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Warum wir nicht so schreiben, wie wir sprechen 07:24 min

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Transkript Warum wir nicht so schreiben, wie wir sprechen

Hi Leute! Ich bin’s, Tim. Mir gehts etz in dem Video vor oim drum, dassd lernst, warum mir nachhad anders redn als schreim. Des hot sei gwichtige Gründ: da remma glei über des Verhäidnis zwischen derer Schriftsproch und der gsprochenen Sprach. Da wirst dann seng, dass die eigne Regeln hom und eigne Entwicklungen, aber sich imma wieda gegenseitig beeinflussen. Wie du gerade gesehen und vor allem auch gehört hast, gibt es eklatante Unterschiede zwischen der Schriftsprache und der gesprochenen Sprache. Das liegt vor allem daran, dass sie unterschiedliche physikalische Kanäle zur Übermittlung der Botschaft verwenden. Die Schriftsprache überträgt ihre Bedeutung visuell und ist dadurch weniger abhängig von Zeit und Raum. Es fällt uns leichter, Visuelles festzuhalten als Akustisches, z.B. auf Papier oder Stein. Diese Aufzeichnungen können weite Strecken über viele Jahre zurücklegen. Bei Gesprochenem ist das nicht so einfach, akustische Aufnahmegeräte (z.B. das Mikrofon) gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Die Wissenschaft ist sich großteils einig, dass die Fähigkeit zur gesprochenen Sprache angeboren ist. Ab dem Säuglingsalter wird sie im sprachlichen Kontakt mit anderen Menschen automatisch erlernt. Der Lernprozess funktioniert dabei über Imitation der Mundbewegungen, die mit verschiedenen Lauten in Verbindung gebracht werden.

Im Gegensatz dazu ist die Fähigkeit zur Schriftsprache nicht angeboren. Sie ist eine kulturelle Erfindung und muss mühsam über lange Jahre erlernt werden. Da sie aber sehr dauerhaft sein kann, sogar Jahrtausende übersteht, kann man durch die Schrift leichter auf das sogenannte “kulturelle Gedächtnis” Bezug nehmen. Das kulturelle Gedächtnis umfasst alles, was die Menschheit an Schriften, aber auch an Kunst produziert hat. In den Schriften finden wir sozusagen all die Erkenntnisse und Erfahrungen unserer Vorfahren manifestiert. Die Schrift kann uns damit helfen, schneller und breiter zu lernen, als das mit gesprochener Sprache möglich wäre. Denn während man theoretisch mit der Schrift alles Wissen der Menschheit versammeln könnte, kann man sich das mit oraler Sprache nur schwer vorstellen: unser individuelles Gedächtnis ist für diesen Berg an Wissen nicht ausgerüstet.

Dadurch werden auch die unterschiedlichen Aufgabengebiete deutlich: Gesprochene Sprache hat den Vorteil der Schnelligkeit und Direktheit, sie ist spontan und flexibel. Außerdem ist vieles Außersprachliche in der gesprochenen Sprache dabei, das der Bedeutungsübertragung helfen kann, z.B. die Melodie der Stimme, die Schnelligkeit der Rede, der Stimmcharakter und vor allem Gestik und Mimik. Auf der anderen Seite hat sie den Nachteil, dass sie von unserem Kurzzeitgedächtnis abhängt, das schnell überfordert werden kann, wenn man z.B. in kurzer Zeit möglichst viele Daten unterbringen muss.

Wenn wir etwas aufschreiben, ist es meist komplexerer Art, sodass wir es uns nicht gut merken können. Wir müssen unser Gedächtnis sozusagen auf Papier auslagern. Da wir die Schrift für komplexere Sachverhalte nutzen, braucht sie auch komplexere Regeln als die gesprochene Sprache. Zu diesen Regeln gehören vor allem eine komplexere Syntax oder Satzstellung, ein komplexeres Vokabular und eine komplexere Satzverknüpfung. Beim Schreiben verwenden wir längere, verschachtelte Sätze und viele Nebensätze. Charakteristisch für die Schriftsprache sind auch viele verschiedene Konjunktionen, um die einzelnen Sätze zu verbinden, wie z.B. “wohingegen”, “obwohl”, “weswegen”, und Nominalstil, der sich in der Subjektivierung von Verben äußert, wie z.B. “nach Beenden des Videos gehen sie...” statt “nachdem sie das Video beendet haben, gehen sie…”.

Die Regeln für die Schrift sind in den meisten Sprachen genau festgelegt. In der deutschen Sprache übernimmt das der “Rat der deutschen Rechtschreibung” und die Wörterbücher wie der Duden sowie die Grammatikbücher, die die Regeln der deutschen Sprache seit langer Zeit festlegen und damit vereinheitlichen. Fehler darf man in der Schrift nicht machen, während jeder andauernd grammatikalische Fehler beim Reden macht.

Durch diese Vereinheitlichung der Schriftsprache wird auch klar, warum Dialekte und Mundarten wenig geschrieben werden: Die Schrift soll für eine breitere Gedankenvermittlung sorgen. So haben die Schweizer z.B. einen sehr starken Dialekt, den kaum ein unerfahrener Deutscher verstehen würde. In ihrer Schriftsprache findet man davon allerdings wenige Spuren: geschrieben wird auf Hochdeutsch.

Wir können also sagen, dass die Schrift festgelegter ist als die gesprochene Sprache und dadurch auch schwerer verändert werden kann. Unsere alltägliche Sprache hingegen ist immer in Bewegung und offen für Neues, z.B. für Lehnwörter aus anderen Sprachen wie “cool” oder für Neologismen, d.h. Wortneubildungen wie z.B. “Entschleunigung”. Zurzeit kommen die meisten neuen Wörter in der deutschen Sprache aus dem Englischen. Bevor diese Neuerungen in die Schriftsprache aufgenommen werden, vergeht oft einige Zeit. Die Schriftsprache wird aber von der gesprochenen Sprache beeinflusst und umgekehrt. Die beiden Sprachen sind interdependent. Wie wird eigentlich die gesprochene Sprache in Schrift umgesetzt? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Um ein Phonem, d.h. eine Lauteinheit, in ein Graphem, das ist eine Schrifteinheit, abzubilden, haben wir Europäer das Alphabet gewählt. Wir Deutschen haben also 26 Zeichen, die für jeweils einen Laut stehen, und die wir nach bestimmten vorgefertigten Mustern verbinden. Eine andere Möglichkeit haben die Chinesen gewählt, nämlich die logographische Schrift. Ihre Zeichen stellen nicht die kleinsten Lauteinheiten, die Phoneme, dar, sondern die Verbindung mehrerer Laute. Aber auch im Deutschen haben wir das: Alle mathematischen Zeichen wie +, /, = und alle Zahlen wie 1, 2, 3, 4, 5 folgen dem gleichen Prinzip. Während wir diese Zeichen aber auch ausschreiben, “ausbuchstabieren” können, geht das in der chinesischen Schrift nicht.

Wir Deutschsprachige müssen uns dafür mit anderen Problemen herumschlagen, denn die gesprochene Sprache wird nicht eins zu eins auf die Schrift übertragen. Es gibt keine eindeutige Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben oder zwischen Phonemen und Graphemen. So kann es z.B. vorkommen, dass Laute verschieden lang und schnell gesprochen werden, obwohl sie gleich geschrieben werden, d.h. dass es für ein Graphem mehrere Phoneme gibt, wie es beim Vokal in “Weg” und “weg-gehen” der Fall ist.

Oder aber, andersherum, es gibt mehrere Grapheme für ein Phonem, z.B. bei Folklore und Volk. Allerdings ist das Deutsche relativ regelmäßig was die Aussprache der Schrift angeht, verglichen mit dem Französischen oder vor allem dem Englischen, wo sich z.B. “shout” auf “drought” reimt, das gleich geschriebene “ought” aber vollkommen anders klingt. Ganz schön viele spannende Unterschiede. Schauen wir uns alles nochmal kurz an: Schriftsprache und gesprochene Sprache folgen also eigenen Regeln, sind aber interdependent. Durch die Schrift können wir unser kulturelles Gedächtnis über lange Zeiten und Strecken transportieren und dadurch mehr lernen. Die Schrift hat komplexere Regeln, die alle streng festgelegt sind. Damit schafft man Vereinheitlichung und klammert Dialekte aus. Die gesprochene Sprache ist hingegen flexibler, spontaner, schneller und offener für Neologismen und daher besser für Dialoge geeignet, solange sie unser Kurzzeitgedächtnis nicht überfordert. Die Phoneme, also Lauteinheiten, werden in der Schrift als Grapheme dargestellt. Bei uns geschieht das über das Alphabet. Dabei ist die Zuordnung von Lauten und Buchstaben nicht immer eins zu eins. Guad! Etz weißt Bscheid übern Unterschied vo da Schrift und vo da Redn, und wie sie des eißat. Drum sog i: Servus, Pfia God und hobe die Ehre!

1 Kommentar
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    toll und COOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL !

    Von Exhartmann, vor 10 Monaten