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Transkript „Leonce und Lena“ (Büchner)

Hallo ich bin Lena und in diesem Video geht es um das Lustspiel Leonce und Lena von Georg Büchner. Ich werde kurz auf die Hintergründe des Stückes eingehen, anschließend den Inhalt zusammenfassen und abschließend einige Themen nennen. Es wäre gut, wenn du das Stück schon gelesen hättest, oder noch lesen würdest und ein ungefähres Bild von Deutschland zurzeit des Deutsches Bundes hättest. Georg Büchner verfasste Leonce und Lena 1836 im Rahmen eines Wettbewerbs für 1- und 2-Akter, reichte es jedoch zu spät ein und erhielt sein Manuskript folglich ungelesen wieder zurück. Daraufhin überarbeitete er es und machte einen 3-Akter daraus. Veröffentlicht wurde Leonce und Lena erst nach seinem Tod von seinem Gönner Karl Gutzkow. Uraufgeführt 1895 in München. Protagonist ist der Prinz Leonce aus dem Königreiche Popo. Er scheint keinerlei weitere Verpflichtungen zu haben und gibt sich ganz seiner Langenweile hin. Betrachtet dabei spöttisch sowohl sich als auch seine Mitmenschen und die Strukturen des Reiches. Seine Geliebte beschreibt er als Personifikation seiner Langeweile und trennt sich auch anscheinend gleichgültig von ihr. Als sein Vater der König Peter beschließt, dass er die Prinzessin Lena aus dem Königreich Pipi heiraten und König werden soll, flieht Leonce mit dem Müßiggänger Valerio, mit dem er zu Beginn des Stückes Freundschaft schließt, außer Landes in Richtung Italien. Etwa zur gleichen Zeit beschließen auch die Prinzessin Lena und ihre Gouvernante, der Heirat durch Flucht zu entgehen. An einem Wirtshaus kreuzen sich die Wege der beiden Parteien, ohne um die Identität des jeweils anderen zu wissen. Während die Gouvernante und Valerio aneinandergeraten, verliebt Leonce sich in Lena. Als sie des Nachts im Garten des Wirtshaus aufeinander treffen, wird jedoch deutlich, dass Lena seine Liebe nicht erwidert. Leonce will daraufhin Selbstmord begehen, wovon ihn Valerio aber mit seinem Spott zurückhält. Kurz darauf verliebt sich Lena doch noch in Leonce und die beiden wollen heiraten. Unter der Voraussetzung, dass er zum Minister ernannt werden solle, verspricht Valerio die Hochzeit der beiden zu ermöglichen. Unterdessen wird am Hofe des Königs Peter ungeduldig das Eintreffen des königlichen Brautpaares erwartet. Die Bauern werden dazu regelrecht dressiert, während die Festgesellschaft versammelt ist und die Grenzen des Reiches vom Schloss aus beobachtet werden, in der Hoffnung, Prinz und Prinzessin könnten noch eintreffen. Schließlich treffen Leonce, Lena, Valerio und die Gouvernante maskiert und unerkannt im Schloss ein. Valerio stellt das Pärchen als weltberühmte Automaten vor, als perfekte Duplikate einer Frau und eines Mannes. Worauf König Peter beschließt, die Hochzeit in effigie mit den Automaten zu feiern. Nach der Zeremonie demaskieren Leonce und Lena sich und erkennen, dass sie nicht, wie sie dachten, den anderen einen Streich gespielt haben, sondern das Schicksal sie letztlich, ihren Widerständen zum Trotz, zusammengeführt hat. Sie fügen sich in ihre Rolle als Herrscher über Puppen und Spielzeug, wie Leonce sagt. Das Stück endet damit, dass Valerio als neuer Staatsminister erklärt, jegliche Arbeit sei fortan verboten und das Leben allein dem Müßiggang zu widmen. Es gibt verschiedene Interpretationsansätze für Leonce und Lena. Beispielsweise bietet sich ein Zugang über das Genre an. Einerseits knüpft Büchner an die traditionellen Grundmuster und Grundideen des Lustspiels an. Zitiert und spielt auf verschiedene Stücke, wie zum Beispiel Shakespeares Verwechselungskomödie, Wie es euch gefällt, an. Und beschäftigt sich durch die Geschichte des Liebespaasres, das sich findet, indem es ein Treffen vermeiden möchte, mit der alten Frage nach Vorsehung und Zufall. Andererseits karikiert er das herkömmliche Lustspiel aber auch und distanziert sich von dessen Harmlosigkeit. Er benutzt gewissermaßen die oberflächliche Gattung zudem, um die gesellschaftlichen Verhältnisse im Deutschen Bund nicht nur zu kritisieren, sondern lächerlich zu machen. So beispielsweise durch die winzigen Reiche, derer man an einem halben Tag um die 20 zu Fuß durchqueren kann. Oder durch den König Peter, der sich aufgeklärt und philosophisch gibt, während er naiv und beeinflussbar scheint. Hinter dem scheinbar leichten Liebesmärchen steht also eine harte Politsatire. Es geht weniger um die oberflächlich vordergründige Handlung, als vielmehr um die gesellschaftspolitischen Umstände im Deutschen Bund, die in ironischer bis sarkastischer Form kritisiert werden. Ich hoffe, du hast alles verstanden und das Wichtigste behalten können. Auf Wiedersehen vielleicht, Lena.

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5 Kommentare
  1. Avatar2

    Hallo Matze991, ein Lustspiel ist eine Form der Komödie. Um Wikipedia zu zitieren, weil sich das mit dem deckt, was ich dazu gelernt habe: "Lustspiel ist zunächst die deutsche Übersetzung von Komödie, so wie Trauerspiel die Übersetzung von Tragödie ist. Oft grenzt sich der Begriff einerseits von der verfeinerten höfischen Komödie eines Molière und andererseits von gröberen Gattungen des komödiantischen Theaters wie Posse und Schwank ab. Bei der Übersetzung des griechisch-lateinischen Begriffs ins Deutsche spielt ein Gegensatz zwischen „deutscher“ Kultur und romanischen Kulturen eine Rolle, weil das deutsche Sprachgebiet noch im 19. Jahrhundert von italienischen und französischen Opern und Dramen dominiert wurde. Das Lustspiel wurde also oft als eine spezifisch deutsche und bürgerliche Art der Komödie verstanden."
    Liebe Grüße,
    Lena

    Von Lena Knaudt, vor fast 4 Jahren
  2. Default

    lustspiel...?

    Von Matze991, vor fast 4 Jahren
  3. Img 4451

    Danke für deine rasche Antwort

    Jetzt weis ich was ein Müßiggang ist danke .....

    Von Driemeyer, vor fast 6 Jahren
  4. Avatar2

    Hallo Driemeyer,
    das Wort lautet "Müßiggang" ;)
    Müßiggang leitet sich ab vom Begriff der "Muße" und bedeutet in diesem Zusammenhang entweder "Nichtstun" im Sinne von "keine sichtbare Arbeit leisten" oder aber, sich geistigen bzw. seelischen Genüssen (Philosophie, Kunst, ...)hinzugeben und keinen bestimmten Pflichten nachgehen zu müssen. Zu der Zeit, in der Leonce und Lena spielt, war der Müßiggang ein besonderes Phänomen innerhalb der Adelsklasse, ein Privileg sozusagen im Unterschied zu den arbeitenden Gesellschaftsschichten.
    Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
    Liebe Grüße,
    Lena
    Heute bedeutet der Begriff allerdings "Nichtstun" im Sinn von "faul sein".

    Von Lena Knaudt, vor fast 6 Jahren
  5. Img 4451

    was is ein müssegang?

    Von Driemeyer, vor fast 6 Jahren