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Der Schriftsteller Heinrich von Kleist

Ein kalter Novembertag im Jahre 1811. Ein junger Mann erschießt erst eine Freundin, dann sich selbst. Du denkst, dieser spektakuläre Suizid ist Teil einer erfundenen Geschichte? Ganz und gar nicht! So endet das Leben des deutschen Schriftstellers Heinrich von Kleist - er ist erst 34 Jahre alt. Der gesellschaftliche Außenseiter ist ein zerrissener Mensch, der ständig zwischen einem konventionellen und einem freien Lebensentwurf schwankt. Diese Unangepasstheit äußert sich auch in seinen Werken: Sie lassen sich weder der Weimarer Klassik noch der Romantik zuordnen.

HeinrichvonKleist

Heinrich von Kleist und seine Zeit

Kleist wird in eine Zeit hineingeboren, die von gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen geprägt ist. Das Zeitalter des Absolutismus ist vorbei, die Ideen der Aufklärung verankern sich allmählich in den Köpfen der Menschen. Der Ruf nach Freiheit, Gleichheit und politischer Mitsprache wird immer lauter, was sich nicht zuletzt in der Französischen Revolution von 1789 bis 1799 äußert. In Kleists Theaterstücken und Novellen finden sich die Themen dieser Zeit wieder: Gewalt und Gerechtigkeit, Individuum und Gesellschaft, Krieg und Politik. Auch deswegen hat Kleist bis heute nicht an Aktualität verloren, sind doch diese gesellschaftlichen und politischen Konflikte noch immer von Bedeutung.

Bei dem jungen Schriftsteller gehen gesellschaftliches Reformdenken und literarische Experimente Hand in Hand. Bei seinen Zeitgenossen wie z.B. Goethe, aber auch beim Publikum stößt er wegen seiner unkonventionellen Schreibweise größtenteils auf Unverständnis. Obwohl Kleists literarisches Schaffen in die Zeit der Weimarer Klassik (ca. 1786-1805) und der Romantik (ca. 1795-1848) fällt, ist die Einordnung seiner Werke in eine bestimmte Epoche schwierig. Er ist ein literarischer Grenzgänger, der sich einfach in keine Schublade stecken lässt.

Heinrich von Kleists Leben

Heinrich von Kleist wird 1777 in eine angesehene Adelsfamilie hineingeboren. Zunächst absolviert er eine Militärlaufbahn, entscheidet sich dann aber mit Anfang 20 für ein Leben, das nicht auf Reichtum und Ehre ausgelegt ist. Vielmehr strebt er nach der ganzheitlichen Ausbildung seines Geistes. Unter anderem beschäftigt er sich ausgiebig mit der Philosophie Immanuel Kants. Die Lektüre dieser Schriften stürzt Kleist 1801 in eine tiefe Persönlichkeitskrise - seine berühmte Kant-Krise. Daraufhin zieht er sich aufs Land in die Schweiz zurück und führt ein bäuerliches Leben. Erst hier unternimmt er seine ersten schriftstellerischen Versuche. Aber bereits 1802 kehrt er nach Deutschland zurück. In den folgenden Jahren reist der Rastlose viel und arbeitet u.a. an dem Drama „Der zerbrochene Krug“. 1807 gerät Kleist aufgrund von Verdacht auf Spionage in französische Kriegsgefangenschaft, wird jedoch später freigelassen. Es entstehen Werke wie „Michael Kohlhaas“, „Die Marquise von O.“ oder auch „Prinz Friedrich von Homburg“. Doch Kleists Verzweiflung nimmt mit wachsenden Geldsorgen und unaufhörlicher Kritik an seinen Werken dramatisch zu. Sie gipfelt 1811 schließlich im Selbstmord, nachdem er zunächst im Einverständnis seine todkranke Freundin Henriette Vogel erschossen hatte.

Die Marquise von O.

Bedeutende Werke

Die Marquise von O.

Kleist bekannteste Novelle ist die Geschichte über Die Marquise von O. (1808), eine ehrenwerte Frau, die auf der Suche nach ihrem Vergewaltiger und gleichzeitig Vater ihres ungeborenen Kindes ist. Sie möchte ihn heiraten, um zu verhindern, dass das Kind unehelich zur Welt kommt. Doch trotz ihrer Bemühungen wird sie von ihrer Familie und der Gesellschaft verstoßen.

Kleist greift in dieser Erzählung ein heikles Thema auf, auf das die damalige Öffentlichkeit mit Empörung reagierte. Heute jedoch ist das Werk aus dem deutschen Literaturkanon nicht mehr wegzudenken.

Prinz Friedrich von Homburg

Auch Kleists Drama Prinz Friedrich von Homburg (1809/10) - er nannte es selbst ein vaterländisches Schauspiel - war nicht unumstritten, wurde doch ein Tabuthema behandelt: die militärische Befehlsverweigerung. Wir befinden uns im Jahre 1675, Schauplatz ist die Schlacht bei Fehrbellin. Der Reitergeneral und Prinz Friedrich von Homburg missachtet den Befehl seines Vorgesetzten und wird nach geltendem Kriegsrecht zum Tode verurteilt. Doch die Geschichte geht zum Glück gut aus: Der Prinz wird begnadigt.

Übrigens: Das Theaterstück wurde erst 10 Jahre nach Kleists Tod uraufgeführt, so umstritten war der Inhalt dieses Schauspiels! Dabei wurde es immer wieder gekürzt und zensiert. Du siehst also, Kleist hatte es weder zu Lebzeiten noch nach seinem Tode leicht, als Schriftsteller akzeptiert zu werden.

Videos und Übungen in Heinrich von Kleist

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