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„Der Sandmann“ - Hoffmann und die Schwarze Romantik

Du hast immer geglaubt, der Sandmann wäre eine Erfindung des Kinderfernsehens? Dabei werden kleinen Kindern schon seit vielen Jahrhunderten mehr oder weniger gruselige Geschichten vom Sandmann erzählt. Meist als friedlicher Schlafbringer dargestellt, wird er hingegen in E.T.A. Hoffmanns Schauerroman zu einem unheimlichen Dämon, der den Kindern die Augen herausreißt.

Das Horrorgenre feiert in der Schwarzen Romantik seine ersten Erfolge. Als Wegbereiter gilt der Brite Horace Walpole, dessen Erzählung „Das Schloss von Otranto“ aus dem Jahre 1764 als erster Schauerroman gilt. Statt wie die herkömmlichen Romantiker das Schöne und Makellose darzustellen, zelebrieren die Autoren der Schwarzen Romantik das Schreckliche und Wundersame. So auch E.T.A. Hoffmann (1776 -1822): Der gelernte Jurist und preußische Beamte wendet sich jedoch erst spät der Dichtkunst zu, obwohl er sich schon immer nach einem Leben als freier Künstler gesehnt hatte. 14 Jahre vor seinem Tod kehrt er dem bürgerlichen Alltag endlich den Rücken und findet Zuflucht in einer magischen Wunderwelt. 1816/1817 erscheint Hoffmanns Erzählzyklus „Nachtstücke“, der neben „Der Sandmann“ noch sieben weitere Erzählungen enthält.

Nachtstücke

„Der Sandmann“ - Inhalt & Figuren

Ein junger Mann, der sich in eine Holzpuppe verliebt und wahnsinnig wird? Eine furchterregende Schreckgestalt, die Kindern nachts zuleibe rückt? Das alles sind die Zutaten für Hoffmanns düstere und zugleich groteske Erzählung.

Zu Beginn erfährt der Leser mittels dreier Briefe die Vorgeschichte der Handlung: Die junge Student Nathanael - zugleich die Hauptfigur - begegnet dem Wetterglashändler Coppola, der ihn an seine Kindheit erinnert. Genauer gesagt erinnert Coppola ihn an einen Bekannten seines früh verstorbenen Vaters, und zwar an den Alchimisten Coppelius. Eines Nachts beobachtete und belauschte Nathanael seinen Vater und Coppelius bei sonderbaren Experimenten. Seitdem hält er den grässlichen Coppelius für den bösen Sandmann. Nathanael macht ihn sogar für den frühen Tod des Vaters verantwortlich.

Im weiteren Verlauf der Erzählung ändert sich die Erzählperspektive. Ein allwissender Erzähler namens Siegfried berichtet nun, wie die Geschichte weitergegangen ist. Im Vordergrund steht zunächst die angespannte Beziehung zwischen Clara und Nathanael. Der junge Mann versinkt immer mehr in düsteren Gedanken über die finsteren Mächte, die angeblich das Liebesglück der beiden zerstören wollen. Fast kommt es zum Zerwürfnis zwischen Nathanael und seiner Verlobten.

Der Sandmann

Zurück in seiner Studienstadt zieht Nathanael in eine neue Wohnung ein. Von dort aus kann er die Wohnung seines Professors Spalanzani blicken. Dort sieht er dessen vermeintliche Tochter Olimpia den ganzen Tag regungslos am Tisch sitzen. Sie erscheint ihm trotzdem - oder gerade deswegen? - als himmlische Schönheit. Nach ihrer Begegnung bei einem Ball ist es endgültig um Nathanael geschehen. Wenig später möchte er Olimpia einen Heiratsantrag machen. Allerdings platzt er dabei in einen Kampf zwischen Spalanzani und dem Wetterglashändler Coppola um die schöne Olimpia. Ihre zerstörte Hülle gibt preis, was sie wirklich ist: eine mechanische Holzpuppe. Nathanael ist schockiert und versucht in seiner Verwirrtheit, seinen Professor zu erwürgen. Schließlich landet der junge Mann im Irrenhaus.

Wenig später scheint Nathanael vom Wahnsinn geheilt zu sein. Er steigt mit seiner Verlobten Clara auf einen Turm. Dort ergreift der Wahnsinn allerdings erneut Besitz von ihm; nachdem er unten in der Menschenmenge den alten Coppelius seiner Kindheit erblickt, stürzt er sich in den Freitod.

„Der Sandmann“ - Zentrale Motive und Interpretation

Ist Nathanael verrückt? Oder wird er tatsächlich von einem Dämon verfolgt? Fakt ist, dass beide Erscheinungen - sowohl Coppola als auch Coppelius - eine Bedrohung für Nathanaels Geisteszustand darstellen. Was hier jedoch der Fantasie Nathanaels entspringt und was Realität ist, das bleibt für den Leser unklar. Die reale und die magische Welt verweben sich in „Der Sandmann“ zu einem Ganzen. Das lässt sich auch ganz gut an der Erzähltechnik Hoffmanns aufzeigen. Denn den gesamten Text durchziehen viele Motive und Motivgruppen, und so entsteht ein Netz aus Querverweisen. Da wäre beispielsweise das Motiv des Doppelgängers (Coppola - Coppelius; Clara - Olimipa) oder das Motiv des Automaten, der zum einen ein Produkt der Kunst ist, zum anderen der Inbegriff des Unheimlichen.

E.T.A. Hoffmann

In der Wissenschaft wird auch gemutmaßt, Hoffmann habe mit „Der Sandmann“ seine eigene Krankengeschichte niedergeschrieben, um seinen Ängsten, z.B. seiner Angst vor dem eigenen Wahnsinn, Ausdruck zu verleihen.

Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Versuche, diese Schauergeschichte zu deuten und zu interpretieren. Doch egal, wie du sie deuten möchtest, eines ist klar: Wahnsinn und Genie liegen nah beieinander!