Sturm und Drang 07:21 min

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Transkript Sturm und Drang

Schönen guten Tag, liebe Schüler und Schülerinnen. Hier ist euer Leo. Heute geht es um den Sturm und Drang. In diesem Video werde ich euch etwas zur Bewegung des Sturm und Drang sagen. Ich werde euch sagen, was sie bedeutet, welche Autoren dazu zählen und welche Werke wichtig sind.  Der Sturm und Drang ist eine literarische Strömung zwischen 1765 und 1790. Zusammen mit der Empfindsamkeit zählt die Strömung zur Literatur der Aufklärung. Wie immer geht es auch um Vorwissen. Wir befinden uns im 18. Jahrhundert, also im Jahrhundert der Aufklärung. Deshalb auch Literatur der Aufklärung. Das Zeitalter der Aufklärung steht unter dem Stern der Emanzipation des Denkens. Das beruhte zum einen auf kulturellen Grundlagen. Man forderte die sittliche und geistige Besserung und gleichzeitig wollte man von der Kirche und dem Staat weniger bevormundet werden. Es war eine Zeit, in der man das Individuum stärken wollte. Sie beruhte auf philosophischen Erkenntnissen von unter anderem Descartes, cogito ergo sum, ich denke, also bin ich. Es war aber auch die Zeit, in der die Naturwissenschaften aufblühten, besonders die Physik. Der Urvater des Grundgedanken, der die Naturwissenschaften befruchtete, war Francis Bacon. Er hat die empirische Physik begründet, also mit Versuchen daran zu arbeiten, Theorien zu beweisen oder Dinge zu entdecken und sich nicht mehr auf seine Augen zu verlassen. Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten für uns, die zu dieser Zeit lebte, war Jean Jaques Rousseau. Er hat vieles geschrieben, was sich lohnen würde, erzählt zu werden. Aber eine Sache ist wohl die wichtigste: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts. In diesem Werk bereitet Rousseau der modernen Demokratie den Weg vor. Die philosophischen Grundlagen der Aufklärung kann man mit den Oberbegriffen Rationalität, Vernunft, Individualität und Natur gut zusammenfassen. Das Bürgertum war der Träger dieser großen Bewegung. Jetzt haben wir viel über die Aufklärung gehört, aber was hat das alles mit dem Sturm und Drang zu tun? Also, den Sturm und Drang nennt man auch die Geniezeit. Geniezeit, weil man überzeugt war, dass das künstlerische Schaffen ein Ausdruck des individuellen Genies ist. Also Ausdruck einer Person mit überragender schöpferischer Geisteskraft und Kreativität. Es ist eine junge Generation von Schriftstellern, die um 1750 geboren wurden, welche aufbegehren gegen zeitgenössische Normen. Eine der wichtigsten Normen, gegen die diese Generation aufbegehrt, ist die wachsende Rationalität. Diese jungen Menschen konnten sich mit der Vorstellung des rein vernünftigen und rationalen Menschen nicht anfreunden. Für sie war es der natürliche und unverbildete Mensch, anders gesagt, der reine Mensch, der nicht durch Bildung und Gesellschaft schon von seinem natürlichen Ideal weggerückt ist. Der Mensch war für sie nicht nur rational und vernünftig, sein Gefühl, seine Emotionen bildeten für sie gemeinsam mit dem Verstand die Ganzheit des Menschen. Die Stürmer und Dränger waren nicht vollkommen gegen die Maxime der Aufklärung. Sie konnten sich mit vielen Sachen identifizieren. Was sie vielmehr bekämpften, war jegliche Form der Autorität. Für sie war der Mensch sich selbst verantwortlich. Was sie vielmehr bekämpften, war jegliche Form der Autorität. Die körperliche Selbstbestimmung war dabei ganz wichtig. So kann man sagen, dass diese Bewegung kein Gegensatz, sondern die Weiterentwicklung der Aufklärung ist. Da ja die individuelle Selbsterfahrung und die körperliche Selbstbestimmung von großer Bedeutung waren, scheint es nur logisch, dass diese Schriftsteller in ihren Werken soziale Reformen forderten, indem sie offen die feudale Gesellschaftsordnung angriffen. So wie zum Beispiel Friedrich Schiller in seinen Stücken Kabale und Liebe und Die Räuber. In Kabale und Liebe wird die Praxis mancher Fürsten angeprangert, Untertanen als Soldaten zu verkaufen. Und in Die Räuber werden Herrschaftsformen angegriffen, und der Räuberhauptmann Karl Moor will sogar die Weltordnung verändern. Ein weiterer wichtiger Autor ist natürlich Goethe. Der hat von 1749 bis 1832 gelebt. Seine Schaffensphase bis 1786 zählt man zu seiner Zeit des Sturm und Drang. Dann ist er nach Italien gefahren und sein erstes Weimarer Jahrzehnt war zu Ende. Goethe hat zwar auch Dramen zum Sturm und Drang beigetragen, wie den Götz von Berlichingen mit eiserner Hand, und den Urfaust, der allerdings nicht veröffentlicht wurde, aber in dieser Phase lohnt es mehr, auf sein prosaisches und lyrisches Werk zu schauen. In Prosa ist es Die Leiden des jungen Werthers, das große Aufmerksamkeit erregt. Es ist eines der meistgelesen deutschen Bücher aller Zeiten und es war ein Welterfolg, weil es den Zeitgeist traf. Darin beschreibt Goethe eine unerfüllte Liebe des jungen Werther zu einer verheirateten Frau, die in Selbstmord endet. In seinem lyrischen Werk ist es das Gedicht Prometheus, das eine Schlüsselposition einnimmt. Ich kenne nichts Ärmeres unter der Sonn' als euch Götter, heißt es darin. Goethe beschreibt anhand der griechisch-mythischen Figur Prometheus eine Abkehr von Autorität und eine Hinwendung zum Menschen. Was die Werke zudem verbindet, ist ihre lose Form. Goethes Prometheus ist nicht in strengen Versen und Der Werther als Briefroman folgt auch nicht den üblichen Vorgaben. Schillers Dramen haben eine lose Szenenfolge. Es ist also alles sehr frei organisiert. Weitere Schriftsteller, die wichtig sind, heißen Friedrich Gottlieb Klopstock, Jakob Michael Reinhold Lenz und Friedrich Maximilian Klinger. Klinger ist deshalb wichtig, weil er ein Drama geschrieben hat, das Sturm und Drang heißt, und so der Strömung seinen Namen gab.  Und zusammenfassend zu der Strömung sage ich euch, dass ihr euch Folgendes merken sollt: Natur, Gefühl, Freiheit und Genie, Individualität und Selbstbestimmung, Erweiterung der Aufklärung. Goethe, Schiller und Klinger. So, das war's für dieses Mal. Und Auf Wiedersehen sagt euch der Knabe gleich, der Disteln köpft. Tschüss.

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6 Kommentare
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    Ich muss sagen, der Aufbau des Vortrages ist sehr gut gelungen! Man versteht alles, was einem vorerst unklar erschien.
    Vielen dank für diese Hilfe !

    Von Christianemarschall, vor mehr als 3 Jahren
  2. Prisca2

    Hallo 0super, die literarische Strömung des Sturm und Drang ist mit ihrem Fokus auf Gefühl und Emotion nicht generell als Gegener der Aufklärung zu verstehen. Aufgeklärte Schriftsteller bezogen sich auf das Ideal der Vernunft. Das taten Strümer und Dränger auch. Sie kritisierten jedoch, dass ein Mensch nicht allein aus Vernunft handelt, sondern auch mit Gefühl und Emotionen. Die Epoche des Sturm und Drang ist damit keine Gegenbewegung, sondern eine auf dem aufklärerischen Prinzip bezogene Weiterentwicklung (Gefühl, Emotion) der Aufklärung.

    Von Prisca P., vor mehr als 3 Jahren
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    Ich verstehe nicht was Rationalität und Vernunft mit Sturm und Drang zu tun haben, das mit den Emotinen und dem Gefühl ist mir klar. Ich bin allerdings davon ausgegangen, dass sich im Sturm und Drang gerade gegen die Rationalität aufgelehnt wird.

    Von 0super, vor mehr als 3 Jahren
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    Danke.

    Von Salmann, vor mehr als 3 Jahren
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    Wirklich Super
    Danke!

    Von Jonemi, vor fast 4 Jahren
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    Genial, vielen Dank!

    Von Lucaingold, vor etwa 4 Jahren
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