklärt Schiller, dass der Mensch durch Erziehung zu einem “ästhetischen Zustand” gelangen könne, in dem er ein wirklich freier und vollkommener Mensch sein werde. Im Umgang mit Kunst und Literatur, also dem “Wahren, Schönen und Guten” soll der Mensch zur Humanität gebildet werden.

Humanismus ist demnach ein weiteres wichtiges Konzept der Klassik: Der Humanismus als Weltanschauung greift auf die Philosophie der Antike zurück. Die Ausbildung reiner Menschlichkeit im Dienst an der gesamten Menschheit bei gleichzeitiger Übereinstimmung von Gemüt und Verstand gilt als Ziel. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten als wichtige humanistische Prinzipien. Es ist das Streben danach, das menschliche Dasein zu verbessern.

Die Klassiker streben - anders als die Vertreter des Sturm und Drang - nach einer absoluten Einheit von Natur und Welt. Die Natur wird als geordnetes System ohne Willkür, Gewalt und Disharmonien aufgefasst.

Inhaltliche Einordnung

Wie lässt sich die Epoche der Klassik also einordnen? Während die Aufklärung also ein literarischer Appell an den Verstand ist und der Sturm und Drang das Gefühl in den Mittelpunkt rückt, geht es in der Klassik um ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl, verbunden mit humanistischen Gedanken und der Antike als Vorbild.

Das Wort klassisch stammt vom lateinischen Wort classicus, mit dem man Angehörige der höchsten Steuerklasse bezeichnete. In der Bedeutung erstrangig wurde dieses Wort bald auf andere Bereiche übertragen. Heute meint man mit klassisch etwas zeitlos Gültiges, Überragendes und Vorbildhaftes.

Hauptgattungen der Weimarer Klassik

Und wie zeigt sich die Harmonie zwischen Vernunft und Gefühl sowie die Darstellung des schönen Menschen in der Kunst? Hauptgattungen der Epoche sind der Roman, das Drama und lyrische Balladen.

Repräsentativ für einen klassischen Bildungsroman ist Wilhelm Meisters Lehrjahre von Goethe. Er besteht aus acht Büchern, in denen Goethe aufklärerisch das Recht des freien Bürgers auf allseitige Bildung darstellt.

Im Drama setzen Goethe und Schiller wie in den antiken Dramen auf den Katharsis-Effekt. Das bedeutet, der Zuschauer soll durch das Miterleben mit hohen, exemplarischen Charakteren psychisch gereinigt und zum moralisch Guten erzogen werden.

Darunter fällt Faust. Eine Tragödie von Goethe - das bedeutendste und meistzitierte Werk der deutschen Literatur. Das Drama greift die Geschichte des historischen Doktor Faustus auf, der rücksichtslos einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Berühmt sind auch Maria Stuart und Wilhelm Tell von Friedrich Schiller.

Auch die Lyrik bietet geeignete Formen, um Moral und Menschlichkeit zu zeigen. In Balladen, Sonetten, Hymen und Oden wird der rebellische Ton des Sturm und Drang aufgegeben, stattdessen die Einheit von Inhalt und Form angestrebt. In den Jahren 1797 und 1798 entstehen eine Reihe Klassischer Balladen. Hier kommt der bewusste Kunstwille der Dichter zum Ausdruck.

Die Ballade “Der Zauberlehrling” gehört bis heute zu Goethes populärsten Werken, es entstand im Jahre 1797, dem sogenannten Balladenjahr der Klassik. Schillers berühmte Ballade “Die Bürgschaft” propagiert Treue, Freundschaft und Menschlichkeit.

Weimar und Jena – Zentren der Weimarer Klassik

Neben Schiller und Goethe kann man zwei weitere Dichter zu den Hauptvertretern der Epoche zählen: Johann Gottfried von Herder ist Dichter, Theologe, Philosoph und einer der einflussreichsten Denker im deutschsprachigen Raum.

Der bedeutender Dichter, Übersetzer und Herausgeber Christoph Martin Wieland ist der Älteste der vier berühmten Dichter der Weimarer Klassik.

Das zeitliche und örtliche Wirken dieses Viergestirns im Raum Weimar hat die Betitelung “Weimarer” Klassik erzeugt. Durch Schiller ist auch Jena ein Zentrum der Epoche geworden.

Das Ende der Weimarer Klassik

Doch zurück zu Goethe und Schiller und der produktivsten Freundschaft der Literaturgeschichte, aus der die Weimarer Klassik entstand. Schiller siedelt nach dem 11 Jahre andauernden Schriftwechsel mit Goethe erst 1799 von Jena nach Weimar um.

Nur sechs Jahre später, im Jahr 1805, stirbt er. Damit endet auch grob die Weimarer Klassik – eine Epoche, die beachtliche Werke der deutschen Literatur hervorgebracht hat.

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7 Kommentare
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    Ich habe durch dieses video heute in der KA eine 2+ Rausbekommen

    Danke<3

    Von Stargrit, vor 6 Monaten
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    gutes video...aber beginnt der sturm und drang nicht 1867?

    Von Tatjana Pasztor, vor 9 Monaten
  3. Rene redaktion

    Hallo, bitte schauen Sie sich den vorherigen Kommentar an. Das Sterbedatum wird nicht falsch zugeordnet. Die Sprecherin bezieht sich auf den auf der rechten Seite des Bilds befindlichen Schiller, wenn sie von 1805 spricht.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor 9 Monaten
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    Kommentar zum Video Weimarer Klassik (letzte Minute); Goethe stirbt nicht 1805, sondern erst 1832. Im Video wird dieses Sterbedatum, das von Schiller, der Figur Goethes zugeordnet. Das sollte korrigiert werden. Ansonsten vielen Dank für eure Arbeit.

    Von A Kumpe, vor 9 Monaten
  5. Rene redaktion

    Hallo, vielen dank für dein Feedback. Das im Video genannte Sterbejahr ist jenes von Schiller. Die meisten Lexika und Schulbücher sehen in Schillers Tod das Ende der Epoche der Weimarer Klassik: „Weimarer Klassik ist eng mit dem gemeinsamen Schaffen Johann Wolfgang Goethes und Friedrich Schillers in Weimar verbunden. Sie beginnt mit Goethes Italienreise (1786-1788) und Schillers Übersiedlung nach Weimar im Jahre 1787. Die Weimarer Klassik endet mit Schillers Tod (1805).“ (Quelle: Felgentreu,S./Langermann D.: Weimarer Klassik, in: Duden. Basiswissen Schule Deutsch. Berlin 2010, S. 336.)

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als einem Jahr
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    Somit endet die Epoche auch erst in diesem Jahr!

    Von Fbensel, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Bitte ändere das Sterbejahr Goethes in deinem Video! Das ist nicht 1805 sondern 1832.

    Von Fbensel, vor mehr als einem Jahr
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