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Transkript Naturalismus – das Drama

In der Epoche des Naturalismus, Ende des 19. Jahrhunderts, entwickelt Stanislavski eine neue Schauspieltechnik. Sie ist darauf angelegt, dass sich die Schauspieler in die Figur einfühlen können. Damit sollen sie möglichst wahrheitsgetreue Menschen auf der Bühne darstellen können. Einher damit geht eine neue Art, Dramen zu schreiben.

Abbildung der Wirklichkeit

Autoren wie Gerhard Hauptmann, Anton Tschechow oder Henrik Ibsen porträtieren in ihren Werken Bildungsbürger, Arbeiter und Diener, immer versucht, die Wirklichkeit genau abzubilden. Doch was genau ist das Besondere am Drama des Naturalismus? Wir werden dieser Frage etwas genauer nachgehen.

Eine neue Arbeiterklasse entsteht

Versuchten Stücke bis ins 19. Jahrhundert hinein noch eine Fabel, also eine lehrreiche Geschichte, zu erzählen, mit Sagengestalten, fantastischen Wesen oder gar mitwirkenden Göttern, so wendet sich das Blatt nun. Der Beginn der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts hat eine neue Arbeiterklasse und damit einhergehend neue Probleme geschaffen.

Autoren wie Hauptmann entscheiden für sich, dass Theater wie bisher nicht nur an dieser Lebenswirklichkeit vorbei geht, sondern sie ganz außen vor lässt. Sie entscheiden sich, das Leben so wirklich, wie nur irgend möglich abzubilden. Dies schließt ein, dass die Ständeklausel aufgehoben und auch über die ärmlichen Verhältnisse berichtet wird. Milieustudien entstehen, sehr genaue Zeichnungen einer Lebenswelt. Dazu gehören natürlich auch Dialekte und die Umgangssprache.

Das Sozialdrama von Gerhard Hauptmann

In Gerhard Hauptmanns “Die Weber” von 1892 zeigt sich all das. Es wird vom tatsächlichen Weberaufstand 1840 in Schlesien erzählt. Die Hauptfiguren sind die Weber, die sich in Dialekt unterhalten und besseren Lohn fordern. Bei “Die Weber” handelt es sich um ein sogenanntes Sozialdrama.

Die Protagonisten können nicht ausbrechen, da ihr sozialer Stand, ihr Milieu, ihr Schicksal darstellen. Es gibt keinen romantischen Ausbruch aus dieser Situation und das wird gezeigt. Viele naturalistische Dramen handeln von eben solchen Menschen, von Haushälterinnen, Arbeitern und Ausgeschlossenen aus der Gesellschaft.

Das analytische Drama

Eine andere Art des naturalistischen Dramas ist das sogenannte analytische Drama. Hierbei liegt der Fokus nicht auf der sozialen Schicht und ihren Problemen, sondern es handelt sich viel mehr um ein “Aufdeckungsdrama”. Viele Dramen des norwegischen Autors Henrik Ibsen kann man zu dieser Gattung zählen.

In “Nora oder ein Puppenheim” von 1879 hat sich die Hauptfigur Nora vor Jahren Geld geliehen und dafür eine Unterschrift gefälscht. Diese Tat wird im Laufe des Dramas aufgedeckt und bestimmt die Handlung. Der Ursprung der Handlung liegt also in der Vergangenheit und ist das Hauptthema. Stück für Stück werden immer mehr Details bekannt und begründen dann den Untergang der Hauptfiguren. Auf diese Art und Weise funktionieren fast alle analytischen Dramen des Naturalismus.

Zeit, Handlung und Raum

Darüber hinaus gelten im naturalistischen Drama oft die Regeln der Einheit von Zeit, Handlung und Raum. Der Ort ist auf Grund eines realistischen und aufwändigen Bühnenbildes meist einer im gesamten Drama. In Hauptmanns “Die Ratten” ist es ein Dachboden, bei “Nora” das Wohnzimmer der Familie.

Auch wird häufig auf viele Nebenhandlungen verzichtet, um eine besondere Handlung hervorzuheben. Ebenso sieht es mit der Zeit aus: Es werden keine großen Zeitspannen beschrieben oder Zeitsprünge verwendet, um das Elend darzustellen oder die Handlung aufzudecken. Damit ist ein klarer Rückgriff auf die Antike gegeben.

Unterschiede des naturalistischen Dramas zur Antike

Doch in vielen Punkten unterscheidet sich das Drama des Naturalismus auch von dem der Antike. Lange Monologe oder gar ein “Beiseitesprechen”, sodass nur das Publikum mithören kann, was die Figur denkt oder sagt, werden abgelehnt. Es sei eben nicht natürlich und passiert im wahren Leben nicht, so die Begründung. Aus dem selben Grund gibt es auch keine Vers- oder Kunstsprache, sondern - wie schon erwähnt - eine Umgangssprache oder Sprache bestimmter Schichten, Soziolekt genannt.

Was heute als verstaubt anmutet, war damals eine ungeheure Neuerung. Der Versuch, die Wirklichkeit eins zu eins abzubilden, soziale Konflikte der Zeit sichtbar zu machen - und das mit möglichst hoher Präzision und ohne Auslassungen, all das war revolutionär. Heute werden solche Dramen in Deutschland kaum noch geschrieben.

Auswirkungen bis in die Gegenwart

In England hat sich das Sozialdrama dahingegen stark gehalten. Die wohl größte Auswirkung hat das Drama des Naturalismus jedoch vermutlich auf den Film als Medium gehabt, vor allem in Hollywood. Hier zählen die Regeln und Gepflogenheiten des möglichst realistischen Abbilds einer Wirklichkeit noch immer.

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