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Transkript „Mario und der Zauberer“ – Personenkonstellation (Mann)

“Mario und der Zauberer” - im Titel der Novelle befinden sich bereits die Namen zweier relevanter Figuren. Diese stehen sich konträr gegenüber.

Das “tragisches Reiseerlebnis” wird uns vom Erzähler berichtet. Zum Erzähler gehört seine Familie, die wiederum aus Frau und zwei Kindern besteht.

Der Familie begegnen zwei Gruppen: Die Menschen im Hotel und in der Pension. Außerdem die Badegäste am Strand. All diese unterschiedlichen Menschen versammeln sich als Publikum - und stehen Cippola, dem Zauberer, gegenüber.

Kann der Erzähler unser Beobachter und Berichterstatter bleiben oder wird er wie die anderen zu einem willenlosen Opfer des Zauberers?

Der Erzähler

Der Ich-Erzähler der Novelle berichtet in der Rückschau von den Geschehnissen während seines Ferienaufenthaltes. Er beschreibt, kommentiert und bewertet die Ereignisse.

Er reagiert empfindlich auf das bespitzelnde Verhalten der Italiener, auf die Hitze und die vielen Menschen am Strand. Er ärgert sich über die Empörung prüder chauvinistischer Feriengäste, die die Nacktheit seiner Tochter verurteilen. Zumindest dem Leser gegenüber.

Nach außen hin auf Harmonie bedacht entschuldigt sich bei der Fürstin. Auch in der Nacktheitsszene protestiert er nur gedanklich. Den Umzug in die andere Pension rechtfertigt er damit, dass dort das Essen besser und die Atmosphäre privater sei.

Der Erzähler fühlt sich als deutscher Tourist wie ein Störenfried und bedauert, nicht aus dieser nationalistischen Atmosphäre abgereist zu sein. Den Besuch der Zauberveranstaltung rechtfertigt er mit dem Wunsch nach “Zerstreuung”.

Owohl ihm in seiner Verantwortung als Vater schnell bewusst wird, dass die Kinder in dieser Zauberveranstaltung nicht sein dürften, verließ der den Saal nicht. Der Erzähler scheint nicht mehr selbstbestimmt - die faszinierende Wirkung des Zauberers zieht ihn genauso in den Bann wie auch schon die merkwürdige Stimmung am Ferienort.

Bis zur Pause zeigt der Erzähler durch seine Reflexionskraft und seine Beobachtungsgabe, dass er dem Zauberer Cippola überlegen ist. Diese distanzierte Position kann er aber nach der Pause nicht mehr halten: der Hypnotiseur gewinnt zunehmend Gewalt über ihn, so dass er sich, wie das willenlose Publikum, geistig ausliefert.

Die Befreiung aus der gefühlsmäßigen Abhängigkeit von Cippola findet der Erzähler erst durch dessen Tod. Für ihn auch ein fatales Ende, denn die Befreiung ist nicht durch seine Willensstärke zustande gekommen, sondern durch einen schicksalhaften Zufall.

Die Frau des Erzählers

Der Erzähler spricht anfangs häufig von sich und seiner Frau als “wir”. Innerhalb der Familie scheinen keinerlei Konflikte zu bestehen, seine Frau ist wohl einer Meinung mit ihm.

Die Kinder des Erzählers

Die Kinder des Erzählers dagegen sind neugierig, lebhaft, unbefangen und spontan. Ihr Verhalten ist unschuldig, unmittelbar und natürlich. Sie bekommen von den Eltern dazu den nötigen Entfaltungsspielraum.

Dennoch oder gerade deshalb geraten die Eltern immer wieder in Konflikt: Die Kinder wollen auf der Terrasse essen, wo die Fürstin sich über den Keuchhusten beschwert. Das achtjährige Mädchen läuft nackt am Strand herum, was den Ärger der Italiener auf die Familie zieht.

Es sind ebenfalls die Kinder, die den Erzähler überreden, die Zauberveranstaltung zu besuchen. Sie sind begeistert von Cippolas Zauberkunst und wollen unbedingt bleiben, obwohl sie hundemüde sind.

Sie sind kindlich naiv und geben sich der Unterwerfung unter Cippolas Herrschaft freudig hin.

Der Zauberer Cippola

Der Hypnotisuer Cippola kann als raffinierter Verführer der Nation verstanden werden. Er ist ein Scharlatan mit gemeinen, aber ungemein bannenden Methoden. Er verfügt über eine ausgefeilte Rhetorik, schmeichelt den Nachgiebigen und verhöhnt die Widerspenstigen. Seine Haltung zur Nation Italien betont er nicht selten.

Er scheint ein Schulmeister, der das Publikum maßregelt. Provokationen aus dem Publikum kommen ihm gelegen, denn an ihnen kann er seine Autorität darstellen. Ansonsten greift er sich willenschwache Personen aus dem einfachen Volk für seine Demonstrationen heraus.

Cippola macht keinen Hehl aus der Absicht seiner Kunststücke, vielmehr hält er noch einen Vortrag über Theorie und Praxis des Willensentzugs. Dass er schließlich an Mario scheitert, kann auf seine allmähliche Müdigkeit und seinen Größenwahn zurückgeführt werden.

Cippola heißt Zwiebel. Dieser Name steht für das innere Prinzip der Novelle - immer mehr entblättert sich die wahren Natur des “Cavalliere”.

Cippola existiert nur in der Konfrontation mit seinem Publikum, die Bühne dient seiner Selbstdarstellung und Selbstentfaltung. Nur im Ausüben von Macht empfindet er die notwendige Selbstbestätigung. Er will unterwerfen, nicht ergötzen.

Cippola ist aber auch Künstler. Seine “Performance” ist außergewöhnlich und das Ergebnis harter Arbeit. Er liebt das geistreiche Wortspiel, die ironische Anspielung und die Steigerung der Effekte - genauso wie der Erzähler.

Fuggièro

Was Cippola für den Erzähler im Großen personifiziert, verkörpert der zwölfjährige Fuggièro im Kleinen: Er ist ein großmäuliger und feiger Tyrann, der “Typ des patriotischen Rüpels”, ein “abscheulicher Junge”. Widerspenstig, unartig und boshaft. Seine Sonnebrandwunde ekelt den Erzähler genauso wie die akzentuierte Aussprache seines Namens.

Immer wieder fängt Fuggièro Streit mit anderen Kindern an. Als er von einem Krebs gezwickt wird, tut er so, als müsse er gleich sterben, obwohl der Arzt ihn beruhigt.

In seinem “Auftritt” drückt sich symbolisch die Stimmung der italienischen Nation aus, die von lärmendem Geltungsdrang und Streitsuche geprägt ist.

Mario

Ganz anders Mario. Er ist der Kellner der Familie und scheint sich gut mit den Kindern zu verstehen. Grobschlächtig und von einfacher Herkunft, ist er ein unaufdringlicher, “auf Liebenswürdigkeit verzichtender, junger Mann voll “primitiver Schwermut”. Ernst, aber nicht mürrisch. Schon gar nicht brutal. “Wir hatten von jeher etwas übrig gehabt für Mario”, sagt er Erzähler.

Gerade diesen äußerst unschuldigen Menschen trifft die Manipulationsfähigkeit des Zauberers: Cippola erniedrigt Mario vor dem ganzen Dorf.

Durch Cippola erfahren wir, dass Mario Liebeskummer hat. Das könnte erklären, warum er eine Pistole bei sich trägt: wahrscheinlich hat er sogar Selbstmordgedanken.

Mario ist in dem vernebelten Publikum der Einzige, der sich gegen seine “seelische Vergewaltigung” auflehnt: Er tötet den Zauberer Cippola. Damit sieht er nicht nur zu und macht mit, er handelt - im Gegensatz zum Erzähler.

Zusammenfassung

Der Zauberer Cippola schafft es also, das ganze Publikum in seinen Bann zu ziehen: Die Dorfbewohner, die Kinder - und auch den Erzähler. Auch er hat keine eigene Willenskraft mehr.

Stellvertretend wehrt Mario sich - und befreit das Publikum aus der “Verzauberung”.

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1 Kommentar
  1. Default

    Auch deine Rhetorische Art zu reden ist quasi zauberhaft :D

    Von Nelackshan, vor mehr als 2 Jahren