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Transkript „Nathan der Weise“ – Entstehungsgeschichte (Lessing)

Nathan der Weise – Enstehungsgeschichte

Wir werden Zeugen eines heftigen Fragmentenstreits. Wie dieser Streit ausgelöst wurde und welche Kontrahenten dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing dabei gegenüber standen, erkläre ich dir gleich.

Sein dramatisches Gedicht “Nathan der Weise” war Lessings einzige Möglichkeit, für die Ideale Vernunft, Humanität und Toleranz in der Religion zu plädieren. Theologische Schriften durfte er nach seinem Zensurverbot nicht veröffentlichen. Welche religionskritische Haltung vertrat Lessing dabei? Welche bedeutenden historischen Ereignisse beeinflussten die Entstehung von “Nathan der Weise” ?

Gotthold Ephraim Lessing schreibt sein dramatisches Gedicht “Nathan der Weise” im Jahr 1779, nur 10 Jahre bevor die Französische Revolution in Frankreich ausbrechen wird. “Nathan der Weise” entsteht zur Zeit der literarischen Epoche der Aufklärung. Ihre zentrale Forderung nach menschlicher Vernunft durchdringt allmählich die verschiedensten Lebensbereiche: Philosophie, Politik, die Naturwissenschaften, aber auch Theologie und Literatur.

Kennst du bedeutende Aufklärer? Denk` doch mal an Gottfried Wilhelm Leibniz, an den Philosophen Immanuel Kant, aber auch an seine Kollegen John Locke und Rousseau. Sie alle gehen davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Durch Erziehung und Belehrung soll jeder Mensch zum kritischen Denken angeregt werden.

Außerdem soll der Mensch dadurch zu gutem Handeln befähigt werden. Sie kritisieren die starren und veralteten Strukturen von Politik und Kirche. Sie träumen von einer neuen Gesellschaft, die aufgeklärt sein wird.

Die Aufklärungsideale bekamen in Folge der Französischen Revolution 1789 eine rechtliche Grundlage, z.B. in der Erklärung der Menschenrechte. Sie macht gleiche Rechte für jeden Menschen geltend, zum Beispiel das Recht auf Freiheit, aber auch den Ansatz, dass jeder Mensch vor dem Gesetz gleich ist. Gleich, welcher Abstammung, Religion oder Geschlecht er ist.

Als prototypischer Aufklärer begibt sich der Schriftsteller Lessing zu seiner Zeit mit seinem kritischen Denken aufs Glatteis. Er veröffentlicht die religionskritischen Schriften seines Freundes Hermann Samuel Reimarus.

Damit entfacht er einen heftigen Streit mit strenggläubigen Vertretern der protestantischen Kirche. Lessings größter Kontrahent in dieser Auseinandersetzung ist der Hamburger Pastor Johann Melchior Goeze. Beide liefern sich ein Text-Gefecht.

Lessing verteidigt seinen Standpunkt, dass die biblischen Schriften sich einer kritischen Lesart unterziehen lassen müssten. Goeze hingegen beharrt darauf, dass in der Bibel jedes Wort die reine unangreifbare Wahrheit sei. Trotz unzähliger Gegenschriften Lessings, gewinnt Goeze letztendlich die Oberhand. Sogar der Adel fühlt sich durch Lessings kritische, theologische Schriften in seiner Alleinherrschaft bedroht. Als Folge des Streites entzieht man Lessing die Freiheit vor der Zensur. Ab jetzt unterliegen seine theologischen Schriften wieder der Zensurpflicht.

Lessing jedoch will sein Redeverbot nicht einfach so akzeptieren. Stattdessen beschließt er den “Kampfplatz” auf die Theaterbühnen zu verlagern. Lessings kritische Auseinandersetzung mit der religiösen Toleranz konnte somit als literarische Botschaft auf der Bühne verpackt werden.

„Ich muß versuchen, ob man mich auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater wenigstens, noch ungestört will predigen lassen.“

Diesen Satz schreibt er 1778 in einem Brief an Reimarus` Tochter. Lessing beginnt also die Thematik in einem Drama zu behandeln. Schauplatz und Zeit setzt er dabei weit entfernt an: Im zwölften Jahrhundert in Jerusalem, zur Zeit des ersten Kreuzzuges. Diese Verfremdung ermöglicht es ihm, relativ frei über die Geschehnisse schreiben zu können.

Seine wichtigste literarische Quelle war Giovanni Boccaccios “Decamerone”. In der Novellensammlung des italienischen Autors findet sich die Ringparabel. Der Inhalt ist fast identisch mit Lessings Ausgestaltung: Der Sultan will sich Geld von einem reichen Juden leihen. Um ihn in die Falle zu locken, stellt er ihm die Frage nach der richtigen Religion. Der Jude antwortet mit der Geschichte des Ringes.

Der Ring ist von einem Vater kopiert und an seine drei Söhne vererbt worden. Die Frage, welches der richtige Ring sei, kann man nicht beantworten. Doch Lessing erweitert die Parabel: Bei ihm hat der Ring eine Wirkung auf den Träger. Und bei ihm gibt es einen Richter, der den Söhnen einen Handlungsappell mit auf den Weg gibt. So hat Lessing die Parabel um die Aspekte: Humanität, Toleranz und Handlungsappell erweitert.

Neben dem Fragmentenstreit und der Vorlage Boccaccios fließen auch Lessings persönliche Lebensumstände in die Entstehung des “Nathan” hinein. Lessing verliert auf dramatische Weise seinen neugeborenen Sohn und seine Ehefrau. Die gleiche dramatische Erfahrung muss der Protagonist Nathan in “Nathan der Weise” durchstehen.

Im November 1778 beginnt Lessing zu schreiben, im Mai 1779 erscheint die Erstausgabe des Stückes. Die Uraufführung findet erst nach Lessing Tod statt, im April 1783 in Berlin.

“Nathan der Weise” verdeutlicht, wie aus einem religionskritischen Fragmentenstreit zwischen Lessing und wichtigen Vertretern der Kirche, ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen enstanden ist.

Die literarische Botschaft auf der Bühne sei dabei ein Plädoyer für Toleranz. Die verarbeitete Thematik in “Nathan der Weise” hat somit an Aktualität bis heute nichts eingebüßt.

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2 Kommentare
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    danke vühr den viedeo

    Von Renate Kniechtl, vor etwa einem Monat
  2. Default

    Das Drama " Nathan der Weise" von Lessing ist Sinnträger und ich finde es von großer Bedeutung. Wichtig ist, der Inhalt des Dramas bis heute und besonders bis heute sehr wichtg ist. Ich empfehle denjenigen, die sich für deutsche Literatur interessieren, es zu lesen.
    Viele Grüße

    Von Baha Algenabie, vor etwa einem Jahr