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Transkript Lernen und Wiederholen mit dem Karteikasten

Den Unterschied zwischen Lernen und Wiederholen bzw. die Wichtigkeit von Wiederholungen habe ich Ihnen schon in diversen Videos erläutert. Doch für die Kinder stellt sich oftmals die Frage nach der Organisation, also wie sie am besten Lernstoff wiederholen sollen.

Schauen Sie sich gerne zunächst noch mal das thematisch passende Video „Wiederholen – wie und wann“ an. Eine Möglichkeit, die der dort vorgestellten „Vergessenskurve“ ganz hervorragend entgegenwirkt, ist die Arbeit mit einem Karteikasten.

Der Karteikasten

Einen Karteikasten kann ich fertig kaufen. Den gibt es aus Holz, Plastik, Pappe. Ich kann ihn auch selbst basteln, zum Beispiel aus einem Schuhkarton. Es gibt auch zahlreiche Computerprogramme und Apps. Welche Form Ihr Kind benutzt, ist nicht so wichtig, da kommt es auf die persönlichen Vorlieben an. Wichtig, und das haben alle gemeinsam, ist, dass es verschiedene Fächer gibt. In meinem Fall sind es jetzt fünf.

Wie funktioniert das denn nun? Ganz einfach: Gemäß der Lerntipps ist es wichtig, sich den Lernstoff aufzuteilen. In meinem Beispiel zeige ich nun, wie man Vokabeln lernt und wiederholt. Und da reichen erst mal sieben Vokabeln. Sieben deshalb, weil ich mir eh nicht mehr auf einmal merken kann. Außerdem: Wenn ich jeden Werktag sieben neue Vokabeln in den Karteikasten lege, habe ich garantiert alle Vokabeln des Halbjahres in dem Kasten und auf dem Kasten.

Zunächst also das Lernen: Hierfür schreibe ich eine Vokabel groß und deutlich auf die Vorderseite und die Übersetzung auf die Rückseite. Auf jede Karteikarte nur eine Vokabel. Wenn ich mich verschrieben habe, nehme ich eine neue, ansonsten hat das Gehirn die blöde Eigenschaft, sich eher das durchgestrichene, falsche Wort einzuprägen. Um von Anfang an besser zu lernen, sage ich die Vokabeln auch direkt laut auf. Ich kann zusätzlich mit Farben oder Symbolen arbeiten, eine kleine Geschichte aus den Vokabeln machen (sie also im Zusammenhang lernen), eine Regel auf die Rückseite schreiben. Das kann man ganz individuell lösen.

Mit dem Karteikasten wiederholen

Das ist das Lernen. Sobald ich diese sieben Vokabeln gelernt habe und beherrsche, lege ich sie in das erste Fach, das Lernfach. Alles, was danach kommt ist Wiederholung. Und die geht ganz schnell. Abends nehme ich nämlich die sieben bereits gelernten Vokabeln aus dem Lernfach und wiederhole sie (laut). Das geht ganz schnell. Und da es nur so wenig sind, ist auch davon auszugehen, dass ich noch alle weiß.

Wenn ich dann alle kann, kommen sie ins nächste Fach, das Tagesfach. Das bedeutet nämlich, dass sie am nächsten Tag, nochmal wiederholt werden müssen. Das mache ich dann auch am nächsten Tag. Sobald ich diese wiederholt habe, wandern sie ins nächste Fach, in das Wochenfach. Da bleiben sie erstmal bis zum Anfang der nächsten Woche. Das heißt, in diesem Fach sammeln sich alle neuen Vokabeln der zurückliegenden Woche.

Kurz nach dem ich die sieben Vokabeln aus dem Lernfach wiederholt habe, lerne ich sieben neue Vokabeln. Denn jeden Tag von Montag bis Freitag lerne ich sieben neue Vokabeln, die abends und am nächsten Tag wiederhole. Wie viele Vokabeln habe ich dann nach einer Woche gelernt bzw. wie viele sind im Wochenfach? Fünf Tage mal sieben neue Vokabeln: 35 Minuten. Die werden dann immer am Anfang der Woche, also montags, wiederholt. Das geht auch ganz schnell, denn nochmal: Es geht hier um die Wiederholung.

Es dauert länger, 35 Vokabeln zu lernen; sie zu wiederholen dauert ca. drei bis fünf Minuten. Wenn ich am Anfang der Woche die 35 Vokabeln aus der Vorwoche wiederholt habe, lege ich sie ins Monatsfach. Richtig geraten: Hier sammeln sich alle Vokabeln des ganzen Monats und werden jeweils am Anfang des nächsten Monats wiederholt.

Wie viele sind das dann? Vier Wochen mal 35 Vokabeln: 140 Vokabeln. Das ist schon eine ganze Menge und dauert aber auch nur ca. zwölf Minuten. Die wiederhole ich vielleicht nicht alle am Stück, sondern teile sie mir auf. Wenn ich alle 140 Vokabeln fehlerfrei beherrsche, lege ich sie ins letzte Fach, in das Halbjahresfach. Hier sind dann alle Vokabeln des ganzen Halbsjahres vereint.

Auch hier wieder eine Rechenaufgabe. Ein Halbjahr dauert, wenn man die Ferien abzieht und in den Ferien werden keine neuen Vokabeln gelernt, fünf Monate. Also fünf Monate mal 140 Vokabeln. Ergibt 700 Vokabeln. Jetzt ziehen wir mal ein paar ab, weil man mal krank ist, oder etwas anderes dazwischen kommt. Aber auf ein Minimum von 600 Vokabeln komme ich locker. Und mehr lernt man nicht im Halbjahr. Egal, ob Französisch, Latein, Englisch, Spanisch, egal, ob fünfte oder zehnte Klasse. Die wiederhole ich am Ende des Schuljahres oder am Ende der Sommerferien kurz bevor die Schule wieder losgeht. Dann bin ich optimal vorbereitet.

Kleiner Tipp: Hier die Vokabeln auf mehrere Tage verteilen. Natürlich kann es mal sein, dass ich beim Wiederholen eine Vokabel nicht mehr weiß. Die kommt dann wieder zurück ins Lernfach und an dem Tag werden keine sieben neuen Vokabeln gelernt, sondern nur vier, im Lernfach immer maximal sieben Vokabeln liegen.

Disziplin und Durchhaltevermögen beim Lernen

Der Karteikasten kann natürlich nur funktionieren, wenn ich das diszipliniert mache. Da es immer nur sieben Vokabeln pro Tag sind, kann man schnell ins Schludern kommen und sagen, „Ne, heute habe ich keine Lust, mache ich morgen einfach 14“. Dann ist das Ganze schon durcheinander. Disziplin und Durchhaltevermögen sind also die Zauberworte. Aber alle Kinder, die ich kenne und die das so durchgezogen haben, hatten nie wieder Probleme mit Vokabeln.

Klar, der Lehrer gibt manchmal 30 Vokabel auf einmal auf, aber auch nicht jeden Tag. Hier geht es um DEINEN Rhythmus bzw.um den Rhythmus Ihres Kindes, und nicht immer nur um den nächsten Vokabeltest. Es geht um die Langfristigkeit. Natürlich ist eine weitere Voraussetzung zur langfristigen Abspeicherung, wie bei allen anderen Dingen im Leben auch, die Anwendung des Gelernten.

Auf den ersten Blick erscheint das System vielleicht ein bisschen kompliziert. Schauen Sie sich das Video gemeinsam mit Ihrem Kind noch mal an. Und fangen Sie einfach an. Am besten noch heute. Was spricht dagegen? Ich versprechen Ihnen, dass das System unter der Voraussetzung, die ich eben genannt habe, nämlich Disziplin, funktioniert. Aber auch hier gilt wieder: Lieber jeden Tag ein paar Minuten als wochenlang nichts zu machen und dann noch viel größere Anstrengungen unternehmen zu müssen, die vor allem nicht langfristigen Erfolg ergeben, wenn ich mich immer nur kurz vor Klassenarbeiten bemühe.

Es spricht übrigens nichts dagegen, den Karteikasten bzw. auch mehrere für andere Fächer zu nutzen. Für das Einmaleins, die wichtigsten Matheformeln, für andere Sprachen, Grammatik- und Rechtschreibregeln.

Informationen zum Video
4 Kommentare
  1. Default

    Sehr hilfreich :)

    Von Fiwi, vor etwa 2 Monaten
  2. Mausi mit finger

    Eigendlich hatte ich mir ein anderes Video vorgestellt, aber dass ist auch gut danke ! ;)

    Von Larissa S., vor 5 Monaten
  3. 1465637900485 1091246453

    Hallo könnten sie mir sagen was das basiswissen für deutsch für die 4 klasse ist? Möchte mir so ein kartei kasten anlegen. Danke

    Von Isabella K., vor 6 Monaten
  4. Atlas portrait

    Die ganze Reihe ist sehr interessant und wird mir sicher beim lernen helfen. DANKE

    Von Ashirg, vor 10 Monaten