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Transkript Thomas Mann – Leben und Werk

Paul Thomas Mann wird als zweitältester Sohn des wohlhabenden Kaufmanns, niederländischen Konsuls und Senators Johann Heinrich Mann geboren. Wir schreiben das Jahr 1875 in Lübeck, eine durch lange bürgerliche Tradition geprägte Hansestadt.

Johann Heinrich Mann vermittelt seinem Sohn bürgerliche Tugenden wie Ordnungswille, Korrektheit und protestantisches Leistungsethos. Thomas Mann wird sein Leben lang die kühle, beherrschte und weltmännische Haltung des Vaters bewahren.

Ganz anders seine Mutter: Julia da Silva-Bruhns ist in Brasilien geboren und elf Jahre jünger als der Vater. Sie hat Temperament und ein unbürgerliches, künstlerisches Wesen, das ihre fünf Kinder stark in der Entwicklung beeinflusst.

Volontariat und Durchbruch mit "Buddenbrooks"

1891 stirbt der Vater - ein einschneidendes Ereignis für die Familie. Noch im selben Jahr wird die Firma aufgelöst und die Mutter zieht mit den jüngeren Kindern nach München. Dorthin folgt Thomas Mann 1894 nach Beendigung der Schulzeit.

Er beginnt im Alter von 19 Jahren ein Volontariat bei einer Versicherungsgesellschaft. Mann muss viel am Schreibtisch sitzen und Akten durchsehen. Er nutzt aber die Arbeitszeit lieber, um heimlich an seiner ersten Novelle mit dem Titel Gefallen zu schreiben.

Das ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass Thomas Mann versucht, einen konventionellen Lebensstil wie sein Vater zu führen - aber dann doch das Künstlerische siegt.

Nach dem Volontariat arbeitet er als freier Schriftsteller. Mann verfasst literarische Texte und journalistische Beiträge für Zeitschriften. Auf Italien-Reise mit seinem Bruder Heinrich, der ebenfalls Schriftsteller ist, beginnt er die Arbeit an seinem Werk „Buddenbrooks”. Mit diesem Roman erreicht er den Durchbruch als Schriftsteller und befindet sich in einer komfortablen wirtschaftlichen Situation.

1905 heiratet Mann Katja Pringsheim, die hochgebildete Tochter eines reichen Münchner Professors. Damit entscheidet er sich für ein „geordnetes“ Leben und heiratet in eine der angesehensten Familien Münchens ein.

In den folgenden Jahren wächst die nationale und internationale Anerkennung des deutschen Autors. 1929, im Alter von 54 Jahren, bekommt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur verliehen.

Emigration und Exil

Wegen seiner skeptischen Einstellung gegenüber dem Nationalismus wird der Schriftsteller 1933 des “geistigen Landesverrats” beschuldigt. Er kehrt nach einer Vortragsreise nicht mehr nach München zurück - das bedeutet für ihn Emigration und Exil.

Zwischen 1933 und 1938 führt Mann ein unruhiges, aber weiterhin komfortables Leben in Südfrankreich, in der Schweiz und den USA. Nachdem ihm die deutsche Staatsbürgerschaft 1936 aberkannt wird, nimmt Mann erst die tschechoslowakische und schließlich die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Er bleibt bis 1952 in den USA, wo er Gastprofessor und geistig-literarisches Zentrum der emigrierten deutschen Intellektuellen ist. Mann vollendet mehrere Romane, schreibt Essays, Tagebücher und Briefe und hält Vorträge über die politischen Verhältnisse.

Übers Radio fordert er die Einwohner seines Heimatlandes zum Widerstand gegen die Hitlerdiktatur auf: 55 Radiosendungen nach Deutschland gehen 1942/45 on air. Jede monatliche Sendung beginnt mit der Ansprache „Deutsche Hörer!”.

Einige Schriftsteller fordern Mann auf, nach Deutschland zurückzukehren. Andere werfen ihm vor, sein Heimatland im Stich gelassen zu haben und greifen sein dichterisches Werk an.

Anlässlich seines 80. Geburtstags erfährt Mann große Ehrungen im In- und Ausland. Er wird Ehrenbürger der Stadt Lübeck - eine Aussöhnung mit seiner Vaterstadt und Deutschland.

Am 12. August 1955 stirbt er an den Folgen einer Thrombose in Zürich. Thomas Mann wurde 80 Jahre alt. Das heißt in seinem Fall über 60 Jahre literarisches Schaffen. Das Ergebnis sind: 8 Romane, über 30 Erzählungen, ein Schauspiel, ein Versepos; Vorträge, Reden, politische Manifeste, Tagebücher und autobiographische Werke, unzählige Essays sowie ca. 30.000 Briefe.

Themen: Heimatverbundenheit & Politik

Bestimmte Themen sind bezeichnend für Mann und werkübergreifend: Heimatverbundenheit. In seinem berühmten Gesellschaftsroman “Buddenbrooks” verarbeitet er seine Familiengeschichte als Verfallsgeschichte des Bürgertums und verewigt seine Heimatstadt Lübeck, ohne sie namentlich zu nennen.

Politik: Manns politisches Engagement zieht sich durch viele seiner Werke, wenn auch oft indirekt. Die Novelle “Mario und der Zauberer” warnt vor nationalsozialistischer Verführung. Im parodistischen Bildungsroman “Der Zauberberg” zeigen sich Manns veränderte Ansichten zum ersten Weltkrieg.

Es war Thomas Mann, der dem deutschen Roman den Anschluss an die Weltliteratur verschaffte. Seine literarische Lebensleistung wird mit der Johann Wolfgang Goethes verglichen - er ist einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts.

Der Dichter nahm Anteil an allen politischen und kulturellen Strömungen seines langen Lebens und wurde zum Bewahrer abendländischen Kulturerbes und zum weltoffenen Erzieher zu Humanität und Demokratie.

Doch der Schriftsteller ist auch umstritten: Oft wurde seinen Werken ein Mangel an Genialität und Phantasie vorgeworfen. Tatsächlich besteht Manns Arbeitsweise aus jahrelanger, täglicher, disziplinierter Kleinarbeit. Die Schilderungen in seinen Werken gehen oft auf reale Gegebenheiten zurück.

Schlussbetrachtung

2001 rücken der Dichter und seine Familie wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit durch den Erfolg der dreiteiligen Fernsehserie “Die Manns - Ein Jahrhundertroman”. Drei seiner sechs Kinder, Erika, Klaus und Golo, sind ebenfalls schriftstellerisch tätig.

Der Thomas-Mann-Stein vor seinem Geburtshaus in Lübeck trägt als Inschrift folgende Aussage Manns: “Wenn ich einen Wunsch für den Nachruhm meines Werkes habe, so ist es der, man möge davon sagen, daß es lebensfreundlich ist, obwohl es vom Tode weiß.”

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