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Entstehungsgeschichte

Wenn du heute ins Theater gehst, werden noch immer Stücke gespielt, die bereits vor Jahrhunderten entstanden sind. Wie aktuell und brisant diese Stücke teilweise noch sind, zeigt das Stück „Die Weber“ des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann. Das 19. Jahrhundert war geprägt von der industriellen Revolution, die zu starken sozialen Problemen und anderen Missständen in der Gesellschaft führte.

Gerhart Hauptmann

Auslöser für die Entstehung des Dramas war der Aufstand der Weber 1844 in Schlesien. Dieser wurde nach Kürzung der Löhne aufgrund der extremen Armut und der Angst der Weber vor dem Hungertod ausgelöst. Der Aufstand führte zu Verwüstungen und Zerstörungen. Zahlreiche künstlerische Werke des 19. Jahrhunderts setzen sich seitdem mit der sozialen Frage allgemein, aber auch mit dem Aufstand der Weber auseinander. Das naturalistische Drama Hauptmanns ist dabei das wohl bedeutendste Werk und stellt ungeschönt und realistisch die Lebensumstände der Weber ins Zentrum. Hauptmann selbst hatte übrigens zum Aufstand auch persönliche Bezüge und war mit dem Schicksal der Weber vertraut: Er selbst wuchs in Schlesien auf und sein Großvater war Weber, weshalb ihm das Aufzeigen der Missstände der Weber besonders am Herzen lag.

Inhaltsangabe

Der Inhalt des Dramas wird in 5 Akten erzählt. Zu Beginn wird die Lebenssituation der Weber in Peterswaldau gezeigt. Infolge der Schikanen durch den Fabrikanten Dreißiger und dem ehemaligen Weber Pfeifer wird ihnen der Lohn gekürzt, wodurch ihre Lebensumstände noch bedrohlicher werden. Der Weber Bäcker, der sich dagegen wehrt, erhält zwar seinen angemessenen Lohn, wird aber daraufhin entlassen. Der ehemalige Soldat Jäger erfährt von der Unterdrückung der Weber. Er zitiert aus dem Blutgericht, einem Lied, das tatsächlich existiert und das zur Hymne des Weberaufstands wurde. Die Weber erkennen darin die Ungerechtigkeit ihrer eigenen Lage und stimmen als Protest das Lied des Blutgerichts an. Im Verlauf des Dramas revoltieren sie immer stärker gegen die Herrschenden und verwüsten unter anderem die Villa Dreißigers, wobei der Aufstand vom Schmied Wittig in Verbindung zum Geist der französischen Revolution gesetzt wird. Im fünften und letzten Akt des Dramas verlagert sich das Geschehen in den Nachbarort. Weitere Weber schließen sich dem Aufstand an und schlagen das Militär zurück. Dabei wird der unschuldige alte Webermeister Hilse durch eine verirrte Kugel tödlich verletzt. Derjenige, der sich nicht an der Revolution beteiligt hatte und in seinem konservativen Geist alles beim Alten lassen wollte, wird am Ende erschossen.

Kämpfer

Personenkonstellation

Die Hauptpersonen des Stücks sind die Gruppe der Weber, die größtenteils eine anonyme Masse darstellen. Diese Gruppe zeichnet sich durch Armut und Verzweiflung aus. Unter den Webern stechen drei Persönlichkeiten hervor: Jäger, der das Lied vom Blutgericht kennt, der Schmied Wittig, der ebenfalls von der französischen Revolution beeinflusst ist und Bäcker, der sich mutig gegen die Unterdrückung auflehnt. Vor allem Wittig und Jäger motivieren die Weber zur Revolution. Ihnen gegenübergestellt sind der Fabrikant Dreißiger und der ehemalige Weber Pfeifer, die die Weber ausbeuten sowie der Pastor Knittelhaus, der die Religion ausnutzt, um die Weber zu unterdrücken. Tragisch ist vor allem das Schicksal des Webermeisters Hilse, der sich aufgrund eines gottgefälligen Lebens nicht am Aufstand beteiligt, aber durch ein Unglück getötet wird. Wichtig für die Analyse des Werkes ist außerdem der Lumpensammler Hornig, der nicht am Geschehen beteiligt ist, sondern dieses als Beobachter kommentiert.

Personenkonstellation

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Das Drama „Die Weber“ wurde zunächst aufgrund seines sozialkritischen Inhalts verboten. Erst 1893 wurde es in Berlin mit großem Erfolg aufgeführt und war bis zum ersten Weltkrieg eines der am häufigsten aufgeführten Werke. Während der beiden Weltkriege wurde es von den Bühne verbannt, bevor es 1947 erstmals wieder gezeigt wird. Das Stück deckt, wie im Naturalismus üblich, schonungslos die soziale und politische Ungerechtigkeit und die seelische und materielle Not, in diesem Fall die der Weber, auf. Die besondere Dramatik des Stücks zeigt sich in den realen Vorbildern. Angesichts dieser noch immer aktuellen und brisanten Thematik der sozialen Ungerechtigkeit ist es kein Wunder, dass dieses Stück auch heute noch häufig gespielt wird. Hauptmann zeichnet ein katastrophales Bild der Lebensbedingungen in Deutschland als Folge der Industrialisierung und des beginnenden Kapitalismus.