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Transkript „Leonce und Lena“ – Personenkonstellation (Büchner)

“Oh, wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen.” So lautet der Wunsch des Protagonisten in Büchners Lustspiel “Leonce und Lena”. Wer aber ist dieser Prinz im Königreich Popo? Wieso sehnt er sich nach so merkwürdigen Idealen? Welche Personen beeinflussen ihn dabei? Fangen wir an!

Leonce - der Melancholische

Prinz Leonce heißt der Thronfolger im Königreich Popo. Doch Leonce hat keine Lust darauf, den Staat zu regieren. Viel lieber vertreibt er sich den Tag mit Aufgaben, die niemandem etwas bringen: 365 Mal auf einen Stein zu spucken zum Beispiel. Nicht etwa aus Faulheit ist Leonce der Arbeit gegenüber kritisch eingestellt. Vielmehr zweifelt er an der Sinnhaftigkeit jeglicher Tätigkeiten.

Studieren, sich verlieben, heiraten – all das geschieht aus Langeweile, mutmaßt Leonce. Dabei ist Leonce kein bloßer Müßiggänger, der das Nichtstun genießt. Er leidet vielmehr an sich selbst und der Welt: Leonce ist zutiefst melancholisch. Er fühlt sich schon alt und leer. Auch ist er vor lauter Schwermut unfähig, zu handeln: „Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus.“

Sein Freund Valerio

Im Nichtstun versteht Leonce sich hervorragend mit Valerio. Valerio ist ein Landstreicher, Trinker und Lebemann. Auch er verachtet die Arbeit. Er hat es sich zum Prinzip gemacht, Geld zu finden, zu gewinnen oder zu stehlen. Im Gegensatz zu Leonce genießt Valerio das Faulenzen. Überhaupt arrangiert sich Valerio mit vielem, so lange es zu seinem Vorteil geschieht. Selbst ins Narrenhaus würde er gehen, weil es dort umsonst zu Essen und zu Trinken gibt.

Die Liebe zu Wortspielen

Valerio und Leonce kritisieren nicht nur gemeinsam die herrschenden gesellschaftlichen Normen, sie teilen auch die Lust an Wortspielen. So sagt Valerio: „O Himmel, man kömmt leichter zu seiner Erzeugung als zu seiner Erziehung. Es ist traurig, in welche Umstände einen andere Umstände versetzen können.“ Und Leonce antwortet ihm auf seine Scherze: „Mensch, du bist nichts als ein schlechtes Wortspiel.“

König Peter

Nichts zu lachen hat Leonce hingegen bei seinem Vater, dem König Peter. Der will nämlich, dass Leonce die ihm fremde Prinzessin Lena heiratet und König wird. König Peter ist kein idealtypischer Herrscher. Er ist ein sehr zerstreuter, ganz und gar weltfremder Mann. So wirft er mit abstrakten Fremdwörtern um sich, vergisst darüber aber das Wesentliche: sein Volk.

Der König als Karikatur

Alle Tricks helfen Peter nicht dabei, gegen seine Verwirrtheit anzukämpfen. Auch der Knoten in seinem Taschentuch hilft ihm nicht dabei, sich an etwas zu erinnern. Der König tritt als hilflose, lachhafte Karikatur auf. Seine Diener, der ganze Hofstaat, können ihm auch nicht helfen, den Regierungsaufgaben gewissenhaft nachzugehen. Als seine Marionetten wiederholen sie lediglich seine Worte, ohne selbst zu denken.

Was König Peter als die Weisheit seiner Diener bezeichnet, sind in Wahrheit leere Floskeln. Die Diener werden nicht als Menschen dargestellt, die selber denken und handeln, sondern als fremdbestimmte Marionetten. Komplett aus dem höfischen Gefüge ausgeschlossen sind die Bauern.

Die Rolle der Bauern

Diese arme Bevölkerungsschicht zitiert der König Peter nur heran, damit sie als Statisten die Hochzeitsfeier unterstützen. Doch auch dann dürfen sie einzig die vorgegebene Gratulationsformel wiederholen. Sie kommen also ebenso wenig wie die Diener als Individuen zu Wort.

Prinzessin Lena in Büchners Lustspiel

Anders Prinzessin Lena: Sie erhält in Büchners Lustspiel zwar auch nicht so viel Text, doch lernen wir die Prinzessin dennoch ein wenig näher kennen. Genau wie Leonce wehrt auch sie sich gegen die arrangierte Hochzeit. Sie kommt zwar nicht selber auf die Idee zu fliehen, doch innerlich lehnt sie sich ebenfalls auf.

Prinzessin Lena aus dem Königreich Pipi ist eine naturverbundene, freiheitsliebende Person. Wie Leonce besitzt auch sie einen Hang zum Poetischen in ihren Reden: „Ja, die Pflanzen legen ihre Fiederblättchen zum Schlaf zusammen, und die Sonnenstrahlen wiegen sich an den Grashalmen wie müde Libellen.“

Die Liebe zwischen Prinz und Prinzessin

Lena hat ein feines Gespür, sie nimmt Leonces Schwermütigkeit wahr und sagt über ihn: „Es kommt mir ein entsetzlicher Gedanke: ich glaube, es gibt Menschen, die unglücklich sind, unheilbar, bloß, weil sie sind.“ Trotz seiner Schwermut verliebt sich Lena in den Prinzen und Leonce verliebt sich in sie.

Ende des Lustspiels "Leonce und Lena"

Leonce, Lena und Valerio bilden am Ende des Stücks das neue Personal im Königreich Popo. Leonce ist König, Lena seine Frau und Valerio wird Staatsminister. Doch was wird das für ein Staat, dessen neuer König über seine Untertanen sagt: „Nun, Lena, siehst du jetzt, wie wir die Taschen voll haben, voll Puppen und Spielzeug? (...) Wollen wir ihnen Schnurrbärte machen und ihnen Säbel anhängen?“ (S. 73)

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