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Entstehungsgeschichte

Jenny Treibel war früher arm. Jetzt versucht sie alles, um ihre Stellung im Bürgertum der Besitzenden zu halten. Theodor Fontane entwirft mit seinem Roman Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herz find't.“ mit viel Ironie und Witz ein Bild der wilhelminischen Gesellschaft Berlins Ende des 19. Jahrhunderts.

Fontanes Roman ist der Epoche des Realismus zuzuordnen. Die ersten Entwürfe entstehen bereits im Jahr 1889. Schon in dieser frühen Phase der Entstehung ähneln die Figuren der endgültigen Fassung sehr. Bei der Figurengestaltung hat sich Fontane stark von seiner Familie beeinflussen lassen: Seine Tochter Martha bildet die Grundlage für die Figur der Corinna, Jenny Treibel ist von seiner Schwester Jenny Sommerfeldt inspiriert und er selbst hat sich in Wilibald Schmidt porträtiert. Sein Roman erscheint 1892 als Fortsetzungsroman in der Deutschen Rundschau und im selben Jahr noch als Buch.

Inhaltsangabe

Der Roman handelt von zwei Berliner Familien: Da gibt es zum einen die großbürgerlichen, vermögenden Treibels, die stellvertretend für das Besitzbürgertum stehen. Familie Treibel - das sind die Mutter Jenny Treibel, ihr Mann, der Kommerzienrat sowie die beiden Söhne Otto und Leopold. Auf der anderen Seite wird mit dem Professor Schmidt und seiner Tochter Corinna das Bildungsbürgertum vertreten. Während die Treibels Werte wie Besitz und Ansehen sehr schätzen, stellt bei Familie Schmidt Bildung den höchsten Wert dar.

Bürgertum

Die beiden Familien sind dennoch eng miteinander verbunden: Jenny und der Professor kennen sich schon seit ihrer Kindheit und waren ein Liebespaar. Der Professor ist es auch, der Jenny das Gedicht schreibt, das mit der Textzeile „Wo sich Herz zum Herz find´t“ endet. Dennoch heiratet Jenny den späteren Kommerzienrat und entscheidet sich somit für Besitz, Wohlstand und Ansehen. Schmidt möchte seine Tochter mit ihrem Cousin Marcell verheiraten, der Archäologe ist und ihm sehr ähnelt. Corinna würde jedoch lieber - ebenso wie es Jenny einst tat - Reichtum erlangen und versucht Leopold zu heiraten. Zwar kommt es zur heimlichen Verlobung der beiden, Jenny aber will Leopold lieber mit der reichen Hildegard verheiraten. Leopold kann sich nicht von seiner Mutter und ihren Plänen lossagen, weshalb Corinna die Verlobung auflöst. Schließlich finden alle einen Partner, der zu ihnen passt: Marcell heiratet Corinna und Leopold vermählt sich mit Hildegard.

Personenkonstellation

Alle Figuren des Romans sind stark von den gesellschaftlichen Schichten geprägt, denen sie angehören, dem Besitzbürgertum bzw. dem Bildungsbürgertum. Die Kommerzienrätin Jenny Treibel verkörpert dabei Sein und Schein am stärksten: Als geborene Bürstenbinder ist sie mithilfe ihres Aussehens aus einfachen Verhältnissen in das Besitzbürgertum aufgestiegen. Für sie sind sozialer und materieller Aufstieg wichtig, daher plant sie, ihre Söhne ebenfalls mit reichen Frauen zu verheiraten.

Personenkonstellation

Corinna ähnelt Jenny. Auch sie will gesellschaftlich aufsteigen, wird daran jedoch durch Jenny gehindert und heiratet schließlich innerhalb des Bildungsbürgertums. Auch der Professor verhält sich nicht ideal: Aufgrund seines Bildungsgrades ist er arrogant und möchte, dass seine Tochter jemanden aus dem Bildungsbürgertum heiratet. Im Gegensatz zu Jenny ist er jedoch reflektierter und durchschaut ihre Pläne. Die anderen Treibels sind eher unbeteiligt: Sowohl Leopold als auch sein Vater können sich gegenüber Jenny nicht durchsetzen und passen sich ihr an.

Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte

Fontanes Roman kann auf unterschiedliche Weise gedeutet und interpretiert werden. Er stilisiert das Streben der Bürger nach Reichtum und Ansehen. Die Bedeutung des Liedes und Untertitels „Wo sich Herz zum Herz find't“ wird im Roman ironisch gebrochen, denn zum einen sind fast alle Figuren auf Reichtum und Ansehen bedacht und zum anderen finden zwar Herzen zu Herzen, aber nicht aufgrund von Liebe, sondern aufgrund der gleichen Klassenzugehörigkeit.

Interpretationsansatz

„Frau Jenny Treibel“ ist ein Buch über das Bürgertum. Was in Fontanes Fall heißt: gegen das Besitzbürgertum, welches Ende des 19. Jahrhunderts in Preußen zur unumstrittenen Macht aufgestiegen ist. Fontane begegnet der Besitzbourgeoisie mit Kritik, wenn nicht sogar mit Abneigung. Die Hauptfiguren des Werks können als Prototypen der von Fontane verachteten Bourgeoisie gelten. Vor dem Hintergrund einer einfachen Geschichte werden die Werte des Bürgertums zu Zeiten Wilhelm des II. mit viel Humor aufgezeigt und hinterfragt.