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Transkript Literatur der Weimarer Republik – Überblick

Hallo liebe Schüler und Schülerinnen! Hier ist wieder euer Leo! Heute geht es um die Literatur der Weimarer Republik. Wir reden also von der Zeit zwischen ungefähr 1920 und 1930. In diesem Video werde ich euch etwas zu den historischen Umständen, den verschiedenen Formen, den wichtigen Autoren und Werken erzählen. Also, Vorwissen: Das Allerwichtigste, das man hier wissen sollte, sind die Umstände des 1. Weltkriegs. Dass es einen Weltkrieg gab, werdet ihr sicherlich wissen. Dass dieser von 1914 bis 1918 dauerte, sicherlich auch. Und dass es sich um einen Stellungskrieg handelte. Das heißt, viel Bewegung war da nicht. Für uns ist es aber wichtig, das Ende des Krieges im Hinterkopf zu behalten. Und zwar kapitulierte Deutschland bedingungslos. Die deutsche Führung wurde von den Siegermächten Frankreich, Großbritannien und Russland, der Triple Entente, zur Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles 1919 gezwungen. Dabei musste Deutschland sehr viele Reparationsleistungen zugestehen. Im Zuge mit dessen Zurückzahlung kam es sogar zur Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen. Zudem hatte Deutschland auch territoriale Verluste und musste eine hohe Summe an die Siegermächte bezahlen. Besonders Frankreich pochte auf sehr viel, weil sie sich für den deutsch-französischen Krieg 1870 bis 1871 rächen wollten. In Deutschland kam es zu dieser Zeit zur Novemberrevolution, die zum Ende der Monarchie geführt hat und eben zur Entstehung der Weimarer Republik, der ersten richtigen Demokratie auf deutschem Boden. Und es gab eine Verschwörungstheorie, die so prominent war, dass sie auf die junge Republik große Auswirkungen hatte: die Dolchstoßlegende. Sie besagte, dass Deutschland nie im Feld besiegt wurde, sondern von den Sozialdemokraten bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages verraten und verkauft worden ist. Im Zuge der Weimarer Republik kommt es dann zunächst zur Konsolidierung und zur kurzen Zeit der Stabilität in der Mitte der Zwanziger, so ab 1924, den sogenannten Goldenen Zwanzigern. Und dann schließlich 1929 mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse zu ihrem raschen Ende. Gemocht hat die Demokratie ohnehin kaum einer zu dieser Zeit, weder links, noch Mitte, noch rechts. In dieser turbulenten Zeit befinden wir uns gerade. Der Expressionismus geht zu Ende, weil er die Zeit des 1. Weltkriegs kaum überstanden hat. Die Euphorie, mit der viele Expressionisten in den 1. Weltkrieg gezogen sind, war weg. In den 1920ern erschienen dann erste Texte zum Tod des Expressionismus. Natürlich gibt es noch ältere expressionistische Texte, aber die Dynamik der ersten Jahre war weg. Und viele Vertreter waren tot. Trotzdem wendet sich die neue Generation der Schriftsteller nicht vom Expressionismus ab. Viele der Experimente und Einflüsse wirken noch nach. Die Gemeinsamkeiten, die die Autoren zu dieser Zeit haben, kann man in vier Punkten zusammenfassen. Der Bruch mit den Traditionen, eine Lehre aus der Zeit des Expressionismus. Genauso wie der Glaube an den Übergang in eine neue Zeit. Die Reaktionen auf die Erfahrungen des 1. Weltkriegs. Und die Hinwendungen zu den Problemen der kleinen Leute. Der Name dieser Zeit lautet Neue Sachlichkeit. Es ist nicht die einzige Bewegung, aber man kann vieles darunter zusammenfassen. Die wichtigsten Texte, die wir kennenlernen werden zählen dazu. Neue Sachlichkeit heißt so ziemlich genau, was es heißt: Sachlichkeit. Die Expressionisten waren sehr aufbrausend, subjektiv und emotional. Jetzt wollte man etwas kühler an die Sache herangehen. Der 1. Weltkrieg hat die Autoren desillusioniert, also wollte man nüchtern und pragmatisch die Dinge wiedergeben. Man hat wissenschaftliche Quellen verarbeitet, soziale Verhältnisse analysiert und sich mit der menschlichen Psyche auseinandergesetzt. Hierzu war Siegmund Freuds Wahrnehmung ganz wichtig. Und Reportagen und Romane hat man verfasst, die sogenannte Gebrauchsliteratur. Die wichtigsten Köpfe dieser Gebrauchsliteratur sind Egon Erwin Kisch mit seinen sozialkritische Reportagen und Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky. Beide sind mit der Zeitschrift "Weltbühne" tief verbunden. In der Lyrik gibt es zwei Tendenzen. Die eine sucht den direkten Kontakt zum Publikum, und so kommen Formen wie der Bänkelsang, die Moritat, Ballade und der Song in den Vordergrund. Zum Beispiel bei Bertolt Brecht und auch bei Tucholsky. Die andere Tendenz ist das steigende Interesse an der Naturlyrik als eine Reaktion auf die steigende Technik. Also eine Form des Rückzugs. Der Name, den ihr euch hier merken solltet, ist Oskar Loerke.    Im Drama macht "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer von sich reden als die dokumentarische Geschichte eines Herren, der mit einer falschen Uniform bekleidet eine Menge Geld klaut. Zudem ist da noch Erwin Piscator, ein Regisseur, der mit seinen neuen Bühnenformen das Theater auf Jahrzehnte hin prägt. Er erfindet Möglichkeiten, besonders dokumentarisch im Theater arbeiten zu können. Zum Beispiel mit beweglichen Bühnen usw. Die wichtigste Person des Dramas ist aber Bertolt Brecht. Die Zwanziger sind sein Aufstieg und er wird bis zu seinem Tod 1956 eine der wichtigsten deutschen Persönlichkeiten überhaupt bleiben. Das Werk, das ihn zum Weltruhm katapultierte, war die "Dreigroschenoper". Darin erzählt Brecht die Geschichte von einem Räuber namens Mackie Messer, von organisierten Bettlern und von dem Fluch arm zu sein. Weitere berühmte Werke Brechts sind "Mutter Courage und ihre Kinder" und "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Brecht entwickelte in seinen Stücken das epische Theater, eine Form des Theaters, die eine bessere Welt auf die Bühne bringen soll, zudem eine Form des Lehrtheaters wird und mithilfe des Verfremdungseffektes, des sogenannten V-Effektes, die Identifikation mit den Bühnenfiguren verhindern wird, damit man besser und autonomer über das Geschehene nachdenken kann. Noch mehr zu erzählen gibt es von der Prosa dieser Zeit. Da feuere ich euch aber wirklich nicht mehr mit Inhalten zu, denn das wäre hier wohl zu viel. Auf jeden Fall gibt es viele, viele Autoren, weil es eine der besten Zeiten deutscher Prosa überhaupt ist. Ich nenne euch einfach mal vier meiner Favoriten und ihre dazugehörigen Werke: Alfred Döblin mit "Berlin Alexanderplatz", Robert Musil und "Der Mann ohne Eigenschaften", Hermann Hesse und "Der Steppenwolf" und Thomas Mann und "Der Zauberberg". Hervorheben möchte ich von diesen Alfred Döblin und "Berlin Alexanderplatz". Denn als sogenannter Montageroman, also mit vielschichtiger Auffassung von Wirklichkeit, Verarbeitung von moderner Psychoanalyse und durch Techniken wie den Bewusstseinsstrom und eine gebrochene Form der Sprache, steht er exemplarisch da und macht einfach Spaß zu lesen. Also, Zusammenfassung: Denkt an die Neue Sachlichkeit, also an Desillusion, Nüchternheit und Pragmatismus. In der Lyrik an einfache, direkte Formen und an Naturlyrik. Im Drama an einfache Stücke wie "Der Hauptmann von Köpenick" und vor allem aber an das epische Theater von Bertolt Brecht wie die "Dreigroschenoper". In der Prosa an Reportagen und Tatsachenromane, an Gebrauchsliteratur, an "Berlin Alexanderplatz" von Döblin als Montageroman. So, das war's für dieses Mal! Viel Spaß und denkt an Tucholsky: Kluge Leute können sich dumm stellen, das Gegenteil ist viel schwieriger.        

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3 Kommentare
  1. Default

    Hallo Herr Stahl, auch wenn Hesses Steppenwolf 1927 erschien, ist er nicht charakteristisch für die Weimarer Republik oder neue Sachlichkeit, oder? Typische Prosa-Autoren dieser Zeit wären eher Kästner, Keun, Fleißer und vielleicht auch Roth.

    Von Abitur 1, vor mehr als 2 Jahren
  2. Default

    Gefällt mir gut, danke! Gut erklärt!

    Von Sasa123, vor mehr als 4 Jahren
  3. Default

    Sehr schön!

    Von Rahim, vor fast 5 Jahren