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Transkript Potenzen – Anwendung Melodien (1)

Hallo! Wie viele Melodien gibt es? Das ist wieder ein Fall für die wissenschaftliche Schreibweise. Es gibt ziemlich viele Melodien, und um das mal ein bisschen klären zu können, muss man sich erst einmal überlegen: Was ist eigentlich eine Melodie bzw. ab wann beginnt eine Melodie? Noch genauer gesagt, ab wie vielen Tönen? Und da hat es tatsächlich ein Gerichtsurteil gegeben. Es ist gerichtlich entschieden also, ab wann eine Melodie, ab wie vielen Tönen etwas eine Melodie ist bzw. ab wann diese Melodie urheberrechtlich geschützt ist. Da möchte ich noch was zu erklären. Den einen oder anderen wird es vielleicht wundern, dass Gerichte darüber entscheiden, wie lang Melodien sind und ab wann sie urheberrechtlich geschützt sind. Aber das ist auch gar nicht so ungewöhnlich, denn wenn man eine Melodie schreibt oder ein Stück schreibt, dann hat man ja daran die Urheberrechte. Das bedeutet, wenn man, wenn jemand anderes damit Geld machen möchte, dann muss er was dem Autor abgeben. Also der, der das Stück erfunden hat, oder dem Komponisten - wie auch immer man das jetzt nennen will, ist egal -, dem muss man was abgeben von dem, was man damit verdient. Und man muss auch, wenn man es jetzt nachspielt, sagen, von wem das ist. Man darf nicht behaupten, man hätte es selber erfunden usw. Das ist also, grob gesagt, das Urheberrecht. Und es hat den Fall gegeben, dass etwas aus einem Stück, was schon bekannt war, in einem anderen aufgetaucht ist. Und da hat der, der das erste Stück hatte, dagegen geklagt. Und es ging um das Stück "Take me to the Matador". Ich weiß nicht mehr, wer das gemacht hat, irgendwas in den 80er Jahren war das. Und es ging um diesen Teil: "...". Das waren 8 Töne. Das geht dann so weiter: "...". So ungefähr. Aber es ging nur um diesen Teil hier: "...". Text war: "Dedipdipdip". Und das ist in einem anderen Stück also aufgetaucht und da hat dieser Komponist von "Take me to the Matador" also gesagt: "Das ist meins. Das darf man so nicht verwenden, zumindest nicht ohne meine Einwilligung. Ich möchte was von dem Gewinn abhaben."  Das Gericht hat ihm recht gegeben und hat damit auch gleich entschieden: Eine Melodie beginnt ab 8 Tönen. Sie muss mindestens 8 Töne haben. Wie dicht diese Formulierung ist, möchte ich mal an einem anderen Beispiel noch zeigen. Und zwar an der Melodie von "Jesus Christ Superstar" aus dem gleichnamigen Musical. Die ist nämlich so, also die ersten 6 Töne sind die: "..." Und das hat auch Andrew Lloyd Webber zugegeben, das haben schon andere gemacht, das hat er jetzt quasi nicht selber erfunden. Das ist auch keine Schande, waren ja auch nur 6 Töne. Aber was er gemacht hat, war neu: Der 7. Ton war nämlich neu. Der war nämlich so: "...", und dann ging es da weiter: "...". Also noch mal die Melodie als Ganzes: "...". Ich hoffe, ich kriege jetzt nicht Probleme, weil ich sie nachgespielt habe. Sie ist von Andrew Lloyd Webber und nicht von mir. Interessant hierbei war ... Die ersten 6 Töne, das war bekannt, das ist kein Problem, aber der 7. Ton, also dieses hier: "...", das waren die eigentlichen 4 Töne, die danach kamen, die jetzt Andrew Lloyd Webber erfunden hat - und damit, ja, einen Welthit hatte. Eine sehr bekannte Musicalmelodie ist das. Und da das nun so ist, könnte man sich ja fragen: Ich geh einfach mal ein paar Möglichkeiten durch, und wenn ich Glück hab, finde ich so eine Melodie wie Andrew Lloyd Webber und dann hab ich einen Welthit. Wie viele Möglichkeiten gibt es also, solche Töne aneinanderzureihen? Wenn es nicht so viele gäbe, könnte man das ja einfach mal ausprobieren und so lange Töne aneinanderreihen, bis ein Welthit rauskommt. Wie man das genau ausrechnet, zeige ich im nächsten Teil. Bis dahin. Viel Spaß. Tschüss!

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