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Transkript Ablativus qualitatis – Ablativ der Beschaffenheit

Der Ablativ der Beschaffenheit - Ablativus qualitatis

Salve! Kennst du Atticus? Nein? Dann will ich ihn dir vorstellen.

Es heißt: Atticus, amicus Ciceronis, magno ingenio fuit. Cicero, vir summa eloquentia, eum saepe laudavit.
Atticus, ein Freund Ciceros, war von großer Begabung. Cicero, ein Mann von großer Beredsamkeit, lobte ihn oft. Aha!

Die beiden Sätze enthalten zwei besondere Formen: magno ingenio und summa eloquentia. Beides sind Ablative. Sie beschreiben die Eigenschaften des Atticus und Cicero genauer, also ihre Qualitäten. Man nennt diesen Ablativ deshalb Ablativus qualitatis, den Ablativ der Beschaffenheit. Mit diesem Ablativ wollen wir uns heute beschäftigen. Zunächst erkläre ich dir seine Funktion / seine Übersetzung und zeige dir Beispiele. Danach vergleichen wir den Ablativus Qualitatis mit dem Genitivus Qualitatis. Dann betrachten wir zur Übung noch weitere Beispielsätze. Und schließlich fassen wir den Inhalt kurz zusammen.

Schauen wir uns die Beispielsätze noch einmal an.

Wir haben gesagt: “Atticus, ein Freund Ciceros, war.” Nun interessiert uns: wie war er? Oder: von welcher Art war er? Darauf antwortet magno ingenio: Atticus war von großer Begabung. Wir können auch sagen: Atticus besaß große Begabung. Order einfacher: Atticus war sehr begabt.

Probieren wir das gleiche beim zweiten Satz: Cicero lobte ihn oft. Nach “summa eloquentia” fragen wir: ein Mann von welcher Art? - und bekommen: Cicero, ein Mann von großer Beredsamkeit, lobte ihn oft. Oder: Cicero, ein sehr beredter Mann.

Wenn wir uns nur die lateinischen Sätze anschauen, erkennen wir folgendes: beide Ablative haben ein Adjektiv bei sich, das das Maß angibt oder die Eigenschaft genauer beschreibt. Es hat also die Funktion eines Attributs. Im ersten Satz steht der Ablativ der Beschaffenheit mit fuit, einer Form von esse. Er hat also die Funktion eines Prädikationsnomens und bildet mit esse das Prädikat. Im zweiten Satz bezieht sich summa eloquentia auf ”vir” und erläutert es genauer. Es steht allein und hat die Funktion eines Attributs.

Lass uns nun ein Beispiel zur Übung anschauen. Cicero lobt weiter seinen Freund: Atticus non solum maxima auctoritate, sed etiam summa prudentia fuit.

In diesem Satz kommt Ablativus qualitatis gleich zwei Mal vor: “maxima auctoritate“ und „summa prudentia“ Wir fragen: wie oder von welcher Art war Atticus? Atticus war nicht nur von größtem Einfluss, sondern auch von höchster Klugheit. Das klingt aber ziemlich sperrig. Versuchen wir es etwas freier: Atticus hatte nicht nur größten Einfluss, sondern besaß auch höchste Klugheit. Oder: Atticus war nicht nur sehr einflussreich, sondern auch äußerst klug.

Ich möchte dir nun noch eine Besonderheit zeigen. Die Eigenschaft einer Person oder Sache kann man nicht nur mit dem Ablativus qualitatis, sondern auch mit den Genitivus qualitatis ausdrücken.

Ein Beispiel: Atticus vir summa sapientia erat. – Atticus war ein Mann von höchster Weisheit. „summa sapientia“ steht im Ablativ, einem Ablativus qualitatis. Aber wir können auch sagen: Atticus vir summae sapientiae erat. „summae sapientiae” ist ein Genitiv, der Genitivus qualitatis. Beide, Ablativ und Genitiv, bezeichnen die Eigenschaft oder Beschaffenheit einer Person oder Sache. Die Übersetzung ist identisch: Atticus war ein Mann von höchster Weisheit. Oder: ein sehr weiser Mann.

Bene, jetzt hast du Attikus kennengelernt, einen Mann mit vielen guten Eigenschaften. Fassen wir zusammen: der Ablativus qualitatis beschreibt die Eigenschaft einer Person oder Sache. Wir fragen: “wie?” oder “von welcher Art ist etwas oder jemand?”. Der Ablativus qualitatis steht als Prädikatsnomen mit esse oder allein als Attribut. Er hat immer ein Adjektiv oder Pronomen bei sich. „Vir magno ingenio“ können wir übersetzen mit „ein Mann von großer Begabung“ oder “ein sehr begabter Mann”.

Das wars. Atticus und ich wünsche dir viel Erfolg und sage: Vale!

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1 Kommentar
  1. Default

    Danke dir.
    Jetzt sind mir die beiden Formen Ablativ und Genetiv der Beschaffenheit klarer geworden!

    Von Daniel Stelmach, vor etwa einem Jahr