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Transkript Zentren der deutschen Romantik

Guten Tag, liebe Lernende. Unser heutiges Lehrvideo beschäftigt sich mit dem Zentralbegriff der deutschen Literatur, Romantik. Romantik ist nun kein wirklich deutsches Phänomen, keine Bewegung, die in Deutschland begann und in Deutschland ausklang, sie ist also ganz europaweit zu betrachten. Allerdings ist die deutsche Romantik durch eine besonders intensive Auseinandersetzung auf höchstem Niveau zu kennzeichnen und das lässt sich darauf zurückführen, dass es unterschiedliche Herangehensweisen an das Leben und an die Literatur und die Kunst und alles, was damit zusammenhing, in Deutschland gab, die konfessionell gebunden waren. So haben wir eine nordostmitteldeutsche protestantische Romantik und eine südwestdeutsche katholische Romantik, wenn wir es mal so sagen wollen. Die protestantische Romantik verbindet sich mit dem Namen Jena, weil die meisten geistigen Urheber und Theoretiker - und dann natürlich auch im literarischen Sinne Praktiker - aus Jena kamen oder mit Jena zu tun hatten. Andere Zentren waren dann Berlin und Dresden, und wir haben die Heidelberger Romantik, da die zentralen Figuren der Heidelberger Romantik in und um Heidelberg angesiedelt waren oder dort ihren Lebensmittelpunkt besaßen. So, was sind nun die Kennzeichen dieser verschiedenen Romantiken? Wir haben einerseits den Intellektualismus bei den Jenaern. Intellektualismus bedeutet, dass alles, was in irgendeiner Weise Wort und Tat werden sollte, durch den Kopf, durch den Verstand, durch den Intellekt bestimmt und definiert wird und das heißt nichts anderes, als dass der Jenaer Romantiker sozusagen einem Symbol nachjagt und sich durch seine Arbeit an dieses Symbol anlehnen, orientieren möchte. Es ist die blaue Blume, wie sie also Novalis nannte, der Kaiser der Romantiker, der also dieses Symbol entwickelte als dasjenige, wonach der Romantiker ein Leben lang sehnsuchtsvoll strebt und dem er sich durch seine Tätigkeit, die ganzheitlich empfunden wird, annähern möchte. Aber, und das ist der Punkt, weswegen es auch Intellektualismus heißt: Alles strebt eben dem Ideal zu, der Vervollkommnung des Einzelnen im Gesamtkonzept des menschheitlichen Ringens - gesteuert durch den Verstand, durch die Hingabe an Gott, durch die Einergiebigkeit in Gott auch, aber in Form einer eher auf den Verstand und die Vernunft orientierten Einvernehmlichkeit. Dagegen haben wir bei den Heidelbergern das Diktum des Irrationalismus: Irrationalismus, also ein Rationalismus, der letztendlich über das Verständige hinausgreifen möchte. Irrationalismus ist nicht das Gegenteil von Rationalismus, sondern es ist das - wie soll ich sagen - das um das Rationale herum sich schälende Individuelle, das also über das Rationale hinausgreift. Da haben wir einen großen Unterschied: Intellektualismus strebt innerhalb des Individuums zum Höchsten, das Irrationale greift sich aus dem Umliegenden etwas heraus, das durch Herz und Verstand und auch Gefühl durch den Körper geht, um dann selbst wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzugehen. Also hier mehr das Gefühl und das über das Rationale hinausgehende, hier mehr das im Menschen steckende verständige Geistige. Da haben wir also den ersten Gegensatz, den wir hier formulieren können. Das Nächste heißt, dass also natürlich die Jenaer Romantiker, wenn sie also schon einem Intellektualismus frönen, dann natürlich auch im weitesten Sinne des Wortes aufklären. Es soll sich aufklaren, der Mensch soll sich seines Verstandes bedienen. Nennen wir es ruhig die Synthese aus dem Geniewesen und dem Aufklärungszeitalter. Die Jenaer Romantik ist keine Negation der Aufklärung. Im Gegenteil, sie verstehen sich als diejenigen, die jetzt den Menschen in seiner Gesamtheit entwickeln und dem höchsten Ziel als Kunst und Aesthetikon, wenn ich den Menschen mal so bezeichnen darf, sich selbst verständigen lassen wollen, ihn also so in die Welt hineinbringen, dass der Mensch also aufgeklärt ist und einen klaren Blick auf die wichtigen Dinge des Lebens bekommt. Dagegen setzen die Heidelberger die Nacht: Es geht nicht um Aufklärung, sie glauben nicht daran, dass der Mensch als solches aufgeklärt werden könne, weil ihm einfach zu viele Dinge verstellt sind. Und da haben wir natürlich einen ganz klaren Gegensatz. Das wird also dann noch in einem weiteren Aspekt deutlicher werden, ich will das jetzt hier mal so abkürzen. Also die Romantiker aus Heidelberger Fasson setzen dagegen die Nacht. Nun, wenn wir also aufklären, dann haben also die Jenaer Romantiker natürlich die Natur auch im Bewusstsein und sie begreifen die Natur als ihr natürliches Bewusstsein, das sie annehmen und mitnehmen sollen auf dem Wege zur höchsten Erkenntnis. Dagegen die Heidelberger: "Mutter Erde" und "Blut und Boden". Das sind die Dinge, die also die Heidelberger Romantiker antreiben. Der Mensch kommt aus dem Erdreich und geht in es zurück, er ist Volk aus dem Boden geworden, wird aus dem Boden geboren, lebt und geht in den Boden zurück. Und das Ganze ist ein Kreislauf des Lebens. Das ist also ein Bewusstsein, das eine andere Begrifflichkeit gegenüber der Natur aufbaut, das ist ein glatter und harter Gegensatz. Und schließlich zuletzt kommen wir zu dem Begriff der Aktivität. Der Jenaer Romantiker ist natürlich gemäß der Wissenschaftslehre Fichtes, zu der ich gleich kommen werde, aufgefordert, zu kämpfen, aktiv sich in das Leben hineinzubegeben, um diesem höchsten Ziele zu genügen und er soll sich ganzheitlich entwickeln. Der Heidelberger Romantiker dagegen begreift den Mythus als Erlebnis aus der Vergangenheit. Sie sagten wörtlich "Mythus" und nicht "Mythos", das bitte ich auch zu erkennen. Und das heißt im Klartext, dass also das Vergangene als Erlebnis in uns aufgehoben ist und uns durch unsere Vergangenheit, durch unsere Bodenhaftung, durch unsere blutsmäßige Verbundenheit mit unseren Vorfahren immer wieder ins Bewusstsein hineinkommt. Wir haben also letztendlich in unserer Aktivität nur die Aufgabe, uns dieses Mythus wieder zu vergegenwärtigen und diesem Mythus zu entsprechen. Also einen klareren Gegensatz kann man sozusagen gar nicht formulieren. Ein paar Worte zur Wissenschaftslehre, die also sich mit dem Namen Fichte verbinden lässt: Fichte behauptete oder lehrte in Jena zu dieser Zeit, das Ich sei Grund und Zweck von allem Tun. Der Grund im wahrsten Sinne des Wortes, das Tiefste, aus dem er schöpfen kann oder es schöpfen kann, das Ich schöpfen kann und das Ich sei auch gleichermaßen der Zweck von allem Handeln. Das brachte ihm natürlich den Vorwurf des Atheismus ein, weil ja Gott in diesem System dann ausgeklammert sei, so meinten die Meisten, und das führte dann auch zur Vertreibung Fichtes aus Jena. Das soll uns jetzt hier nicht weiter beschäftigen, uns interessiert die Wissenschaftslehre als solches. Das Ich ist Grund und Zweck allen schöpferischen Handelns. Um sich durchzusetzen, formulierte Fichte dann auch ein sogenanntes Antonym. Er sagte, das Ich ist auch das Nicht-Ich bzw. im Ich befindet sich das Nicht-Ich, gegen das sich das Ich durchsetzen müsse. Und dieser Durchsetzungsprozess, der laufe über die Schöpferkraft des denkenden Ichs. Das denkende Ich kann sich selbst Zwecke setzen, die es dann im Gegensatz zu den Umständen, als die wir jetzt mal das Nicht-Ich begreifen wollen, durchsetzen kann oder auch nicht. Die Freiheit des Ichs besteht darin, sich diese Zwecke selbst zu setzen, zu wissen, aus welchem Grund es kommt - das Ich - und zu welchem Zwecke es selbst in der Lage ist. Dagegen muss es sich dann durchsetzen, und dieser Prozess schafft Wissen. Das Wissen selbst schafft diese Vorstellungen in die Welt.

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