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Transkript Gerundivum als Attribut

Salvete, cari discipuli! Hier ist euer Lateintutor Radetzky. Das Thema lauet heute: Das Gerundivum 3 in seiner attributiven Verwendung. Viel Spaß! Folgendes Vorwissen brauchst du: Du solltest auf sofatutor.com schon die zwei vorherigen Filme zum Gerundivum gesehen haben. Du solltest gut Bescheid wissen über die sogenannte KNG Kongruenz. Und du solltest in der deutschen Lexik, also im deutschen Wortgebrauch, sehr gut mit Adjektiven umgehen können. Im einem Vorkurs erklären wir hier noch einmal einige grundsätzliche Aspekte zum Gerundivum. Das Gerundivum ist wie die Participia ein Verbaladjektiv. Als Verbalform ist es passivisch und kann durch Adverbia erweitert werden. Als adjektivische Nominalform bezieht es sich immer auf ein Substantiv oder Pronomen und richtet sich nach diesem im Kasus, Numerus und Genus, nach der sogenannten KNG Kongruenz. Syntaktisch wird es meisenst prädikativ - wie die Participia - gebraucht. Manchmal aber auch direkt und einfach attributiv. Dazwischen gibt es dann noch die sogenannte Gerundivkonstruktion, ein besonders schwerer Fall, mit dem wir uns in zwei Extrafilmen beschäftigen werden. Das Thema ist heute das attributive Gerundiv, und es geht gleich los. Während die ebenfalls passivischen Participia Perfect eine vergangene Handlung ausdrücken und immer prädikativ zu verstehen sind, drücken die Gerundiva ein zukünftiges Geschehen, meistens mit dem Nebensinn der Notwendigkeit aus. Sie werden durch den Infinitiv mit zu, durch ein Adjektiv, mit müssen sollen, - verneint / dürfen nicht und ganz selten mit können übersetzt. Dazu kommen wir noch. Diese  Übersetzungsmöglichkeiten gelten gerade auch für das attributive Gerundivum. Wir haben als Beispiel für das Gerundivum in einfacher attributiver Stellung - liber legendus. Das können wir auf die oben genannten, drei Weisen übersetzen: 1. Als ein deutsches Partizip Präsens mit zu - ein zu lesendes Buch. 2. Unter der Verwendung von müssen sollen in einem Relativsatz. Ein Buch, das gelesen werden sollte. 3. Mit einem passenden deutschen Adjektiv - ein lesenswertes Buch. Solche lateinischen Zweiwortkombinationen aus Substantiv und attributivem Gerundiv übersetzen wir im Deutschen gerne und elegant adjektivisch mit den Suffixen -wert, -lich, -würdig und ähnlichem. Homo laudandus - ein lobenswerter, ein lobenswürdiger, ein löblicher Mensch. Selbstverständlich bleiben dir auch die anderen Möglichkeiten zum Übersetzen: Ein zu lobender Mensch, ein Mensch, der gelobt werden sollte. Bellum miserandum - ein zu beklagender, ein beklagenswerter Krieg. Dolor non ferendus - (hatten wir schon einmal in einem vorgängigen Film) - ein nicht zu ertragender, ein unerträglicher Schmerz. An diesen Beispielen kann man einen weiteren, selten gebrauchten Nebensinn des Gerundivums erkennen, denn die deutsche Übersetzung mit "müssen oder sollen" trifft hier nicht den Kern der Bedeutung des Lateinischen. Am besten passt im Deutschen: Ein Schmerz, der nicht ertragen werden kann. Die Nebensinnvielfalt des Gerundivums lässt uns im Deutschen nichts anderes übrig, als manchmal auch den Nebensinn der Möglichkeit zu wählen. Aber lasst uns mit Beispielen fortfahren: Homines amandi, das sind liebenswerte oder liebenswürdige Menschen. Aedificia visenda - jetzt darfst du einmal selbständig übersetzen. Drücke auf die Pausentaste und überlege - viel Glück! Du müsstest so etwas gefunden haben wie - sehenswerte Gebäude. Domus renovandae - achte darauf, dass das "u" bei domus lang ist. Denke dir einmal verschiedene Übersetzungen aus. Drücke die Pausentaste und überlege! Unter anderem wäre eine mögliche Übersetzung: Häuser, die zu renovieren sind, renovierungswerte, renovierungsbedürftige Häuser. Der Nebensinn ist hier wirklich zweifelhaft. Lasst uns eine sehr wörtliche Übersetzung versuchen. Dann könnte da stehen - zur Renovierung vorzusehende Häuser. Wir hätten damit auch noch den futurischen Sinn getroffen. Im lateinischen Ausdruck domus renovandae stecken im Grunde mehrere Nebensinne: Der Nebensinn der Notwendigkeit, der Möglichkeit schließlich auch der Pflicht. Denn man müsste, könnte und sollte - verpflichtend in der Zukunft - die Häuser für die Renovierung vorsehen. Caesar benutzte fleißig Gerundivausdrücke, die attributiv zu stehen scheinen: In consiliis capiendis, ad haec cognoscenda, navium parandum causa, difficultas belli gerendi, animus ad bella suscupienda promptus und  und viele, viele, viele, andere. Aber beim Versuch, diese zu übersetzen, wirst du merken, dass das nicht so einfach geht, wie wir das eben dargestellt haben. Es handelt sich hier nämlich um die sogenannte Gerundivkonstruktion. Um diese angemessen übersetzen zu können, siehst du dir am besten den vierten Film zum Gerundivum auf sofatutor.com an. Und hiermit wollen wir diesen Kurs beenden. Gelernt hast du heute vor allem die adjektivische Übersetzung einiger lateinscher Ausdrücke mit attributivem Gerundivum. Dazu nutzt du am besten deutsche Adjektive mit den Endungen -wert, -würdig, -lich und ähnlichen. Den immer auch futurischen Nebensinn des Gerundivums der Notwendigkeit, der Möglichkeit und der Pflicht haben wir uns verdeutlicht.  Die KNG Kongruenz von Substantiven und Pronomen waren heute wichtig. In der attributiven Stellung sowieso, aber auch in der prädikativen Stellung steht das Gerundivum immer in KNG Kongruenz zu einem Nomen. Das letztere war aber kein Beispiel, das kommt später. Heute ging es um einfache, attributive Beispiele des Gerundivums. Fortsetzen kannst du deine Begegnungen mit dem Gerundivum mit mehreren Filmen auf sofatutor.com. Als nächstes Video empfiehlt sich zu diesem Thema: Gerundivum, der vierte Teil, die sogenannte Gerundivkonstruktion. An dieser Stelle bleibt mir aber nichts anderes, als euch auf Wiedersehen zu sagen. Valete et gaudete! Euer Lateintutor Radetzky.    

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1 Kommentar
  1. Koala

    Erster

    Von Ajenth S., vor mehr als einem Jahr