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Transkript „Wilhelm Tell“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Schiller)

Wann ist es gerechtfertigt, einen Aufstand gegen die Herrschaft anzuzetteln? Und unter welchen Umständen kann eine Revolution moralisch gut sein? Kommt eine Revolution ohne Blutvergießen aus? Diese Fragen stellte sich Friedrich Schiller.

Sie liegen seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ zugrunde. Nicht allein er war es, der sich in seiner Zeit diese Fragen stellte. Stell dir vor, die Französische Revolution lag noch nicht lange zurück. Viele hatten anfangs an sie geglaubt. Dann aber waren sie enttäuscht, wie gewalttätig sie ausgegangen war.

Schillers Grundsätze

Manche großen Köpfe der Zeit, zum Beispiel der Philosoph Immanuel Kant, wandten sich grundsätzlich gegen die Revolution. Denn Kant war der Ansicht, man müsse die Herrschenden durch Argumente davon überzeugen, etwas zu ändern. Obgleich Schiller ein Kant-Anhänger war, grenzte er sich in dieser Angelegenheit von ihm ab. Mit seinem „Wilhelm Tell“ macht Schiller deutlich, dass es unter gewissen Umständen durchaus gut sein kann, einen Volksaufstand zu organisieren.

Die Rolle der Schweiz

In der Schweiz des Mittelalters findet er die optimale Vorlage dazu. Die Schweizer, wie er sie charakterisiert, sind ein friedliches, harmloses Volk. Sie waren es gewohnt, frei zu sein und dass keiner ihnen Böses will: „Frei war der Schweizer von uralters her, wir sind`s gewohnt, dass man uns gut begegnet, ein Solches war im Lande nie erlebt, solang ein Hirte trieb auf diesen Bergen.“

Die Herrschaft der Vögte

Im Zentrum der Schweizer Gesellschaft steht die Familie. So rechtfertigt Tell auch die Rettung Baumgartens damit, dass er der Frau und den Kindern den Mann und Vater erhalten wollte. Nun ist aber die Schweizer Gesellschaft durch die Fremdherrschaft der österreichischen Vögte bedroht. Die Übergriffe der Vögte gehen bis in den innersten Kern der Schweizer Gesellschaft: die Familie. Baumgartens Frau wird beinahe vergewaltigt. Und Melchthals Vater wird geblendet.

Auch bei Wilhelm Tell ist es die Bedrohung seiner eigenen Familie, die schließlich zu Gesslers Tötung führt. Tell wurde gezwungen, seinen eigenen Sohn zu gefährden. Damit hat Gessler Unruhe in diese Familienordnung gebracht. Und er hat eine Grenze zwischen Gut und Böse überschritten, er hat gegen ein sittliches Gesetz verstoßen. Auf dieser Grundlage werden die weiteren Taten gerechtfertigt.

Der Rütlibund

Die Männer schließen sich im Rütlibund zusammen, um die alte Ordnung wiederherzustellen. Und Wilhelm Tell handelt nicht aus niederen Rachegelüsten, sondern aus Notwehr: Er muss seine Familie und damit die Gesellschaftsordnung verteidigen. Bis auf Gessler gibt es keinen weiteren Toten, kein unnötiges Blutvergießen.

Die Vögte werden von ihren Burgen vertrieben, der einstige Zustand der freien Schweiz wird wiederhergestellt. Und selbst als Melchthal sich an dem Schänder seines Vaters rächen könnte, lässt er ihn laufen. So zeichnet Schiller das Bild einer moralisch guten Revolution, wie sie nur unter ganz bestimmten Bedingungen stattfinden kann.

Die Uraufführung des Stückes

1804 wurde das Schauspiel in Weimar uraufgeführt, Regie führte Schillers Freund Goethe. Es war erfolgreich, der Druck des Stücks ging schon im folgenden Jahr in die zweite Auflage. Bald wurde es zum ersten Mal übersetzt, und zwar ins Dänische. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Stück sehr politisch gelesen. Im Jahr 1870 hat Frankreich Preußen den Krieg erklärt.

Wilhelm Tell im Dritten Reich

Wilhelm Tell galt nun als Ausdruck des Freiheitskampfes, den die liberalen Bürger auf sich selbst bezogen. So bezeichnete Theodor Fontane Schiller als nationalen Dichter, der zum Volk spreche. Auch vom Dritten Reich wurde Schillers Wilhelm Tell anfangs instrumentalisiert. Sein Inhalt wurde im Sinne der NS-Ideologie verstanden. Er wurde viel gespielt und in der Schule gelesen. Nach Ausbruch des Krieges änderte sich das jedoch: Jetzt war ein Schauspiel, indem ein Tyrann getötet wird, gefährlich. 1941 wurde Aufführungsverbot für Wilhelm Tell erlassen und ebenso ein Lektüreverbot für die Schulen.

Willhelm Tell in der DDR und Gegenwart

In der DDR konnte man sich mit dem einfachen Volk im Wilhelm Tell identifizieren. Die Volksmasse als treibende Kraft, das passte zu den Ideen des Sozialismus. Heute zeichnen sich zwei gegensätzliche Aufführungspraxen ab: Die Freilichtspiele, welche den Tell möglichst realistisch und nah am Text aufführen. Sowie die modernen Inszenierungen, welche mit den Traditionen brechen und aktuelle Themen mit dem Heldenmythos zusammenbringen.

Ob Wilhelm Tell wirklich ein Held ist, das wird heute bezweifelt. Doch die Frage, unter welchen Umständen eine Revolution gerechtfertigt und moralisch gut sein kann, die stellt sich noch immer.

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2 Kommentare
  1. Default

    Dake

    Von K Schmid, vor 7 Monaten
  2. Default

    War sehr hilfreich danke

    Von Cameliazz, vor 10 Monaten