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Transkript GdR 1 4 1 Wie geht man systematisch bei der Fall-Lösungs-Technik vor? Teil 1 Sachverhalt

Herzlich willkommen zu einem neuen Video zu Grundlagen des Rechts. Weiter geht es mit dem Video GdR 1.4.1. Hier geht es um die Frage: Wie geht man eigentlich systematisch bei der Fall-Lösungs-Technik vor? Und wir wollen hier im Teil 1 uns dem Sachverhalt mal nähern. Sie wissen, sie haben selbst einen Sachverhalt bekommen, als Hausaufgabe sozusagen, wir hatten hier so den 15-jährigen Hans Fahrinsland, der auf einer unübersichtlichen Landstraße die Kurve geschnitten hat der Bernd Bleifuß, der entgegen kam und auch nicht so weit rechts fuhr, der hatte so komisch auf dem Autodach geparkt. Und es ist ein Schaden von 2000 Euro entstanden. Ich will ihnen in diesen Videos zeigen, wie die Juristen so ganz richtig einen Fall lösen. Einfach systematisch nacheinander. Das ist alles lernbar die ganze Juristerei und sie bekommen, später einmal vielleicht auch ihr eigenes System. Aber zunächst einmal müssen sie mal diese Technik einfach mal kennengelernt haben. Denn wenn sie die Technik nie so richtig mal gesehen haben, wie man es so richtig macht, dann werden sie immer so ein bischen schwimmen. Nein ich zeige ihnen jetzt mal so 100%ig, wie man das ganz sauber macht. Die Fall-Lösungs-Technik und zwar systematisch hintereinander weg und sie können sich dann später ihr eigenes System bischen zulegen. Das mache ich auch.

Gut, also, gehen wir los. Es geht also nur um systematische Betrachtung jetzt und sie haben diesen Fall. Tja, wie ist jetzt die Systematik? Systematisch sollte man bei der Fall-Lösungs-Technik nach folgenden Schritten vorgehen. Und zwar haben wir zunächst den ersten Schritt, sie sollten den Sachverhalt erarbeiten. Das werden wir uns auch jetzt gleich in diesem Video ganz genau anschauen. Aber die anderen Schritte zeige ich ihnen, der Vollständigkeit halber, auch noch mal. Wenn sie den Sachverhalt verarbeitet haben, dann sollten sie die Fragestellung lesen. Ja gucken sie noch mal nach, was war denn die Frage von unserem Autoschadenfall da. Dann gucken wir mal weiter. Der dritte Schritt sind so erste Gedanken zur Lösung. Die sollten sie notieren. Sie haben ja nebenbei einen eigenen Laptop oder irgendwas, wo sie etwas aufschreiben, und vergleichen das dann zum Schluss mit meiner Lösung. Mal sehen wer zum Schluss die bessere Lösung hat. Wenn sie den dritten Schritt haben, die ersten Gedanken zur Lösung notiert haben, dann suchen wir die Vorschriften und zwar systematisch. Aber erst dann! Nicht zu früh in das Gesetz reingucken. Dann ist nämlich die Unbefangenheit weg. Als nächstes haben wir dann den fünften Schritt. Irgendwann will ich mal von ihnen eine Lösungsskizze sehen. Das heißt, so mit Plus und Minus gehen wir dann durch die Vorschriften durch. Und im sechsten Schritt, manchmal müssen sie den in der Praxis machen, manchmal nicht, formulieren wir dann die Lösung heraus und das werde ich ihnen hier zeigen. Gut, wir gucken uns jetzt erst einmal die systematische Sachverhaltsarbeit an. Das heißt, der erste Schritt ist immer, sich den Sachverhalt zu erarbeiten. Was heißt das? Bei der Lektüre von juristischen Sachverhalten oder von Verträgen sollte folgende Checkliste systematisch abgearbeitet werden. Was heißt das zunächst mal? Sie sollten zunächst mal ihre juristische Fachsprache und ihre Besonderheit ganz besonders beachten. Also, wenn sie sich meinen Fall mit dem Unfall auf der Landstraße anschauen, da stand nun mal ein bischen was wie "nicht ganz rechts" und "hat die Kurve geschnitten" und "Landstraße", das hat was zu bedeuten. Sie sollten zunächst mal ihre juristische Fachsprache und ihre Besonderheit ganz besonders beachten. Können sie nicht wie bei einem Roman einfach drüberlesen. Auch wenn sie denken, ach ja das sind so vermeintlich bekannte sprachliche Formulierungen, in juristischen Texten, achten sie darauf, da kann irgendwas sein. Unfallbericht, was kann das sein?  Das ist kein Bericht in der Wiener Zeitung, Unfallbericht. Das macht man glaube ich, um das hinterher der Versicherung zu zeigen. Was ist wirklich passiert und so. Also vorsicht! Dann, wenn sie weiterhin systematisch vorgehen, müssen sie das Goldwaagen-Prinzip kennen. Was ist das? Nun das heißt einfach, dass sie jedem Detail Aufmerksamkeit zu schenken ist. Das sie jedes Detail bitte erfassen und abwägen. Das Stichwort "Goldwaage" soll sie hier daran erinnern, dass es eine sehr fein wiegende Messeinrichtung ist, die steht einfach für sorgfältiges Arbeiten. Sie müssen die Aufmerksamkeit beim Lesen dadurch erhöhen, dass sie wiederholt und sorgfältig Lesen. Na wie oft haben sie denn meinen Eingangsfall gelesen? "Unfall auf der Landstraße" Einmal? Zu wenig! Zweimal? Wird besser! Dreimal? Gut! Sie können sich ja gleich beim Lesen vielleicht eine Fallskizze machen oder eine Datentabelle anlegen. Sie können gleich sich aufschreiben, ok das ist der Bernd, das ist der Franz Fahrinsland. Sie können auch gleich zuordnen die Daten. Was gehört zum Franz Fahrinsland. Gleich dahin schreiben "der hat die Kurve geschnitten" und beim Bernd Bleifuß "der war nicht ganz rechts" also das gleich so ein bischen optisch auch zuordnen. Gut! Bitte keine Sachverhaltsquetsche. Sie müssen Unbefangenheit bewahren. Also nicht so nach dem Motto "ich weiß da ein Problem, das muss es wohl sein"  Wenn sie selbst schon mal einen Unfall gehabt haben, sind sie immer versucht ihre eigenen Erfahrungen, die sie da hatten, mit zu verarbeiten. Nein, versuchen sie das wirklich nicht, sondern bleiben sie unbefangen. Auch ich sehe das bei Studenten die kurz vor der Prüfung auf den Stufen des Vorlesungssaales sitzen und die letzten Fälle noch mal durchgehen. Und dann gehen sie in die Klausur und lesen dort einen Fall. Und was lösen sie dann dort? Ja, nicht den Fall den ich ihnen gegeben habe, sondern den , den sie als letztes auf den Stufen noch schnell gelesen haben. Ganz gefährlich. Also, Unbefangenheit bewahren. Was ist dort wirklich passiert? Was ist hier gefragt? Wir haben dann ein so genanntes juristisches Regel-Ausnahme-Denken. Das müssen sie kennen. Das deutsche Rechtssystem stellt in seinen Rechtstexten zunächst nur Grundregeln auf, die Ausnahmen bestätigen letztlich die Regel, dass ist das so genannte Regel-Ausnahme-Denken. Das ist wie bei uns auf der deutschen Autobahn. Wir haben in Deutschland ja noch diese Regel, dass man unbegrenzt schnell fahren kann. Wenn dort also ein Schild steht mit "100", dann bestätigt diese "100", diese Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h, eine Ausnahme von der Regel das sie sonst schneller als 100 fahren können. Das ist nur ein Beispiel, was sie  zum Beispiel im Straßenverkehr gut nachvollziehen können. In anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, wo sie per se nur 130 fahren können, da steht dann eben ein Ausnahmeschild "80". Dann kann man dann also ausnahmsweise nur 80 fahren. Aber man muss nicht hinschreiben 130 oder so, weil das die Regel und die Ausnahme ist 80. Ja das ist ein bisschen kompliziert, aber sie werden das noch merken, dass Regel-Ausnahme-Ding kommt immer wieder. Das heißt, wenn sie einen Sachverhalt nehmen, dann gehen sie immer von der Regel aus und nicht von irgendwelchen ganz komischen sachverhalts Wirrungen oder so. Nein Sie gehen immer von der Regel aus. So ist das normalerweise. Mit diesen "grundsätzlich" geltenden Regeln versuchen dann nämlich die Juristen die Vielzahl der in der Wirklichkeit auftretenden Sachverhalte zu erfassen. Also sie machen erstmal die Regeln, grundsätzlich ist das immer so und dann gibt es ein paar Ausnahmen. Schwierig, aber das werden Sie schon noch kennenlernen. Wollte man nämlich jeden Fall regeln, also dieses Regel-Ausnahme Denken ist ganz wichtig. Wollte man jeden Fall und jede Ausnahme regeln, dann wäre das geschriebene Recht völlig unübersichtlich. Das hat man manchmal bei diesem Fallrecht in anderen Ländern "case law". Das es natürlich ganz viele Fälle sind, aber auch diese Fälle, dass muss man auch sehen, dieses "case law" hat auch nur die wichtigsten Fälle, in denen auch so Regeln enthalten sind. Also wir haben immer die Regeln aufgeschrieben und wenn ihr Fall jetzt ein bischen anders liegt und sie jetzt eine Ausnahme sind, dann müssen das abgrenzen und sagen. Warum sie anders zu behandeln sind als im Regelfall. Ich verrate ihnen gleich, also in den Klausren und in den Prüfungen sind es meistens Regelfälle, weil das sollten sie ja als erstes lernen und dann später in der Praxis merken sie ok es gibt manchmal ganz anders geartete Fälle, aber wenn man nur mit Ausnahmen bei der Klausur arbeiten würde, dann würde das die Regeln verwischen. Also jeden Sachverhalt noch mal anschauen und sagen, ist das so ganz normal wie das im Regelfall ist, oder ist das hier eine Ausnahme. Das heißt: Weist ein Sachverhalt jedoch Besonderheiten auf, so muss der Jurist entscheiden und sie als Bearbeiter dann eventuell auch, ob und wie dieser Ausnahmefall noch von dem jeweiligen Rechtssatz erfasst wird, also von den Vorschriften und ob sie das vielleicht hier ganz anders behandeln wollen. Ich verrate ihnen gleich, also in den Klausren und in den Prüfungen sind es meistens Regelfälle, weil das sollten sie ja als erstes lernen und dann später in der Praxis merken sie ok es gibt manchmal ganz anders geartete Fälle, aber wenn man nur mit Ausnahmen bei der Klausur arbeiten würde, dann würde das die Regeln verwischen. Ich will erstmal, dass sie die Regeln können. Aber ganz wichtig: Um keine falsche Antwort zu geben, muss der Jurist daher einer allgemein gehaltenen Antwort meistens mit einem "grundsätzlich" beginnen oder hinzufügen. Also man kann nicht sagen es ist immer so, denn sie wissen nicht ob nicht gerade ein Ausnahmefall vorliegt. Deswegen sagen sagen die Juristen immer so gerne "grundsätzlich wäre es so, auf deutschen Autobahnen dürfen sie so schnell fahren wie sie wollen. Aber hier könnte eine Ausnahme sein, vorher war ein 100-Schild" Gut, dazu noch ein Satz. Denn es gibt kein Ja oder Nein. Genau! Erst wenn die genaueren Umstände des Sachverhalts ihnen bekannt sind, dann können sie entscheiden, ob nicht gerade in diesem Fall ein Ausnahmefall von der Regel vorliegt oder nicht. Dementsprechend kann man bei der juristischen Fall-Lösung nur in den allerseltensten Fallen sofort sagen "Ja" der Bernd hat hier Schuld, der hat die Kurve einfach zu schnell angefahren. Der ist nicht genug rechts gefahren, der kriegt hier kein Geld der Autofahrer. Oder "Ja" der Franz ist Schuld, der hat die Kurve geschnitten. Das kann man nicht so sagen. Wer natürlich eine Kurve schneidet, der hat grundsätzlich einen Fahrverstoß begangen. Der hat nämlich gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen. Also da kann man nicht immer gleich sagen: "du hast gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen, du musst die kompletten 2000 Euro zahlen", denn es kommt hier auch noch darauf an, dass man mal genau schaut, was hat denn die andere Seite gemacht. Der ist ja auch nicht ganz rechts gefahren, unserer Bernd. Also nicht mit "Ja" oder "Nein" sofort antworten. Erforderlich ist immer ein genaueres Hinterfragen des Sachverhalts und seiner Details. Ob sie es glauben oder nicht, ich war mal in einer mündlichen Prüfung, einer juristischen mündlichen Prüfung, saß ich nur als Zuschauer hinten drinnen. Also erstmal schon Verweilen bei dem Sachverhalt, den richtig herausarbeiten mit Datentabelle und mit Lösungsskizze.Da hat er gesagt: "Sie arbeiten nicht juristisch, Sie müssten sagen, grundsätzlich wäre es in diesem Fall so, wer eine Kurve schneidet, der begeht einen Fahrverstoß und dort kann es tatsächlich sein, dass wir hier ein Hauptverschulden haben aber wir müssen das Mitverschulden auch noch beachten. Also, die ist tatsächlich durchgefallen diese Kandidatin. Das tat mir auch sehr leid, aber sie hat dieses juristische "Ja" oder "Nein" völlig falsch verstanden. Sie müssen immer mit "grundsätzlich Ja" oder "grundsätzlich Nein" antworten. Das geht gerade noch. Aber sie müssen dann hinterfragen, wie ist denn der Sachverhalt, wie sind die Details. Und damit waren wir schon bei einem Wort, das ich gerade gesagt hatte: "Das-kommt-immer-darauf-an". Diese Frage-Antwort-Rechnik der Juristen beginnt immer mit einer "Das-kommt-darauf-an"-Antwort. Tja worauf kommt es an? Naja, die Kunst der juristischen Arbeitsweise ist herauszufinden, worauf es bei der Lösung des konkreten Falles aus juristischer Sicht ankommt. Das heißt: Um die gesetzlichen Vorschriften also richtig anzuwenden muss man sie natürlich kennen und muss man sie finden und diese juristischen Kenntnisse werden sie sich auch aneignen in meinen ganzen Videos hier. Aber sie müssen auch immer aufpassen den Sachverhalt erst zu erarbeiten und gucken was ist denn dort wirklich geregelt und was ist denn dort wirklich passiert und dann gucken sie in die Vorschriften rein und sagen, was ist nach den Vorschriften wichtig. Also erstmal schon Verweilen bei dem Sachverhalt, den richtig herausarbeiten mit Datentabelle und mit Lösungsskizze.

Gut, weiter geht es im nächsten Video. Grundlagen des Rechts 1.4.2. Wie geht man denn systematisch bei der Fall-Lösungs-Technik vor, im zweiten Teil nämlich bei der Fragestellung. Was muss man bei der Fragestellung beachten? Aber nun erstmal herzlichen Dank beim Durchstemmen dieses Videos.

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1 Kommentar
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    Sehr geehrter Herr Professor Richter,
    muss es nicht statt Gutachterstil "Gutachtenstil" heißen? Zumindest habe ich das in anderen Büchern so gelesen...
    Ansonsten finde ich Ihre Vorlesung zu dem Thema einfach SUPER und sehr hilfreich für den Start ins Studium!
    Vielen Dank dafür.
    Viele Grüße
    Caroline

    Von Murks, vor etwa einem Jahr
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