Advent, Advent, 1 Monat weihnachtliche Laufzeit geschenkt.

Nicht bis zur Bescherung warten, Aktion nur gültig bis zum 18.12.2016!

Textversion des Videos

Transkript Adjektive und ihre Funktionen

Salve! Marcus verbringt seine Ferien bei seinem Großvater in Rom. Gerade schreibt er einen Brief an seinen Freund Lucius: Salve Luci! Heri colosseum antiquum petivi. Ego laetus certamina vidi. Gladiatores saepe crudeles sunt. Firmi solum certamina vincunt. Sei gegrüßt Lucius!

Gestern habe das alte Kolosseum aufgesucht. Ich habe fröhlich die Wettkämpfe betrachtet. Die Gladiatoren sind oft grausam. Nur die Starken gewinnen die Kämpfe. Marcus verwendet zahlreiche Adjektive, um das Gesehene zu beschreiben: antiquum, laetus, crudeles und firmi. Adjektive können in verschiedener Funktion verwendet werden. Damit werden wir uns in diesem Video beschäftigen.

Videoüberblick

Zunächst zeige ich dir die Verwendung als Attribut. Danach erkläre ich dir, wie das Adjektiv ein Prädikativum sein kann. Wir schauen uns die Verwendung als Prädikatsnomen genauer an. Als letztes besprechen wir die Substantivierung. Anschließend üben wir das Gelernte. Schauen wir uns zuerst die Verwendung als Attribut genauer an. Marcus schreibt:

Die Verwendung als Attribut

Heri colosseum antiquum petivi. Gestern habe ich das alte Kolosseum aufgesucht. Antiquum hat seine Endung an colosseum angepasst. Das ist sein Bezugswort. Beide sind KNG-kongruent, stimmen also in Kasus, Numerus und Genus überein. Antiquum wird als Attribut verwendet.

Das Prädikativum

Attributive Adjektive erläutern ihr Bezugswort näher. Sie beschreiben seine Eigenschaften genauer. Sie sind nicht notwendig, damit ein Satz vollständig ist. Man kann sie also weglassen. Prädikativum. Markus meinte: Ego laetus certamina vidi. Auch hier hat sich das Adjektiv laetus an ein Bezugswort angepasst: ego. Es ist mit ihm KNG-kongruent.

Die Übersetzung allerdings unterscheidet sich: Ich habe fröhlich die Wettkämpfe betrachtet. Laetus hängt also auch mit dem Prädikat vidi zusammen. Wir können auch sagen: ich habe als Fröhlicher die Wettkämpfe betrachtet. Marcus ist also nicht immer fröhlich, sondern nur während er den Wettkampf betrachtet hat.

Das prädikative Adjektiv

Wir können also sagen: das prädikative Adjektiv gibt eine zusätzliche Information über das Bezugswort. Es gilt aber nur für die Dauer der Verbalhandlung, also der Handlung, die das Prädikat beschreibt. Es kann weggelassen werden. Es gibt bestimmte Adjektive, die häufig prädikativ verwendet werden. Das sind solche, die einen seelischen oder körperliche Zustand beschreiben: zum Beispiel laetus - glücklich, iratus - zornig, salvus - gesund oder vivus - lebendig.

Daneben gibt es auch solche, die eine Reihenfolge, eine Zahl oder einen Ort beschreiben: primus - als erster, solus - allein, rarus - in geringer Zahl oder summus auf der Spitze. Untersuchen wir jetzt, wie es mit der Verwendung als Prädikatsnomen aussieht.

Das Bezugswort

Marcus erzählte weiter: Gladiatores saepe firmi sunt. Die Gladiatoren sind oft stark. Auch hier ist das Adjektiv firmi wieder KNG-kongruent zu seinem Bezugswort gladiatores, wie du an den Endungen erkennst. Allerdings gehört es auch zu sunt und bildet mit ihm zusammen das Prädikat. Wenn wir es weglassen, haben wir keinen vollständigen Satz mehr: Gladiatores saepe sunt würde heißen: die Gladiatoren sind oft. Das macht keinen Sinn.

Wir können also festhalten: Ein Adjektiv als Prädikatsnomen erläutert das Bezugswort genauer. Es bildet zusammen mit dem Hilfverb esse das Prädikat. Und - wie du gesehen hast - kann es nicht weggelassen werden. Schauen wir uns noch die Verwendung als Substantiv genauer an. Im letzten Satz aus Marcus’ Brief hieß es:

Die Verwendung des Substantives

Firmi solum certamina vincunt. Nur die Starken gewinnen die Kämpfe. Hier steht das Adjektiv “firmi” allein und hat kein Bezugswort. Es wird wie ein Substantiv übersetzt: “die Starken”. Ein substantiviertes Adjektiv bezieht sich auf bereits genannte Personen oder Dinge, wie hier die Gladiatoren. Ein solches Adjektiv kann aber nicht weggelassen werden, wenn es das Subjekt des Satzes bildet.

Machen wir jetzt noch eine Übung. Dazu lesen wir weiter in Marcus’ Brief: Bestiae terribiles erant. Gladiator iratus cum bestia pugnavit. Leonem ferum vicit. Die wilden Tiere waren schrecklich. Ein Gladiator kämpfte zornig mit einem Tier. Er besiegte den wilden Löwen. In diesen Sätzen kommen wieder drei Adjektive vor: terribiles, iratus und ferum.

Prädikatsnomen und Prädikativum

Kannst du sagen, wie sie verwendet werden? Richtig, terribiles ist kongruent mit bestiae und beschreibt es genauer. Allerdings steht im Satz “erant”, eine Form von esse. Es bildet mit terribiles zusammen das Prädikat, ist also ein Prädikatsnomen. Im zweiten Satz bezieht sich iratus auf Gladiator und liefert eine zusätzliche Information: der Gladiator war nur so lang zornig, wie er kämpfte. Iratus ist also ein Prädikativum.

Auch im dritten Satz ist das Adjektiv kongruent mit seinem Bezugswort Leonem. Es erläutert seine Eigenschaften genauer: er ist wild. “Ferum” ist also ein Attribut. Da hat Marcus aber etwas Spannendes erlebt. Gerade hat er seinen Brief beendet. Auch ich sage dir: Vale und Lebewohl!

Informationen zum Video
3 Kommentare
  1. Who is who 3

    Lieber Daniel,
    die Frage nach der richigen Aussprache des Lateinischen ist ein sehr kompliziertes Thema, das in den verschiedenen Bereichen (Schule, Kirche, Wissenschaft) und Regionen unterschiedlich behandelt wird.
    Im Lateinunterricht in Deutschland werden die Diphthonge (z.B. ae, oe) oft als ein Laut ausgesprochen (ä, ö). So haben die alten Römer aber nicht gesprochen, weshalb wir in unseren Videos versuchen, die Aussprache der Literaten nachzuvollziehen. Normalerweise muss also der Doppellaut "ae" getrennt ausgesprochen werden: "a-e" (das klingt ein wenig wie "ei").
    Du wirst feststellen, dass die Aussprache von Lehrer zu Lehrer bzw. von Tutor zu Tutor unterschiedlich behandelt wird.
    Liebe Grüße aus der Latein-Redaktion

    Von Carolin Wallura, vor etwa einem Jahr
  2. Default

    Frage zur Aussprache:
    Im Viedo sagst du zu laetus "leitus". Ist das korrekt?
    Ich habe immer gedacht das ae wie ä ausgesprochen werden würde. Es also "lätus" gesprochen wird.
    Kann mir jemand die Frage beantworten?

    Von Daniel Stelmach, vor etwa einem Jahr
  3. Default

    Gut gemacht worden, habe alles sehr gut verstanden.

    Von Nikolajm2002, vor fast 2 Jahren