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Transkript „Tauben im Gras“ – Entstehungsgeschichte (Koeppen)

Der Roman "Tauben im Gras" erschien 1951. Während andere Nachkriegsautoren noch unmittelbar unter dem Eindruck des Krieges standen und diesen reflektierten, nahm sich Koeppen bewusst der unmittelbaren Gegenwart an. Dies war dem zeitgenössischen Publikum mitunter unverständlich. Die Quellen, die Koeppen inspirierten, liegen offen zutage.

Wurzel in der literarischen Moderne

Die Anregungen für den Roman stammen aus literarischen, psychologischen und philosophischen Traditionen, die sich seit der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelt haben. Besonders erwähnenswert sind der psychologische Bewusstseinsroman und der Großstadtroman aus der literarischen Moderne. Diese beginnt ebenfalls um 1890.

Literarische Einflüsse

Zu den literarischen Einflüssen auf Koeppen zählen vor allem die Amerikaner Gertrude Stein und John Dos Passos. Stein führte in Paris nach dem Ersten Weltkrieg einen Salon, in dem viele Künstler verkehrten. Auch Dos Passos gehörte dazu.

Vorher hatte Stein bei William James Psychologie studiert. James untersuchte das Verhältnis zwischen Welt und erkennendem, denkendem und fühlendem Menschen.

Stein, Dos Passos und andere versuchten, Gefühle, Gedanken und Reflexionen so zu wiederzugeben, wie sie durch das Bewusstsein fließen.

Stein wendete sich vom traditionellen Erzählen ab und entwickelte einen Stil, der sich durch Einfachheit und Wiederholungen auszeichnete.

Dos Passos, dessen Generation von Schriftstellern auch die "Lost Generation", die verlorene Generation genannt wurde, erzählte in einer Weise, die an die Kameraführung beim Film erinnerte. Das Lebensgefühl der Großstadt als Ganzes ist bei ihm wichtiger als das einzelne Schicksal des Protagonisten.

"Lost Generation"

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und mit dem beginnenden Wirtschaftswunder entstand in Deutschland wieder eine Schriftstellergeneration, die sich wie eine "Lost Generation" fühlte. Auf der Basis von Psychologie entwickelten sie eine neue Literatur.

Sie zeichnete sich vor allem durch die Häufung innerer Monologe aus. Dies bedeutet, dass Gedanken der Figuren so abgefasst und vorgestellt werden, als würden sie ausgesprochen. Auch der Bewusstseinsstrom wurde literarisch umgesetzt. Ebenfalls häufig ist die Synchronizität, also die Gleichzeitigkeit verschiedener Handlungsstränge.

1945: Stunde Null?

Der angeblichen Stunde Null, dem angeblichen Nullpunkt 1945 und der Beschäftigung mit dem Krieg setzte Koppen eine Literatur entgegen, die ihre Wurzeln in der Literatur der Moderne nach 1900 hat.

Thematisch kreist er also um die Nachkriegszeit, aber die Elemente der Ausgestaltung des Romans stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit. Mit diesem Großstadtroman gelang ihm ein verstörend düsteres Porträt der deutschen Nachkriegsjahre.

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