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Transkript Indirekte Fragesätze

Salve! Heute besuchen wir den Redner Cicero vor Gericht. Hör zu, wie er seinen Gegner Catilina in die Enge treibt: Rogo, quid heri feceris. Ich frage, was du gestern gemacht hast. Catilina schweigt. Scire volo, utrum dormiveris an coniurationem feceris. Ich will wissen, ob du geschlafen oder eine Verschwörung gemacht hast.

Indirekte Fragesätze

Dic mihi, num coniuratus sis. Sag mir, ob du ein Verschwörer bist. Fällt dir auf, was diese Sätze gemeinsam haben? Sie enthalten Fragesätze. Die Fragen werden aber nicht direkt gestellt. Es sind indirekte Fragesätze. In diesem Video lernst Du,welche Merkmale indirekte Fragen** haben, welche Arten indirekter Fragen es gibt und was du bei den Zeitverhältnissen beachten musst. Los geht’s!

Stell dir vor, Cicero hat ursprünglich diese Frage gestellt: Quid heri fecisti? Was hast du gestern gemacht? Als Catilina schweigt, wiederholt er seine Frage: Rogo, quid heri feceris. Die ursprüngliche Frage wurde von rogo abhängig gemacht. Das ist der übergeordneten Hauptsatz. Die Frage ist zu einem Nebensatz geworden.

Indikativ und Konjunktiv

Der übergeordnete Satz rogo steht im Indikativ. Die indirekte Frage steht im Konjunktiv. Wir übersetzen: Ich frage, was du gestern gemacht hast. Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an: Cicero Catilinam interrogat, cur taceat. Cicero fragt Catilina, warum er schweige. Hier müssen wir mit Konjunktiv übersetzen. Aber woher weiß ich, ob ich im Indikativ oder Konjunktiv übersetze? Ganz einfach - merke dir diese Regel:

Gibt jemand in der wörtlichen Rede seine Frage wieder, kannst du alles mit Indikativ übersetzen. Gibt jemand die Frage oder Handlung eines anderen wieder, musst du mit Konjunktiv übersetzen. Alles klar? Ich zeige dir jetzt Verben, von denen indirekte Fragen abhängen können:

Verben für indirekte Fragen

Das sind erstens Verben des Fragens, zum Beispiel rogare und quaerere; Verben des Sagens wie dicere und narrare; Verben des Wissens wie scire und cognoscere und schließlich Verben der Wahrnehmung, zum Beispiel videre und audire. Schauen wir uns jetzt noch an, welche unterschiedlichen Arten von indirekten Fragen es gibt.

3 Arten indirekter Fragen

Wir unterscheiden drei Arten: Wortfragen, Doppelfragen und Satzfragen. Alle hast du im Verhör Catilinas schon mal gehört. Schauen wir uns das noch einmal an: Der erste Beispielsatz enthält eine Wortfrage. In diesem Beispiel erkennst du sie am Interrogativpronomen 'quid'. Wortfragen beginnen immer mit einem Fragewort:

quis, quid - wer oder was
quomodo - wie
cur - warum oder
ubi - wo.

Die Wortfrage

Bei einer Wortfrage erwartet der Sprecher einen Aussagesatz als Antwort, der ein bestimmtes Wort enthält. Catilina könnte hier antworten: "Coniurationem feci" - Ich habe eine Verschwörung gemacht. Der zweite Beispielsatz lautete enthält eine Doppelfrage. Du erkennst sie an den Fragepartikeln utrum...an. Der Sprecher gibt zwei Antwortmöglichkeiten vor.

Die Doppelfrage im Lateinischen

Catilina könnte also antworten: Dormivi. - Ich habe geschlafen. Oder: Coniurationem feci. - Ich habe eine Verschwörung gemacht. Schauen wir uns noch den dritten Beispielsatz an. Er enthält eine Satzfrage. Du erkennst sie an der Fragepartikel num. Fragepartikeln sind meistens num oder -ne. Satzfragen kann man mit 'ja' oder 'nein' beantworten.

Die Satzfrage

Auf Ciceros Frage könnte Catilina antworten: Ita est. - Ja, ich bin ein Verschwörer. Kommen wir zum letzten Punkt: die Zeitverhältnisse oder auf lateinisch - consecutio temporum. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an: Rogo, cur taceas. Rogo steht im Indikativ Präsens.Taceas ist das Prädikat der indirekten Frage und steht im Konjunktiv Präsens. Beide Handlungen finden gleichzeitig statt. Wir übersetzen also: Ich frage, warum du schweigst.

Steht allerdings im Nebensatz ein Konjunktiv Perfekt, wie hier: Rogo, cur tacueris, ist der Nebensatz vorzeitig. Wir müssen dann sagen: Ich frage, warum du geschwiegen hast. Doch das übergeordnete Prädikat steht nicht immer im Präsens. Ein Beispiel:Rogavi, cur taceres. Rogavi ist Indikativ Perfekt, also: ich habe gefragt.

Damit beide Sätze gleichzeitig bleiben, muss die indirekte Frage im Konjunktiv Imperfekt stehen: taceres. Der Satz lautet also: Ich fragte, warum du schweigst - oder: warum du schwiegst. Heißt es aber rogavi, cur tacuisses, steht die indirekte Frage im Konjunktiv Plusquamperfekt. Sie ist jetzt vorzeitig. Wir übersetzen: Ich fragte, warum du geschwiegen hattest.

Zusammenfassung zu indirekten Fragesätzen

Ich fasse nochmal für dich zusammen. Steht im übergeordneten Satz ein Haupttempus, also Präsens oder Futur, brauchen wir in der indirekten Frage den Konjunktiv Präsens, um auszudrücken, dass sie gleichzeitig ist und den Konjunktiv Perfekt, damit sie vorzeitig ist.

Steht der übergeordnete Satz in einem Nebentempus, also in der Vergangenheit, ist eine indirekte Frage im Konjunktiv Imperfekt gleichzeitig und im Konjunktiv Plusquamperfekt vorzeitig dazu. Nun haben wir’s geschafft. Heute hast du gelernt, was indirekte oder abhängige Fragen sind. Indirekte Fragen sind Nebensätze und stehen im Lateinischen immer im Konjunktiv. Sie sind abhängig von einem übergeordneten Satz.

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1 Kommentar
  1. Default

    Sehr gut erklärt!

    Von Dennis W., vor 9 Monaten