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Transkript Style, Tone and Register – Wie analysiere ich Stil, Tonfall und Sprachebenen von Texten?

Hallo! Schau mal, diese beiden haben wirklich Stil, oder? Aber in diesem Video geht es nicht um Stil in der Mode, sondern um Stil in Texten, um Sprachstil. Ich werde dir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, den Stil eines Textes zu bestimmen.

Im Englischen sind hierfür die Begriffe “style”, “tone” und “register” besonders wichtig. Um eine gute Textanalyse schreiben zu können, solltest du diese Begriffe kennen und wissen, wie man sie anwendet.

Begriffsklärung: style, tone, register

Die sprachliche Gestaltung eines Textes verrät uns viel über den Autor, Sprecher oder Erzähler. Aber auch darüber, an wen ein Text gerichtet ist und in welchem Kontext er steht.

Die Form eines Textes hat also immer eine bestimmte Funktion. Daher solltest du bei einer Textanalyse unbedingt daran denken, nicht nur aufzuzählen, welche stilistischen Mittel du findest, sondern immer auch zu erklären, warum diese verwendet werden. Merke dir: Form follows function. Schauen wir uns doch die Begriffe mal genauer an.

Der Begriff “style” bezeichnet ganz allgemein den Stil eines Textes. Also: WIE verwendet der Autor Sprache?

Mit “tone” ist der Ton, der in einem Text angeschlagen wird, gemeint. An dem Tonfall eines Textes können wir ablesen, welche Einstellung der Autor, Sprecher oder Erzähler zum Geschriebenen oder Gesagten hat. Manchmal offenbart er uns auch, wie er dem Leser oder Hörer gegenüber eingestellt ist.

“Register” hingegen wird im Deutschen mit “Sprachebene” übersetzt. Je nachdem, an wen ein Text gerichtet ist oder in welcher Situation er geschrieben wurde, verwenden Autoren unterschiedliche Sprachebenen. Das tust auch du im Alltag. Oder würdest du diesselbe Sprache in einem Bewerbungsschreiben verwenden wie bei einem Zettelchen, dass du an deinen Banknachbarn weiterreichst?

Tone

Neben “tone” und “register” bestimmen vor allem die Wortwahl - “word choice” - und die rhetorischen Mittel - “stylistic devices” - den Stil eines Textes. Um zum Beispiel den “tone” beschreiben zu können, musst du diese Haltung herausarbeiten. Dafür solltest du einen Blick auf die Wortwahl und die verwendeten rhetorischen Mittel werfen.

Aber schauen wir uns das doch einmal genauer an. Zuerst die Analyse des “tones”: Als Beispiel ist hier ein Auszug aus der Antrittsrede John F. Kennedys: “Now the trumpet summons us again - not as a call to bear arms, though arms we need; not as a call to battle, though embattled we are [...]”

Schau dir zunächst die Wortwahl an. Sehr förmliche Ausdrücke wie “to summon” unterstreichen hier die Feierlichkeit des Anlasses.

Ist dir außerdem aufgefallen, dass hier mehrere Ausdrücke einem bestimmten Wortfeld zuzuordnen sind? “arms”, “battle” und “embattled” deuten alle auf das Wortfeld Krieg hin und unterstreichen so die kämpferische Einstellung des neuen Präsidenten.

Hier noch einige weitere Formulierungen, mit denen du die Wortwahl eines Textes beschreiben kannst:

  • to use a word/ an expression in the literal / figurative sense
  • A word implicitly means/ expresses...
  • A word alludes to sth. / is an allusion to sth.
  • to use technical terms from the field of…
  • to use neologisms/ to use outdated expressions
  • to use formal/literary/slang expressions

Soviel zur Wortwahl. Ist dir vielleicht eine rhetorische Figur in dem Textausschnitt aufgefallen? Genau. Bei den Sätzen “arms we need” und “embattled we are” ist die Satzstellung umgedreht, man nennt dieses rhetorische Mittel “inversion”. Dadurch wird ein Sprechrhythmus erzeugt, der den Worten zusätzliches Gewicht verleiht.

Und wie würdest du jetzt den “tone” des Sprechers beschreiben? Hier meine Version: “In this passage the tone of the speaker is earnest and solemn, reflecting Kennedy’s awareness of the difficulties lying ahead.”

Hier noch einige Adjektive mit denen du die Haltung eines Autors oder Sprechers und damit den “tone” eines Textes beschreiben kannst.

  • The author’s/ speaker’s/ narrator’s attitude/ the tone of a text can be...
  • detached - unbeteiligt
  • factual - sachlich
  • matter-of-fact - kühl
  • objective - objektiv
  • taking sides, biased -parteiisch
  • cynical - zynisch

Register

Machen wir weiter und sehen uns auch noch einmal die Sprachebene, “register”, genauer an.

Welche Sprachebene ein Autor oder Sprecher wählt, ist grundsätzlich abhängig davon, an wen ein Text gerichtet ist und zu welchem Zweck er verfasst wurde. Also ob es sich zum Beispiel um eine Einladung zur Geburtstagsparty oder um eine Bedienungsanleitung handelt.

Auch hier solltest du dich für die Analyse an Wortwahl und stilistischen Besonderheiten des Textes orientieren. Achte außerdem auf die Grammatik des Textes und auf die verwendete Satzstruktur. Enthält der Text sehr förmliche Strukturen, oder erkennst du vielleicht umgangssprachliche Kurzformen oder sogar Grammatikfehler?

Schauen wir uns auch hier ein Beispiel aus einer politischen Rede an. Hier spricht der fiktive Politiker Jack Stanton während einer Wahlkampagne.

“[...] Hell, everybody thinks I’ve bought the farm in this race anyway, so I got nothin’ to lose. [...] Yeah, I know what you’re thinking: He must be really desperate to wanta do that. [...] But okay. You’ve had to swallow enough garbage.”

Dir ist bestimmt aufgefallen, dass Stanton hier nicht unbedingt förmliches Englisch spricht. Er verwendet sehr umgangssprachliche Formulierungen wie “to swallow garbage” und sogar slang, wenn er sagt “bought the farm” statt “completely lost”. Auch die Grammatik und Schreibung entspricht nicht dem Standard. Zum Beispiel “wanta” und “nothin’”.

Wie können wir unsere Beobachtungen nun interpretieren? Hier mein Vorschlag: Jack Stanton deliberately employs colloquial phrases and thus chooses an informal register. It seems as if he wanted to create the impression that he is “one of the people” and that he speaks their language.

Hier noch ein paar mehr Formulierungen zur Analyse der Satzstruktur und Grammatik eines Textes:

  • The text contains numerous/ a few short and simple/ long and complex sentences
  • The words/ sentences in this text are arranged in a certain pattern
  • Two sentences are parallel to each other/ identical in structure
  • The text is structured into paragraphs

Schluss

Wie du gesehen hast, kann man also nicht nur in der Mode, sondern auch in der Sprache Stil beweisen.

Und wie in der Mode sollte man nicht nur auf eine schöne Form achten, sondern auch die Funktion im Blick haben. Denn: Form follows function!

In diesem Sinne viel Spaß beim Analysieren und bis bald!

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2 Kommentare
  1. Default

    Well done, thank you!

    Von Eemilelv, vor 12 Monaten
  2. Img 20151011 002133

    sehr gutes video! danke

    Von Juliane G., vor mehr als einem Jahr