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Das Reimschema

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm."

Kennst du diesen Anfang einer berühmten Ballade von Johann Wolfgang von Goethe? Sie heißt „Der Erlkönig“ und gehört heute zur Schullektüre.

Wald

Bei der Analyse eines Gedichts oder einer Ballade kannst du u. a. das Reimschema bestimmen. Du weiß nicht recht, wie das gehen soll? Kein Problem, das klären wir jetzt!

Die Alliteration

Die Alliteration kennst du vielleicht auch unter dem Begriff Stabreim. Siehe dir das folgende Beispiel an: Milch macht müde Männer munter. Was fällt dir direkt auf? Richtig, die Anfangsbuchstaben aller Wörter sind gleich. Dieses Phänomen nennst du Alliteration. Diese Reimart ist schon sehr alt und wurde bereits im Mittelalter verwendet.

Die Assonanz

Die Assonanz wird auch unvollständiger oder unreiner Reim genannt. Das Wort Assonanz kommt ursprünglich aus dem Lateinischen assonare und bedeutet anklingen. Damit ist gemeint, dass sich nicht die Endungen (Suffixe) der Wörter reimen, sondern sie einen Vokal (a, e, i, o, u) besitzen, der den gleichen Klang aufweist. Die Wörter Jahr und Tag weisen einen Gleichklang des Lautes a auf.

Der Endreim

Als Endreim bezeichnest du ein Reimschema, bei dem Wörter sich reimen, wenn sie vom letzten betonten Vokal an gleich klingen: sehen – stehen, Haus – Maus. Du kannst verschiedene Arten des Endreims unterscheiden.

Der Paarreim

Wie dir der Name schon verrät, reimen sich die letzten Wörter zweier aufeinander folgender Verse eines Gedichts. Siehe dir einmal die ersten Verse aus Heinrich Heines Ballade „Belsazar“ an:

Die Mitternacht zog näher schon; (a)

In stummer Ruh lag Babylon. (a)

Nur oben in des Königs Schloß, (b)

Da flackerts, da lärmt des Königs Troß. (b)

Dort oben in dem Königssaal (a)

Belsazar hielt sein Königsmahl." (a)

Die kleinen Buchstaben a und b signalisieren, welche Verse sich reimen.

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Der Kreuzreim

Der Kreuzreim weist ein anderes Reimschema auf. Es lautet abab. Der erste Vers reimt sich erst wieder mit dem übernächsten Vers. Betrachte einmal das Gedicht „Der Soldat“ von Joseph von Eichendorff:

"Und wenn es einst dunkelt, (a)

Der Erd bin ich satt, (b)

Durchs Abendrot funkelt (a)

Eine prächtge Stadt: (b)

Von den goldenen Türmen (a)

Singet der Chor, (b)

Wir aber stürmen (a)

Das himmlische Tor" (b)

Der umarmende Reim

Zu guter Letzt sehen wir uns noch den umarmenden oder umschließenden Reim an. Hierbei werden zwei sich reimende Verse von zwei anderen Versen, die sich ebenfalls reimen, „umarmt“ (abba). Siehe dir den Gedichtanfang „Abend“ von Andreas Gryphius an. Das Gedicht weist einen umarmenden Reim auf:

Der schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn / (a)

Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen (b)

Verlassen feld und werck / Wo Thier und Vögel waren (a)

Trawert itzt die Einsamkeit. Wie ist die zeit verthan!" (b)

Kadenzen

Das Wort Kadenz stammt aus dem Lateinischen (cadere) und bedeutet fallen. Die Kadenzen beziehen sich auf das Versende eines Gedichts. Du kannst männliche von weiblichen Kadenzen unterscheiden. Bei den männlichen Kadenzen endet das letzte Wort eines Verses auf einer betonten Silbe. Bei den weiblichen Kadenzen ist die letzte Silbe des Wortes unbetont. In dem Gedicht „Abend“ von Gryphius kannst du in Zeile 1 und 4 eine männliche Kadenz finden (Betonung auf letzter Silbe) und in den Zeilen 2 und 3 jeweils weibliche Kadenzen. Somit wird auch das Reimschema des umarmenden Reimes rhythmisch unterstützt.

Vollmond.jpg

Und was ist mit dem Erlkönig? Siehe dir noch einmal den Anfang von Goethes Ballade „Der Erlkönig“ an. Kannst du das Reimschema und die Kadenzen bestimmen?

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm."

Die erste Strophe der Ballade weist einen Paarreim auf. Außerdem enden alle vier Verse auf einer männlichen Kadenz. Schaue dir einfach eine Reihe von Gedichten an. Je mehr Gedichte du kennst, desto sicherer wirst du auch in der Bestimmung des Reimschemas und der Kadenzen.

Textquellen:

Text1: Goethe, Johann Wolfgang von: Der Erlkönig. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/johann-wolfgang-goethe-gedichte-3670/231 [12.04.2017]

Text 2: Heine, Heinrich: Belsazar. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/deutsche-balladen-aus-ferdinand-avenarius-balladenbuch-8389/82 [12.04.2017]

Text 3: Eichendorff, Joseph von: Der Soldat. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/joseph-von-eichendorff-gedichte-4294/1 [12.04.2017]

Text 4: Gryphius, Andreas: Abend. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/andreas-gryphius-gedichte-2204/2 [12.04.2017]

Videos und Übungen in Formale Merkmale: Reimschema

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