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Neologismus 06:14 min

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Transkript Neologismus

Hi, ich bin’s, Tim. Fremdschämen, Gammeldöner, Selfie. Was haben diese Wörter gemeinsam? Es sind neue Wörter. Mit neuen Wörtern hantieren wir in diesem Video. Denn es geht uns um den Neologismus, ein Stilmittel aus der Rhetorik. Wir schauen uns an, was ein Neologismus ist, wie er wirkt, wo man ihn findet, und inspizieren natürlich jede Menge Beispiele. Los geht’s! Was verstehen wir unter einem Neologismus? Das Wort kommt aus dem Altgriechischen von neo, das heißt neu, und logos, das heißt Wort. Zusammengesetzt ergibt das? Neuwort! Ein Neologismus ist also entweder ein Wort, das es vorher noch nicht gab, oder aber ein Wort, das eine neue Bedeutung bekommen hat, wie z.B. Alkopop oder Dissen. Beide Wörter haben ihren Ursprung im Englischen, von wo aus sie eingedeutscht wurden. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man Neologismen auch als Wortneuschöpfungen. Innerhalb der rhetorischen Stilmittel gehören sie zu den Wortfiguren.

Woher wissen wir aber, ob es das Wort vorher noch nicht gab? Ganz einfach, wir schauen in ein Wörterbuch. Dort sind fast alle Wörter verzeichnet, die über einen längeren Zeitraum von einer Sprachgemeinschaft verwendet wurden. Ein Neologismus ist also auch nur solange ein Neologismus, wie er nicht ins Wörterbuch, z.B. den Duden, aufgenommen wurde und die Sprecher ihn als neu empfinden.

Wer aber erschafft einen Neologismus? Diese Wortneuschöpfung kann prinzipiell von jedermann und jederfrau gemacht werden, und ist häufig notwendig, um neue Phänomene zu beschreiben. Ob sich ein Neologismus festsetzt und z.B. ins Wörterbuch aufgenommen wird, hängt davon ab, wie weit er sich verbreitet, wie viel er also von anderen Personen verwendet wird, und wie lange er sich hält, wie gut er also ein andauerndes Phänomen beschreibt. Sehen wir uns ein paar Beispiele an. Weißt du, was ein “Berufsjugendlicher” ist? Ein Erwachsener, der nicht älter werden will und sich deshalb benimmt, als wäre er sehr jugendlich. Neologismen wie dieser werden im Deutschen häufig aus der Zusammensetzung von zwei Wörtern gebildet. Dieses Verfahren der Wortbildung nennt man Komposition.

Oder weißt du, was ein “Kollateralschaden” ist? Eigentlich heißt das, dass bei einem Hauptschaden noch ein Nebenschaden entsteht, also z.B. bei einem Autounfall auf der Autobahn auch die Leitplanken beschädigt werden. Ein wenig spezifischer wird es in der Militärsprache verwendet: Hier ist es eine unzivilisierte Machenschaft bei Angriffen auf eventuelle gegnerische oder terroristische Ziele, bei denen zusätzliche zivile Tote als nicht vermeidbares Übel abgetan werden. Neologismen wirken also häufig auch als Euphemismen, also als Beschönigungen.

Oder aber “Rentnerschwemme”? Ein etwas pejorativer, also abwertender Begriff für das Phänomen, dass es immer mehr Alte und immer weniger Junge in Deutschland gibt, die Alten also das Land überschwemmen. Der Begriff wurde geprägt, um ironisch eine gesellschaftliche Entwicklung zu kritisieren. Kennst du ein Kind mit “Migrationshintergrund”? Das ist einfach gesagt ein Kind mit nahen Vorfahren, die aus einem anderen Land eingewandert sind. Häufig werden Wörter neu geprägt, um politisch korrekt zu reden. Würde ein Politiker heutzutage “Ausländerkind” oder “Immigrantenkind” sagen, würde er der vielschichtigen Realität nicht gerecht werden, denn nicht alle sind Ausländer und nicht alle sind immigriert. Viele Neologismen entstehen also wegen political correctness.

Oder weißt du, was ein “Nullwachstum” ist? Ganz richtig, ein Wachstum, das nicht wächst, also bei Null bleibt. Der Begriff wird in der Wirtschaft verwendet, wenn man kritisieren will, dass die Wirtschaft wachsen sollte, es aber nicht tut. Wie du hier sehen kannst, haben Neologismen meist einen ganz bestimmten Anwendungsbereich. Nullwachstum findet man vor allem in der Presse oder an den Universitäten, in der Forschungsliteratur und somit in der Fachsprache. Andere Wörter wie z.B. “Toppen” sind hingegen eher in der Jugendsprache zu finden Und ein letztes Beispiel. “Teuro” ist eine Zusammenziehung von “teuer” und “Euro”, auch das als Kritik gemeint gegen die Einführung des Euro. Diese Zusammenziehungen werden Kofferwörter genannt. Weitere Beispiele sind “Politesse”, “Denglisch” und “Smog”. Fassen wir kurz zusammen. Ein Neologismus ist das rhetorische Stilmittel der Wortneuschöpfung. In der jeweiligen Sprache festsetzen wird es sich dann, wenn es in das Wörterbuch aufgenommen wird und sich damit einen Platz im allgemeinen Sprachgebrauch erkämpft hat. Neologismen werden häufig durch Kompositionen, also Wortzusammensetzungen, und aus Kofferwörtern gebildet. Sie wollen häufig einen Missstand kritisieren oder sie wollen einen Missstand verdecken und verschleiern, sind also euphemistisch, das heißt beschönigend. Neologismen wegen political correctness können dabei in beide Richtungen gehen. Weiterhin finden Neologismen meist in einem bestimmten Sprachbereich ihre Anwendung: In der Fachsprache, in der Jugendsprache, manchmal aber auch in der Allgemeinsprache. Hast du die Macht, Sprache zu verändern? Es ist leichter als man denkt. Ich sag ciao.

2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Vielen Dank für den Kommentar. Wir freuen uns, dass dir das Video gefällt.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor fast 3 Jahren
  2. Default

    Bravo!
    Könnte man kaum besser erklären!

    Von E Rogge, vor fast 3 Jahren