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Transkript Max Frisch – Leben und Werk

Max Frisch: Leben und Werk

Das Leben von Max Frisch in wenigen Worten erzählen zu wollen, mit Bestimmtheit zu sagen, wie es gewesen ist: Das ist geradezu paradox. Paradox deshalb, weil er der Biographie nie traute. Weil die Konstruiertheit der Biographie zeitlebens Thema seiner Literatur war. Eine Biographie zu haben, das bedeutete für Max Frisch, sich ein Leben zu erfinden. Erfinden wir also in diesem Sinne Max Frischs Leben.

Geboren ist er am 15. Mai 1911 in Zürich. Dort wächst er zusammen mit einem älteren Bruder auf. In seiner Jugend entdeckt er das Theater. Schon mit sechzehn Jahren schreibt er ein Stück und schickt es an einen renommierten Verlag. Als er eine Absage erhält und weitere Stückversuche scheitern, beschließt er, dass die Dramatik nichts für ihn ist.

Mit zwanzig beginnt er, Germanistik zu studieren. Gleichzeitig schreibt er unaufgefordert für die Zeitung und wird prompt veröffentlicht. Als 1932 sein Vater stirbt, bricht er sein Studium ab. Er begibt sich auf Reisen durch Osteuropa, die er allein durch sein Zeitungshonorar finanziert. Aus diesen Reisenotizen entsteht 1934 sein erster Roman Jürg Reinhart. Doch auch nach der zweiten Erzählung Antwort aus der Stille, die 1937 erscheint, zweifelt Frisch noch an seinem Schreiben. Er verbrennt alles bisher Geschriebene.

1936 beginnt er, an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich Architektur zu studieren. 1941 erhält er sein Diplom. Ein Jahr darauf gewinnt Frisch die Ausschreibung eines Architektur-Wettbewerbs.

Er erhält den Auftrag, ein Freibad für die Stadt Zürich zu bauen. Frisch gründet sein eigenes Architekturbüro. Im selben Jahr macht er auch privat einen großen Schritt: Er heiratet die Architektin Gertrud von Meyenburg. Im Jahr darauf wird seine erste Tochter Ursula geboren und noch ein Jahr später sein Sohn Hans Peter.

Vom Schreiben hat Frisch in der Zwischenzeit nicht lassen können. Er hat einen weiteren Roman veröffentlicht und wendet sich nun wieder dem Drama zu. Santa Cruz, Die chinesische Mauer und weitere Stücke entstehen.

Durch den deutschen Dramaturgen Kurt Hirschfeld lernt Frisch Bertolt Brecht, Friedrich Dürrenmatt und Carl Zuckmayer kennen. 1949 ist es für den Architekten Frisch dann endlich soweit: Das Schwimmbad wird eröffnet. Dieses Bauwerk ist und bleibt aber auch sein einziger großer Auftrag.

1952 erhält der mittlerweile dreifache Vater ein Stipendium und reist ein Jahr lang durch die USA und Mexiko. Zwei Jahre später erscheint sein Roman Stiller. Mit diesem gelingt Frisch endgültig der Durchbruch als gefeierter Schriftsteller. Der Roman, in dem es um Fragen der Identität geht, erreicht eine Millionenauflage. Gestärkt durch den Erfolg hängt Frisch seinen Beruf als Architekt an den Nagel. Er trennt sich auch von seiner Familie, um ab jetzt allein als freier Schriftsteller zu leben.

Literarisch geht sein Erfolg weiter bis ins hohe Alter: Er veröffentlicht 1957 Homo faber, ebenfalls ein Großerfolg, 1961 Andorra, 1964 Mein Name sei Gantenbein und 1975 Montauk, um nur einige seiner wichtigsten Arbeiten zu nennen. Er wird mehrfach Ehrendoktor und erhält unzählige Preise.

Bekannt werden auch seine Tagebücher: Wie kein anderer schafft er es, die Gattung für seine Art des Erzählens und Beobachtens nutzbar zu machen. In seinen Tagebüchern mischen sich Protokolle, Skizzen, Prosaideen, Beobachtungen, Reflexionen und Erzähltes.

Auch privat geht Frischs Leben bewegt weiter. 1960 zieht er nach Rom, um dort mit der Lyrikerin Ingeborg Bachmann zusammenzuleben. Nach der Trennung lebt er ab 1964 mit seiner neuen Freundin Marianne Oellers. Gemeinsam mit ihr geht er zurück in die Schweiz, die beiden heiraten 1968. Es folgen Reisen nach Israel, in die Sowjetunion und nach Japan. 1972 ziehen sie nach Berlin-Friedenau.

Während einer Lesereise in den USA lernt Frisch die junge Amerikanerin Alice Locke-Carey kennen. Mit Locke-Carey lebt Frisch nach der Scheidung von Marianne Oellers in New York, bis er 1984 in die Schweiz zurückkehrt. Seine letzte Gefährtin ist Karin Pilliod. 1991, kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag, stirbt Frisch an Darmkrebs.

Dies sind einige Fakten zum Leben des weltberühmten Schweizer Schriftstellers. Doch, wie würde Frisch sagen: „Ein großer Teil dessen, was wir erleben, spielt sich in unsrer Fiktion ab, das heißt, daß das wenige, was faktisch wird, nennen wir`s die Biographie, die immer etwas Zufälliges bleibt, zwar nicht irrelevant ist, aber höchst fragmentarisch, verständlich nur als Ausläufer einer fiktiven Existenz.“

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