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Transkript „Leonce und Lena“ – Entstehungsgeschichte (Büchner)

Stell dir den jungen Büchner vor. Er ist zweiundzwanzig Jahre alt, nach Frankreich geflüchtet, politisch engagiert und wird polizeilich gesucht. Er braucht dringend Geld und möchte schreiben. Was macht er also?

Preisausschreibung für literarische Lustspiele

Georg Büchner nimmt an einem Preisausschreiben der Cotta`schen-Verlagsbuchhandlung teil. Lustspiele sind gesucht, ein- oder zweiaktig, und Büchner könnte 300 Gulden gewinnen. Eine beträchtliche Summe für die damalige Zeit. Im Frühsommer 1836 schreibt Büchner daher “Leonce und Lena“ und schickt es an den Verlag. Doch sein Manuskript trifft zu spät ein. Die Einsendefrist ist abgelaufen. Ungeöffnet erhält Büchner seinen Umschlag zurück.

Die Zeit des politischen Umbruchs

Aber was war das für eine Zeit, in der Büchner “Leonce und Lena“ schreibt? Es war eine Zeit des politischen Umbruchs. Doch der ging Büchner nicht schnell genug voran. Noch immer war Deutschland absolutistisch regiert. In unzähligen kleinen Fürstentümern bestimmte der Adel über das Volk.

Die Klassengesellschaft in Deutschland

Die Gesellschaft war aufgeteilt in eine herrschende Klasse, dem Adel, der Privilegien genoss und in das normale Volk, das arm war und nichts zu sagen hatte. In Frankreich hatte zwar rund 50 Jahre zuvor die große Französische Revolution stattgefunden. Doch von deren Forderungen nach Gleichheit aller Menschen war in Deutschland nichts zu spüren.

Der Wunsch nach gesellschaftlichem Wandel

Daran änderte auch die Julirevolution nichts, die 1830 in Frankreich stattfand. Diese Revolution hatte die Machtergreifung des Bürgertums in einem liberalen Königreich zur Folge. Büchner wünschte sich auch für Deutschland solch eine Revolution. Er empfand die soziale Ungerechtigkeit zwischen Volk und Adel als ungerecht.

Büchners Revolutionsaufruf

Während dem Volk viele Pflichten und hohe Steuerzahlungen auferlegt wurden, konnte der genusssüchtige Adel seine Privilegien genießen. Wegen seiner politischen Flugschrift “Der Hessische Landbote” wurde er in Deutschland steckbrieflich gesucht. Diese Flugschrift galt als Revolutionsaufruf an die Landbevölkerung. 1835 flüchtet er dann nach Straßburg.

Die Zeit zwischen der Julirevolution 1830 und der Märzrevolution 1848 nennt man Vormärz. Seit 1840 verschärften sich die wirtschaftlichen und sozialen Probleme unübersehbar. Immer häufiger kam es zu lokalen Aufständen. Bürgerliche Schriftsteller nahmen sich der Sache der Demokratie und der sozialen Gerechtigkeit entschiedener an, als je zuvor. Büchners Texte, einschließlich “Leonce und Lena”, gehören daher zu dieser literarischen Epoche.

Die Arbeit am Lustspiel

Trotz des verpassten Einsendeschlusses arbeitete Georg Büchner weiter an seinem Lustspiel. Er baute die erste Fassung von “Leonce und Lenca“ zu einem Dreiakter aus. Parallel arbeitete er an dem Dramenfragment „Woyzeck“. Lange war Büchner unzufrieden mit „Leonce und Lena“. Erst im Winter 1837 schrieb er in einem Brief an seine Braut, Louise Wilhelmine Jaeglé, dass das Lustspiel in acht Tagen fertig sein sollte. Inzwischen lebt Büchner in Zürich.

Romantische Werke als Vorlage

Büchner benutzt viele verschiedene Quellen für sein Stück. Das literarische Zitat ist eines der wichtigsten Stilmittel in “Leonce und Lena”. Entsprechend lang ist daher die Liste der benutzten Werke. Folgende zwei Lustspiele der Romantik boten ihm eine Vorlage für seinen Prinzen Leonce.

  1. “Prinz Zerbino oder die Reise nach dem guten Geschmack” von Ludwig Tieck: Auch bei Tieck geht es um einen an Empfindsamkeit erkrankten Prinzen. Tieck wiederum bezieht sich auf ein Stück des italienischen Komödiendichters Carlo Gozzi. Und genau der taucht bei Büchner in der Vorrede zu “Leonce und Lena” auf.

  2. ”Ponce de Leon” von Clemens Brentano: Auch der Protagonist von Brentano ist an Melancholie und Langeweile erkrankt. Und auch bei ihm gibt es Maskierungen und falsche Identitäten, bis sich das Paar am Ende findet.

Goethe und Shakespeare als Inspiration

Darüber hinaus waren William Shakespeare und Johann Wolfgang von Goethe für Büchner sehr wichtig. Beide sind durch explizite oder indirekte Zitate in Büchners Lustspiel vertreten.

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